Der Portier meines gestrigen Übernachtungshotels, dem Christall in Frankfurt, gab mir gestern einen Insidertipp für gutes italienisches Essen. Nur 200 Meter entfernt erreichte ich das empfohlende „7 Bello“. Was war denn da los Leute? In dem kleinen Lokal an der Ecke Otto-/Niddastraße mit einem großen Außenbereich direkt an der Niddastraße herrschte höchste, zu der Fa. Höchst komme ich heute auch noch, Betriebsamkeit. Ich ergatterte den letzten freien Platz im Außenbereich. Ronja überließ mir den reservierten Platz von ihrer Freundin, die kurzfristig abgesagt hatte. Neben mir am Bierzelttisch saßen noch Renate und Carolin, deren Vornamen ich durch konkretes Nachfragen herausgefunden habe. Ich hatte mir eine Pasta mit Currysauce bestellt. Mensch, war das lecker. Und eine so lockere Atmosphäre zwischen den Gästen und dem Team vom Lokal.

Wir vier, also Ronja, Carolin, Renate und ich führten ein Fragegespräch… Was machst du beruflich, wo kommst du her… Ronja, ich schätze sie mal auf Anfang 30, arbeitet in einer Beratungsfirma, die öffentliche Auftraggeber in Sachen Nachhaltigkeit berät. Carolin, vielleicht Anfang 50, bietet als Inhaberin eines Reisebüros Spezialreisen nach Lateinamerika an. Die Carolin versteht was von ihrem Fach und ist auch über die Sicherheitslagen in den einzelnen Ländern bestens informiert. Bei ihren Reisen gibt’s nichts von der Stange. Schaut selbst mal unter http://www.conosur.eu/. Ganz platt war ich von Renate, die war doch echt Richterin, zuletzt beim Familiengericht, übrigens die Tante von Carolin. Eine sehr patente Frau mit jungem hohen Alter, die wie im Gerichtssaal erstmal die Parteien zu Wort kommen ließ und dann aber klar Position bezog. Ein lustiger Abend ging dann trotzdem früh zu Ende, denn ich wollte morgen früh fit und ausgeschlafen sein. Wer einmal in Frankfurt ist, der muss ins „7 Bello“.

Und heute morgen bin ich nicht mehr auf der Gewinnerstraße, sondern Verlierer. Ich habe doch tatsächlich meinen neuen, so wichtigen, Regenschirm im 7 Bello liegen gelassen…

Das wurde natürlich gleich bestraft mit morgendlichen Regenduschen auf den ersten 15 Kilometern. Der Plastikumhang könnte wenigstens ein bisschen den Regen abhalten. Die schöne Strecke auf diesem Jakobsweg verlief direkt am Main über Niederrad, Schwanheim und Nied. In Höhe von Griesheim verlief der Weg an der Schleuse vorbei.

Dann ging’s rüber auf die andere Main-Seite nach Höchst. Niedliche kleine Altstadt. Und dann zu dem riesigen Industriepark, dem früheren Werksgelände der Fa. Höchst. Da war doch noch was in meinem Kopf… Ja, ein Chemieunfall von unbeschreiblicher Dimension… Das habe ich dann im Internet recherchiert: vor 30 Jahren ging „gelber Regen“ über Schwanheim und Höchst nieder und erst zwei Monate später haben die Verantwortlichen das zugegeben. In der Gärten klebte die ekelige Masse überall. Gut, dass eine spätere Langzeitstudie keine Spätfolgen als Ergebnis heraus brachte. Ich erinnere mich sogar noch an die Tagesschau Sendungen und das Schweigen der Vorstände. Und schon wieder Gedanken bei mir: hat uns denn jemand umfassend rechtzeitig informiert, dass wir nach dem sauren Regen von Tschernobyl, dem Atom-Unglück aus 1986, kein Gemüse aus dem Garten essen sollten? Klar, sechs Monate später.

Die Fa. Höchst AG gibt es nicht mehr. Sanofi/Aventis hat den Kern übernommen und am Standort Höchst sind ca. 8.000 Menschen in den alten Tätigkeitsbereichen beschäftigt. Meine Frau erzählte mir am Telefon sogar von einer Betriebsbesichtigung, an der sie teilgenommen hat. Sanofi stellt auch Insulin her und meine Frau Renate ist da Expertin. Das Gelände selbst ist jetzt ein Industriepark mit insgesamt 22.000 Beschäftigten und abgesichert wie ein Gefängnis. War nicht lustig, dass ich auf dem Weg nach Hattersheim vier Kilometer (!) an einer hohen Mauer mit oben drauf Stacheldraht vorbei wandern musste (s. Foto ). Und ich wurde mit Kameras aufgenommen. Ob ich von denen ein Video kriege? Fünf Tage speichern sie das.

Nach 19,23 Kilometern war ich dann in Hattersheim. So früh, dass ich jetzt auch mal einen freien Nachmittag habe.

Unterkommen bin ich im hiesigen Parkhotel. Gleich ordentlich zu Mittag beim Inder im Hotel gegessen: Gemüsebällchen in Currysauce mit luftigem Reis. Auf dieser Wanderung von Fulda nach Worms gibt es bisher nur Volltreffer beim Essen.

Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

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