Ziemlich spontan hatte ich mir vorgestern überlegt, heute die Teilstrecke von Vechelde nach Hoheneggelsen über Lengede auf dem Braunschweiger Jakobsweg zu wandern. In meinem Geburtsjahr 1963 war in Lengede ein schweres Grubenunglück. Mehrere Hunderttausend Liter Wasser strömten in den Tagebau. Ich wusste das noch, davon haben meine Eltern oft erzählt. Recheriert habe ich auf ndr.de und habe viele Informationen bekommen. Zeitzeugen berichteten in unterschiedlichen Dokumentationen. Einfach alles tragisch, aber es gab ein Wunder.

Mit dem Zug fuhr ich früh nach Vechelde. Dort endete zuletzt ein Teilstück des Jakobswegs von mir im August 2020. Über herrliche freie Landschaft wanderte ich durch das Bauerndorf Bodenstedt. Hier gibt es einen Dorftreffpunkt in einem denkmalgeschützten Gebäude mitten im Ort. Das Programm mit mindestens einer wöchentlichen Veranstaltung in 2020 lässt auch für 2021 hoffen. In meinem früheren Arbeitsort in Osterwald haben engagierte Bürger eine alte Kneipe zu einem Treff umgebaut. Ich hätte dort auch einen Vortrag gehalten, aber es kam ja bekannterweise anders.

Kurz vor Lengede führte mein Weg durch ehemaliges Abbaugelände. Heute sind hier Teiche und kleine Wälder. Dann erreichte ich die kleine Gedenkstätte. Nichts mehr zu sehen von großen Fabriken…. Eine Dauerausstellung ist im Rathaus, kein Museum. Obwohl es ein besonders trauriges aber auch ein wundervolles Ereignis in der Deutschen Geschichte war. 29 Bergleute verloren ihr Leben und drei Kameraden konnten mit schwerem Bohrgerät, was extra aus dem Ruhrgebiet geholt wurde, gerettet werden. Die weitere Suche nach noch vermissten Bergleuten wurde nach tagelanger Suche abgebrochen. Alle da noch Vermissten wurde für tot erklärt und die Familien haben ein Beerdigungsentgelt von je 500 DM erhalten. Einige Kumpels wollten das alles nicht wahrhaben und bedrängten den Bergwerksdirektor den Auftrag zu erteilen, weiter zu suchen. Es erfolgte eine Testbohrung und tatsächlich wurden Geräusche aus 60 m Tiefe wahrgenommen. Mit Mikrofonen des NDR konnte Kontakt zu den Verschütteten hergestellt werden und das nach über 10 Tagen. Die Bergung erwies sich als schwierig. Das bereits auf dem Weg zurück ins Ruhrgebiet befindliche Bohrgerät wurde mit Polizeieskorte zurückgeholt. Die 2. Bergung begann. Mittlerweile besuchte auch Bundeskanzler Erhard die Unglückstätte und sprach Zuversicht aus. Er kam mit einer schwarzen Limousine, ein ähnliches Modell, nur in einer anderen Farbe, habe ich heute gesehen (Foto)! Letztendlich konnten 11 Bergleute nach fast 14 Tagen gerettet werden. Einmalig, ein echtes Wunder. An 6. oder 7. Stelle kam der Bergmann Helmut Wibranetz heraus. War ich mit dem verwandt? Mein Vater lebte als Pflegekind in der Familie Dobrowald und die Schwester Inge heiratete einen Kurt Wibranetz in Hemmendorf. So was kann nur mein ältester Bruder wissen: tatsächlich lebt ein Helmut Wibranetz in Bad Harzburg und ist verwandt mit uns. Und der Ehemann Kurt von meiner Tante Inge ist sogar der Patenonkel von meinem ältesten Bruder. Zufälle gibt es immer wieder, aber ob es der gerettete Bergmann ist? Vielleicht ja, vielleicht nein. Ach so, die Geretteten mussten das Beerdigungsentgelt zurückzahlen…. Und warum gerade um 10:51 Uhr die Glocken läuteten, als ich auf der Gedenkstätte war – ich wusste es nicht. Später ja, es war eine Beerdigung und in der Kirche habe ich mir einen Pilgerstempel geholt.

Außerhalb von Lengede führte mich der Weg, nicht an der Bahn lang, nach Steinbrück. Vorher traf ich ein Auto von RTL (Aufnahmewagen?).

Hier in der Region baut Tennet Überlandleitungen und Windräder. Aber warum ein Abschnitt abgezäunt war und dort Stäbe mit Flatterband hängen, das weiß ich nicht.

Um 14.30 Uhr war ich dann schon in Hoheneggelsen und ab ging es mit dem Zug/Bus nach Hause. Immerhin 23,5 Kilometer Wanderleistung. Hat natürlich nur aufgrund der Stärkung mit dem Marzipanschwein, geschenkt von meiner Frau, funktioniert. Ein Geschichtstag geht zu Ende.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär

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