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In meinem heutigen Beitrag spielen viele wunderbare Menschen mit besonderen Vor- und Nachnamen eine große Rolle. Doch jetzt erst ganz von vorn: gut versorgt mit Proviant startete ich meine heutige Wanderung wieder vom Parkplatz der Blomenburg in Selent. Heute sollte es rund um den Dobersdorfer See gehen. Kurz vor der über 800 Jahre alten St.-Servatius-Kirche traf in Hinnerk. Hinnerk ist ein großer schlanker Mann, vielleicht 1,80 Meter groß und ca. 65 Jahre jung. Er erzählte mir, dass er jetzt im Rentendasein Kirchenführungen anbietet und ob ich dazu Lust hätte. Im gleichen Moment sagte er auch, dass er gern die kleinen Geschichten erzählt. Mein Geschmack… ich sagte zu. An der Kirche wurde immer wieder gebaut und gleich beim Betreten fällt mir auf, dass es vom Eingang bis zum Altar deutlich bergab geht, quasi wie im Fußballstadion mit Blick auf den Rasen – nur nicht so steil. Die Kirche wurde in den langen Jahren immer wieder erweitert und ist auf Felssteinen gebaut und da lässt sich ein Höhenunterschied eben nicht so leicht ausgleichen.

Er berichtete über das Stifterehepaar Behrens, deren Stiftung immer wieder Mittel für Restaurierungen zur Verfügung gestellt hat. Stiftungen sind meine Leidenschaft, ihr wisst schon…. Bürgerstiftung Weserbergland und so…. Als Dankeschön verzichtet die Kirchengemeinde auf das Glockengeld bei Hochzeiten und Beerdigungen. Also üblicherweise wird eine Gebühr neben der Kirchensteuer dafür erhoben. Vergleichbar mit den Igel-Leistungen der Ärzte (Individuelle Gesundheitsleistungen), die extra bezahlt werden müssen. Warum müssen wir eigentlich neben den normalen Beiträgen immer noch was zusätzlich berappen? Ich antworte jetzt nicht: ist eben so. Interessant fand ich die Hundepfotenabdrücke in einigen Tonfliesen am Boden. Die sind bestimmt einmalig auf dieser Welt. Um auf das Geld zurückzukommen: hier hängt ein Klingelbeutel mit Stange (Coronatauglich) von 1750. Es ging also schon immer um Zusatzeinnahmen. Obwohl die Führung sehr interessant war, habe ich diesmal unbewusst nichts in den Opferstock geworfen…

Nach der Kirchenführung ging es Richtung Ort Grabensee. Auf dem Weg sah ich viele Vogelnistkästen, die alle durchnummeriert waren (s. Bild). Also jeder Kasten hat seine eigene Hausnummer. Ob das die Vögel wissen?

Am gegenüberliegenden Ufer in Tökendorf gibt es direkt am Campingplatz einen wunderschönen Strandabschnitt zum Dobersbacher See. Dort machte auch eine Familie Picknick, besser gesagt: die Eltern futterten und dattelten mit ihrem Handy, nur der kleine Brune, vielleicht 5 Jahre, war nicht weit entfernt am kurzen Strandabschnitt mit dem flachen Wasser. Die Eltern kümmerten sich nicht um ihn. „Bleib in Sichtweite,“ hörte ich nur. Nach einer gewissen Zeit war Brune nicht zu sehen… ich wollte schon selbst gucken, denn die Eltern starrten noch auf ihre Handys. Plötzlich stand der Mann auf und suchte Brune, der saß am Strand hinter dem Schilf. Ich hörte Geheule und Brune musste zurück auf die Sitzbank, wo sich die Familie breit gemacht hatte. Armer Brune, keiner spielt mit ihm. Und dann die Krönung der Unverschämtheit: und wenn du weiter nichts hörst, dann kommst du an die Leine. Echt „Leine“, haben diese Rabeneltern gesagt. Armer, armer Brune. Ich beendete mein Frühstück, denn ich wollte mir diese Sch….. nicht mehr anhören. Die nächsten 3 Kilometer bin ich richtig zügig gewandert, denn diese Szene sollte aus dem Kopf.

Nach der Umrundung des schönen Dobendorfers Sees kam ich wieder nach Grabensee. Hier in Schleswig-Holstein gibt es viele Seen und Grabensee liegt am Selenter See. Immer wieder kleine Badestellen laden zum Verweilen ein. Auch dort. Leider hatte der Imbiss geschlossen, aber ich wollte jetzt nicht vorbeiwandern, sondern zumindestens meine Füße in den See reinhalten.

Zurück von der Fußwäsche sah ich diesmal zwei Familien picknicken, zwei polnische Familien. Gegrilltes, Salate, Getränke alles mehr als reichlich war hier vorhanden. Die Kinder spielten unter sich und die Eltern hatten „Augen“ für Sie. Klasse. Thomasz, der 37-jährige Familienvater lud mich spontan zum Essen ein. Hatte er gesehen, dass ich hungrig war? Schnell holte mir Antek, der zweite Familienvater, mir einen Teller und gleich darauf wurde ich festlich bewirtet. Das schmeckte alles besonders gut, denn ich hatte lange nicht mehr Gegrilltes gegessen. Wirklich richtig schöne Gespräche ergaben sich zu dem: die Familien kommen aus Kiel; Thomasz ist Betonmischerfahrer und Antek Fliesenleger. Sie leben seit 11 Jahren in Deutschland. Wie vermisse ich gerade meine Familie… seht selbst auf dem Foto: Familienmensch Bernhard fühlt sich wohl.

Nach 29,62 Kilometer bin ich mit einer Knoblauchfahne zurück zum Startpunkt gekommen. Ein richtig schöner Tag. Trotzdem denke ich gerade an Brune.

Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär

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