Das ich das noch erleben durfte… nee, am liebsten im Nachhinein nicht. Richtig heftig fegte mir der Sturm und Regen um die Ohren…

Aber erstmal von Anfang an. Bereits um 7.17 Uhr war ich im Zug auf dem Weg über Hannover nach Rostock. Es sollte endlich wieder auf Tour gehen, nämlich auf den Jakobsweg von Rostock nach Bad Wilsnack.

Der Zug war nicht sehr stark ausgelastet, so dass ich auf Entspannung hoffte. Fehlanzeige. In Hamburg stieg eine Familie zu. Eine sehr kluge Mutter und ein Ziehkind und natürlich Kasper, der Vater. Die Mutti redete ununterbrochen, als ob sie Radioreporterin bei einem Fußball-Endspiel wäre. Paulchen, so hieß der Kosename des Kleinen, der war ca. 5 Jahre alt, tat mir richtig leid. Ja, Mama… Ja, Mama…. und zu seinem Vater sagte er nach 30 Minuten Zugfahrt: ich habe doch schon gut durchgehalten und noch gar nicht genörkelt? Ja, ja erwiderte Kasper. Dürfen denn Kinder nicht einfach normal sein? Ok, der Name des Vaters passt: Kasper. Und der Mutter würde ich den Namen: Hildegard geben…. Wie ich wohl auf diesen Namen komme?

Gut, dass Paulchen Benjamin Blümchen hören wollte…. das war dann auch für mich entspannend. Und eine besonders schöne Nachricht hat die Familie bekommen: die gebuchte Fähre nach Hiddensee fährt heute nicht wegen Niedrigwasser und Sturmböen. Ach, so ein Pech….

Nach pünktlicher Ankunft im Bahnhof von Rostock begab ich mich gleich auf „Strecke“… was für ein „S..wetter“. Meine Stimmung war entsprechend, aber als ich die erste Muschel als Hinweisschild vom Jakobsweg sah, da war schon der Schalter umgelegt. Ist mir doch egal, wenn Regen mit heftigen Sturmböen mir ums Gesicht fegt und auch beide Paar Handschuhe nach 3 Kilometer schon durchnässt waren. Da wurde ich mal so wieder richtig trotzig und konzentrierte mich nur auf die Wegweiser. Die waren zwar spärlich, doch den Weg über Kessin, Niex über das Pferdegut Groß Viegeln bis nach Schwaan habe ich gut gefunden. Ach so: in Niex habe ich sogar den Sturm vergessen, eben Niex.

Meine kurzes Tagesfazit: über 25 Kilometer gewandert in einer guten Zeit (inkl. Pausen) -Foto-, Poncho hat nicht dem Wind standgehalten und ist an vielen Stellen angerissen, weil er immer wieder über meinen Kopf tanzen musste und ich kann für alle bestätigen, dass auch LKWs auf der Autobahn eine Sogwirkung für Fußgänger auf der Brücke verursachen.

Untergekommen bin ich im Speicherköck in Schwaan in einer liebevoll hergerichteten Pension. Alles etwas laut hier…. egal, ich bin ja müde und genieße das Bestehen meiner Sturmprüfung.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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