Guten Morgen Herr Kruppki, haben Sie gut geschlafen? Herzliche Begrüßung von Marianne Engels, Inhaberin des familiären Wohlfühlhotels Saxonia in Bad Kissingen vor dem nostalgischen Frühstücksraum. Das kann nur ein guter Tag werden… Und wenn Sie sich für Ihre Pilgerwanderung mit Essen versorgen möchten, nehmen sie gern so viel sie möchten mit. Klasse.

Aus Bad Kissingen raus, kam ich irgendwie nur auf die Fahrradroute des Jakobswegs von Fulda nach Würzburg. Egal. Heute war es wieder nasskalt und der dichte Nebel verzog sich den ganzen Tag nicht. Dafür schneite es immer wieder Blätter von den Bäumen. Es ist Herbst und so farbenfroh.

Durch die neue Routenführung kam ich durch Arnshausen. Es sollte wohl so sein, denn auf dem Sportplatz sah ich ein Mehrzweck-Spielfeld für Basketball und Fußball. Mensch, das wäre was für unseren Sportverein, bei dem ich kürzlich zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Das Feld müsste nur größer und auch für Tennis geeignet sein. Zu jeder Jahreszeit durch den Kunstrasen nutzbar. Natürlich dann bei uns auch mit Flutlicht, entweder richtig oder gar nicht. Nur ein Traum?

Heute bin ich durch den Nebel irgendwie orientierungslos gewandert. Es war alles gespenstisch. Und dann die unbekannten Geräusche: hui, hui, hui… ein Gespenst in der Nähe… nein, es war das im Nebel liegende Windrad mit seinen riesigen Flügeln. Heute lag mein Schwerpunkt der Wahrnehmung nicht im Sehen, sondern im Hören. Von weitem ein Zug, erst leise Geräusche, dann lautere und dann wieder leise. Ich versuchte die Sekunden zu zählen, es waren insgesamt 30 Sekunden.

In Poppenhausen, zum Namen des Ortes schreibe ich nichts (!), verspürte ich den ersten Hunger nach dem guten Frühstück. Nach knapp vier Stunden auch kein Wunder. Nur für ein Vesper draußen war es einfach zu kalt. Also marschierte ich in die St. Jakobuskirche. Erst eine Kerze für die Familie angezündet, dann den Pilgerstempel geholt und in der letzten Kirchenbank mein Proviant ausgepackt. In der Kirche! Dann habe ich statt des üblichen Abendmahls in der Kirche mein Mittagsmahl eingenommen. Super, super entspannend. Es fehlte nur noch leise Orgelmusik. Leider war es auch in der Kirche zu kalt für ein Mittagsschläfchen. Das hätte ich mich aber sonst getraut.

Über Euerbach und der Querung der A71 erreichte ich dann Geldersheim. Der Ort im Speckgürtel von Schweinfurt. Dann waren es schon wieder 23,86 Kilometer Wanderleistung in knapp 6,5 Stunden. Schönes Rathaus und eine noch schönere St. Nikolaus Kirche mitten im Ortskern. In meinem Heimatort Barienrode heißt übrigens auch die katholische Kirche so. Zufälle gibts eben. Und es war kein Zufall, sondern der Hunger, der mich in die Schlachterei Hemmerich führte. Ein Schnitzel und ein frischer Salat wurden gleich von mir gegessen, besser getilgt, um in meiner Sparkassensprache zu bleiben. Schlachter und Bürgermeister Thomas Hemmerich, 46 Jahre, begrüßte mich so dann persönlich. Als Pilger werde ich immer beachtet. Wertschätzend. Seine Mutter redete nur das Notwendigste, ich sollte später erfahren warum.

Auf der gegenüberliegenden Straße des Unterdorfs holte ich mir noch in der Bäckerei eine süße Quarktasche und einen heißen Kaffee mit Milch. Für 2,22€. So niedrige Preise gibt es nur in Bayern… bei uns hätte ich mindestens 4€ gezahlt. Irgendwo muss ja die derzeitige Inflationsrate von 4,5% doch herkommen. Leider liegt es an den Energiepreisen, die stark gestiegen sind. Muss wohl auch zu Hause mehr wandern und das Auto stehen lassen….

Auf dem Weg zur Unterkunft kam ich an einem sehr gepflegten Garten vorbei. Auf dem Grundstück stand ein Fahnenmast und die FC Bayern München Fahne wehte leicht im Wind. Und da kam der Eigentümer, wie durch ein Zufall gerade zur Tür heraus. Ich fragte ihn: „wie hat eigentlich der FC Bayern München gestern gegen Borussia Mönchengladbach im DFB Pokal gespielt?“ Volltreffer. Ich wusste es, dass die Impfgegner mit 5:0 verloren hatten. Er hatte schon einen „Hals“ und sagte nur, nach dem 3:0 bin ich schlafen gegangen. Wer es glaubt, wird selig. Die Fußball-Profis hatten schon während der Pandemie eine Sonderstellung, ich verstehe nur nicht, dass sie jetzt keine Vorbilder sind. Über die Niederlage des FC habe ich mich so richtig gefreut und ich glaube die Mutter vom Bürgermeister ist auch Bayern Fan, sonst kann man doch nicht so mürrisch sein. Und wenn Fußballer sagen, dass sie als Mensch mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und so akzeptiert werden möchten, dann sage ich nur… wer steht bewegt sich nicht.

Bestens einquartiert bin ich im Zehnthof in Geldersheim. Ein sehr, sehr altes Fachwerkhaus mit gemütlichen Zimmern. Frühstück gibts morgen um 7.30 Uhr. Und jetzt hat der Wanderbruder genug geschrieben….

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär

2 Gedanken zu „Mittagsmahl statt Abendmahl, Bürgermeister und Gespenst“
    1. Liebe Brigitte, irgendwie läuft alles so nebenbei… Wandern und Schreiben. Mir macht es viel Spaß. Danke für deine netten Worte. Das spornt mich an. Herzliche Grüße Bernhard

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