Heute gehe ich mit meinem Bericht an Eure Grenzen der Aufnahmefähigkeit. Durcheinander wird’s und es hat mit Wandern wenig zu tun. Irgendwie doch, denn wer wandert hat Zeit in seiner Vergangenheit rumzuwühlen. Lesen ist auditive Wahrnehmung, also hört zu, was ich zu sagen habe.

Ihr kennt das Lied „Wochend und Sonnenschein“? Ich wollte es morgens kaum glauben. Bin heute aufgewacht im Posthotel in Hattersheim und wusste nicht wo ich bin… Ich war in einer anderen Welt; ganz weit weg. Kurz geschüttelt und mich gefragt, welcher Tag heute war. Ja, Samstag… und Sonne. Doch Wochend und Sonnenschein….

Richtung Weibach war ich schnell wieder auf dem Jakobsweg und wanderte durch das super schöne Naturschutzgebiet der alten Kiesgruben. Toll haben die hier die Flächen renaturiert. Und dann traf ich einen Aluminium-Raben.. Kunst am Wegesrand. Kunst und Kultur: mir viel der Name „Raabe“ ein. Ein ganz alter Chef. War Experte auf diesem Gebiet. Konnte super Menschen einschätzen; wir verstanden uns gut. Hat mich vor bösen Menschen gewarnt…leider habe ich nicht auf seine Weisheit gehört…

Der Weg verlief weiter durch schöne Weinberge am Hang des Mains bis nach Weilbach. Über die Brücke der Autobahn musste ich abbremsen, denn es waren nur 10 km/h erlaubt. Ich laufe immerhin 12,8 km/h im Durchschnitt.

In Bad Weilbach kam ich dann direkt zur Schwefelquelle. Der Schwefelgeruch war schon früh in meiner Nase. Eigentlich wollte ich an der Quelle vorbeigehen, doch da stand, dass man sich gesund trinken kann. Also ich runter zur Schwefelquelle und einen kräftigen Hieb genommen. Ekelig. Aber wenn es hilft. Das erinnerte mich an Lebertran, was wir als Kinder immer nehmen mussten, nur das Lebertran besser schmeckt und gut riecht. Ich muss an das Schwefelwasser einfach nur glauben, ich der Gesundtrinker!

Ich befand mich auf einmal auf der Route des heiligen Bonifatius. Ach klar, der Bischof ist dort im Dom von Fulda begraben. Das hatte ich doch an meinem Startort in Fulda gelesen. Und natürlich die Ampel! Später mehr aus Mainz.

Erst wollte ich auf dem Weg zur Wiesenmühle die Himmelsleiter hinaufklettern, aber ich habe hier unten als Besserwisser und Weltverbesserer noch einiges zu erledigen. Und die Pension will bis mindest 100 ausgeschöpft werden.

Bin gut drauf, denn der berühmte Entspannungsschalter wurde in der Nacht zur richtigen Seite umgedreht. Entspannung pur. Und ich schreibe das als Besserwisser, jede/r Pilger spürt dieses Gefühl nach genau sieben Wandertagen. Und ich möchte mit meinen Beiträgen alle zum Pilgern motivieren, denn dann wird die Welt besser.

Nee Leute, der Beitrag hat erst 1/3 erreicht. Weiterlesen…

Das ist bisher der schönste Abschnitt auf meinem Jakobsweg von Fulda nach Worms. Herrlich diese Weinberge und die Weitsicht. Bei meiner Pause auf einer Anhöhe kurz vor Hochheim sah ich das Opel Werk in Rüsselsheim. Sehr präsent am Main liegend. Die bei Opel arbeiteten Menschen haben viele Hochs und Tiefs mitgemacht. Ein „kaputter“ Arbeiter vom Werk erzählte mir am Rastplatz seine Opelgeschichte. Kurzarbeit, kein Weihnachtsgeld und dann Boom… Ich habe zugehört. Und dann kam noch dieser Wein-Treck (Planwagen): gezogen von einem Trecker. Lustige junge Leute haben exclusiv Wein getrunken und fühlten sich wie Weinkönige (m/w/d). Es sei ihnen gegönnt, nur meine Weitsicht haben sie versperrt. Übrigens, ich mag keine besoffenen Frauen…

Ich habe mich dann entschieden, den Jakobsweg über die Staustufe/Schleuse von Kostheim, zu laufen. Gute Entscheidung, denn ich konnte dann den Maindamm nach Mainz direkt nehmen. Natürlich bin ich auch zur Mainspitze gewandert, wo sich Main und Rhein küssen. Unspektakulär die Flußspitze. Egal, ich war vor Ort. Den kurzen Umweg von zwei Kilometern habe ich bewusst in Kauf genommen.

Dann ging es auf der linken Rheinseite nach Mainz. Am Ufer lag das „Gas-Schiff FMS“. Der Krach einer Schleifmaschine war schon von weitem zu hören. Als ich auf Höhe des Schiffes, war erkannte ich, dass der Eigner den Schiffsnamen abschleifte. Als ich laut zu ihm runter rief, machte er seine Höllenmaschine aus. Was machst du da, fragte ich ihn. Ich habe eine neue Freundin rief er… Und jetzt taufe ich mein Schiff auf „Lea“ um. Was für ein Vertrauensvorschuss… Hauptsache Lea erfüllt auch langfristig seine Wünsche…

50 Grad nördliche Breite – über diesen Breitengrad bin ich heute marschiert. Gutes Gefühl auf der runden Erdkugel zu sein.

Jetzt ist erst 2/3 des Beitrags rum … Also Geduld, bitte.

Hier liegen auch einige Kreuzfahrtschiffe am Ufer. Der neue Trend „Rad und Schiff“ ist hier auch angekommen. Die Räder waren gut, aber das Schiff war aus dem 18. Jahrhundert..

Auf dem Weg zu meinem exklusiven Innenstadthotel Ehrenfels, 300 Meter vom Dom entfernt, kam ich natürlich auch an der Mainzelmännchen Ampel vorbei. Erst den Bonifatius, dann das Mainzelmännchen und in meiner alten Arbeitsstadt den Rattenfänger. Hauptsache, die Menschen bleiben nicht beim Fotografieren der Ampel auf der Straßenmitte stehen.

Mit Mainz verbinden mich zwei wirklich schöne Geschichten, die die Länge des Beitrags sprengen werden. Egal, ich schreibe das alles nur für mich im Alter, falls ich Demenz oder Allersheimer (heimische Biersorte) kriege.

Geschichte 1: 1992 war ich in Mainz bei meinem Fachseminar Marketing von der Sparkassenakademie aus Bonn aus. Wir sollten für die Sparkasse in Mainz Marketingkonzepte entwickeln. Das war nötig, denn der dortige Marketingleiter saß aus Kostengründen noch an einem Schreibtisch aus den 60er Jahren und die Schubladen hielten nicht mehr. Heute geht es aufgrund unser Konzepte der Sparkasse bestens.. ich erinnere mich gern daran, weil wir am Empfangsabend zu einer Weinprobe eingeladen wurden. Meine Kommilitonen probierten Wein für Wein. Ich sagte dem Sommilier, dass ich nicht weiter probiere, sondern beim Champagner bleibe, damit ich keine Kopfschmerzen kriege. Entscheidungen muss ich einfach nur überzeugend begründen. Leckerer Abend und teuer für die Sparkasse. Na ja, sie haben kostenlos beste Marketingkonzepte bekommen.

Geschichte 2: Auf Einladung von Rolf Töpperwien, die Sportikone vom ZDF und gebürtig aus Osterrode im Harz haben wir vor vielen Jahren mal mit Kunden unserer Sparkasse das „Aktuelle Sportstudio“ in Mainz besucht. Rolf, die alte Sportrakete, hat total klasse die mitgereisten Kunden informiert und viele Geschichten aus seinem Leben erzählt. Natürlich auch die beanstandete Puffrechnung auf ZDF-Papier sowie sein Kokain-Unglück mit Brandfolgen standen auf dem Programm. Ich mag Töppi, denn er hat immer alles gegeben. Beim Torwandschießen auf die legendäre ZDF-Wand habe ich immerhin zwei Bälle eingeloggt. Mensch, was habe ich schon tolles erleben dürfen… Und mit Töppi verbindet mich eine besondere Geschichte: es ist der 17. Mai 1997, also nur 26 Jahre her. Spiel HSV gegen Köln. Wir waren mit einem Kleinbus ins Volksparkstadion angereist. Andreas Wittrock, mein Fußballchef, Joachim und Michael meine Brüder, Onkel Hansi und FC Fan Andreas Manz. Fahrschullehrer Bodo, mein Musikkamerad von der Blaskapelle, hat uns gefahren. Leute, es ist durch die Pilgerwanderung heute präsent geworden. Wir hatten unsere gekühlten 5 Liter Fässer Bier dabei. Und dann das Spiel. Der HSV verliert 0:4 gegen den FC. Schelmisches lachen vom FC-Fan Andreas. Als alter HSV- Fan war ich aufgelöst und ärgerte mich über Trainer Felix Magath, der während des Spiels regungslos auf seinem Platz sitzen blieb. Peter Neururer vom FC peitschte die Mannschaft immer wieder Klasse nach vorn. Schlusspfiff. Moderator Rolf Töpperwien versuchte Felix zu interviewen und ging dann ohne Interview Richtung Ausgang. Ich hing am damaligen Maschendrahtzaun vor Wut und rief Töppi zu: „Nimm den Magath mit“. Er drehte sich um und rief: „Mache ich“. Abends war Magath schon entlassen, quasi durch Rolf und mich. Und bei unserem Besuch im Sportstudio hat sich Töppi an meinen Zwischenruf erinnert. Das sind Geschichten, die das Leben schreiben. Danke Pilgerei.

Jetzt liege ich im Boxspringbett und genieße meine Erlebnisse.

Ich würde mich freuen, wenn die alten Kameraden einen Kommentar auf meiner Seite abgegeben würden, ob es sich so tatsächlich alles ereignet hat. Bin gespannt.

Der Beitrag ist zu Ende und 23,45 Kilometer sind gewandert.

Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

4 Gedanken zu „Magath, Gesundtrinker und neue Freundin“
  1. Lieber Bernhard, du hast ja tolle Eindrücke vermittelt. Da werde ich ein wenig neidisch! Auch die Bilder reizen, es dir gleichzutun.
    Ich wünsche dir noch eine schöne Wanderschaft und danke, dass du auch an mich gedacht hast. Hoffe, wir sehen uns bald zum Frühstück, dann kannst du intensiv berichten.
    Gruß und alles Gute wünscht dir Andreas

  2. Was für ein toller Bericht!!!!! Fast „fern ab vom eigentlichen Pilgern“. Fühlte mich mitgenommen, wenngleich ich nicht dabei war! Mach weiter so!
    Liebe Grüße aus Aerzen!!!

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