Bereits gestern bin ich schon mit dem Wohnmobil in der Stadt Wehlen in der Sächsischen Schweiz angereist. Alles easy: Parkplatz am Freibad mit Blick auf die Elbe. Mit dem DB-Wochenticket kurz nach Rathen gefahren und alte Erinnerungen wieder vorgeholt. Dort war ich vor Jahren mit meiner Frau im Hotel Elbiente, heute Hotel Steiger, für ein verlängertes Wochenende für 200€; heute kostet die Übernachtung übrigens 300€ am Tag. Egal, schön wars. Sonst hat sich in Rathen nicht viel verändert, die Hochwassermarken von 2002 und 2013 hängen immer noch an der gleichen Stelle, nämlich in der 1. Etage. Nur die Destellerie hat geschlossen… da gab es früher feinen italienischen Grappa. Zwar teuer, aber eben von leckerer Qualität.

Zurück nach Wehlen, die 3,5 Kilometer, bin ich kurz „gesprintet“. Herrlich direkt an der Elbe den Sonnenuntergang erleben…

Bevor ich mit meinen heutigen Tagesbericht loslegen will, da muss hier etwas dokumentiert werden: mein Pilgerbruder Alfred ist tatsächlich im letzten Jahr über 4000 Kilometer gewandert und hat einen Tagesschnitt von 14,4 Kilometer erreicht. Leute: 14,4 Kilometer… du machst einen Tag Pause und musst am nächsten Tag 28 Kilometer wandern. Chapeau lieber Alfred.

Für heute Morgen hatte ich mir den Wecker früh gestellt: 7 Uhr. Gleich aufgestanden… und irgendwie war ich mit der morgendlichen Toilette, dem Frühstück und dem herrlichen Kaffee von Tchibo (milde Sorte), die Lieblingsmarke meiner verstorbenen Mutter, bereits um 7.45 Uhr abwanderbereit. Also gleich zum Bahnhof in 200 Meter Entfernung. 7:48 Uhr da. Abfahrt des Zugs: 8:22 Uhr. Also wieder überaus beamtenpünklich.

Gut, dass ich Carsten traf, denn er als Einheimischer kennt sich schon gut aus in Wehlen. Er lebt seit März 2012 in Wehlen und hat einen Ausblick auf das Elbsandsteingebirge, wie ihn der Maler Casper David Friedrich beschrieben hat. Casper David Friedrich ist übrigens berühmt durch sein Bild: „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“.

Und Zeitzeuge Carsten hat schon hier viel durchgemacht. Ende Juli/Anfang August 2022 brannte es hier im Wald in der Nähe der Bastei. Als ob morgens schon einer grillt, so beschreibt Carsten den Gestank. Er merkt schon wieder sein Rheuma. Scheisse. Anfang Juni 2013 stand er als Fluthelfer mit den Füßen in kniehohem Wasser und von oben regnete es unaufhörlich. Nicht gut für sein Rheuma. Carsten bekam einen Rheumaschub. Ich musste doch helfen…. Chapeau Carsten für deinen Einsatz. Seht selbst die Bilder, die er mir geschickt hat. Unbeschreiblich grausam. Und irgendwie lustig war, dass er beschreibt…, dass im Sommer herrliche frische Luft Richtung Wehlen aufsteigt, aber im Winter es „arschkalt“ ist.

In Pirna bin ich mit dem Bus nach Dürrröhrsdorf gefahren. Dann ging die 1. Tour los. Bestes Wanderwetter. Das 1. Ziel war der „Breite Stein“, eine durch Erdverschiebungen entstandene schöne Höhe. Es war irgendwie entspannend: ich schlürfte durch das Laub, was auf den Wanderwegen lag. Ein Laubschlürfer der besonderen Art, denn ich spielte mit den Blättern eine Sinfonie, begleitet durch die strahlenden Sonnenschimmer. Schön war es. Und die Kastanie, die direkt vor meinen Füßen aufschlug, die kommt in meine Erinnerungskiste.

Vorbei ging es an der Elbersdorfer Mühle bis nach Lohmen. Und bei der Teufelshöhle musste ich kapitulieren. Es hatte gestern wie aus Eimern geregnet und nach 150 Metern bergab sah ich nur noch nasse Schluchten und die Steine waren mit Moos bewachsen. Halt. Stopp…. sagte ich zu mir: du willst doch die Pension genießen. Also umgekehrt und auf weichem Waldboden bis zur Stadt Wehlen marschiert. Aufgrund meiner bewussten Coronaschonhaltung waren es heute nur knapp über 15 Kilometer. Reicht. Ach so, ich bin übrigens am Porschendorf vorbei gewandert, der Börsengang und die besondere Nachfrage hat dazu geführt, dass ein ganzes Dorf nur noch Porsche fährt; gesponsert von den Eigentümerfamilien. Übrigens im Porschendorf zu wohnen ist unbeschreiblich teuer.

Na ja, und wenn man Telefonleitungen direkt anfassen kann, dann ist man immer informiert (s. Bild).

In Wehlen habe ich erstmal schmutzig fettigen Braten mit Knödeln gegessen. Absolut ungesund, aber unbeschreiblich lecker.

Gerrit aus den Niederlanden hatte mich vorher eingeladen am Tisch Platz zu nehmen. Erst bin ich weiter gegangen und habe mich dann gefragt, warum willst du eigentlich nicht kommunizieren? Also zurück. Gerrit ist Lehrer und Journalist. Lebt in Enschede und ist vor drei Monaten Opa von Zwillingen geworden. Sein Sohn wohnt mit seiner Familie in Tschechien. Er hat schon viel als 65-jähriger erlebt. Sogar LKW-Fahrer, natürlich für Blumen, war er… auch Lieferort Blumenhandel in Hameln: meine berufliche Heimat.

Ganz ehrlich Leute, nach der Coronaisolation war der heutige Tag ein Freiheitstag. Bis morgen Leute.

Bella

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

2 Gedanken zu „Zeitzeuge Carsten, Laubschlürfer und Porsche“
  1. Den Maler kennen wir aus der Schulzeit mit seinem Bild: Wanderer über dem Nebelmeer. Irgendwie passender für dich und deine Abenteuer 🙂

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