Zur Vorbereitung auf meine Jakobswegwanderung vom 4.-11. April 2022 von Rostock nach Bad Wilsnack habe ich ab meinem Geburtsort Hemmendorf, Landkreis Hameln-Pyrmont, eine Heimat-Wanderrunde gedreht.

Start war bei Hausnummer 1 „Im Oberen Winkel“, früher Nr. 185, meinem Elternhaus, was heute von meinem Wanderbruder Peter bewohnt wird. Und bei der 185 habe ich heute keine guten Erinnerungen gehabt, denn mein erster Käfer 1302 hatte das Kennzeichen HM-KZ 185. Früher habe ich das nicht verstanden, denn im Geschichtsunterricht kam ich nur bis zum 1. Weltkrieg, danach war ich krankheitsbedingt nicht mehr anwesend. Heute sind Gott sei Dank solche Buchstabenkombinationen verboten.

Ich wanderte Richtung Melkerschnellweg (heute Promilleweg) nach Hemmendorf-Heide. Vorbei ging es gleich am Ortsausgang an eine frühere Mülldeponie, da haben wir auf leeren Ölfässern Bootstouren gemacht. Hoffentlich liegen diese Fässer dort nicht mehr im Boden…

Auf dem Melkerschnellweg sind wir früher mit der ganzen Familie spazieren gegangen, das war die Zeit wo wir alle oft zusammen waren (mussten). Heute kam ich schnell in Hemmendorf-Heide an, dieser Teil gehört zur Gemarkung Hemmendorf obwohl er näher an Osterwald liegt. In Osterwald habe ich früher bei der Sparkasse gearbeitet und wurde dort sogar bei einem Raubüberfall mit einer Gaspistole angeschossen… Keine schöne Erinnerung. Nächstes Jahr im Februar jährt sich das 40 Jahre. Mal sehen, ob ich eine Verdienstmedaille von der Sparkasse bekomme. Übrigens, die Geldräuber hat die Polizei bis heute nicht gefasst und in der Bild-Zeitung stand damals „Kassierer niedergeschossen“… gut, dass die nicht recht hatten.

Unterhalb des Osterwalder Berges ging die Strecke über den Bergmannsweg zur Salzburg bei Coppenbrügge. Ein verschlafender Ort, aber mit einem Traumblick zum Ith. Zurück ging es über das Rittergut Voldagsen, wo wir im Sommer zu einer großen Hochzeitsfeier bei unserem lieben Neffen, der natürlich HSV-Fan ist, mit seiner zukünftigen Frau, eingeladen sind. Alles inspiziert und für gut empfunden. Der Rückweg gestaltete sich schwierig, weil es keine direkte Verbindung auf Feldwegen zwischen Voldagsen und Hemmendorf gibt. Egal, ich habe mir einen eigenen Weg getrampelt und musste auch am Schrankwachtposten Nr. 6 vorbei. Gruselig, denn zu dem durften wir als Kinder nie hin. Es war uns strikt verboten. Und heute bin ich dort einfach vorbeigewandert, ohne das mir mulmig war. Eigentlich nur ein Wärterhäuschen, nicht mehr und nicht weniger.

Mit einer Dorfrunde über Friedhof, Schule und ehemalige Gaststätte ging es dann zurück zum Ausgangspunkt. Ach so, ich habe natürlich meine Eltern und meine beiden verstorbenen Brüder auf dem Friedhof besucht und ich soll Euch alle schön grüßen. Wenn ich auf Friedhöfen bin, dann schaue ich mir schon mal an, wer dort begraben wird und dann noch auf dem Heimatfriedhof, da liegen Menschen begraben, die ich kannte. Zum Beispiel Volker, der 1975 anlässlich eines Feuerwehr-Zeltlagers von einer brennenden Spiritusflasche getroffen wurde und mit schwersten Verbrennungen starb. Wieder keine schöne Erinnerung.

Hemmendorf hatte übrigens als eine der ersten Orte in Niedersachsen einen Pommes-Automat, der direkt neben der Gaststätte Mundhenke stand. Echt: Pommes-Automat! Die wurden im Automaten frisch produziert und hinzu kam Mayonnaise oder Ketchup. Kosteten übrigens eine D-Mark. Ist wirklich wahr, auch wenn bald der 1. April ist.

Zurück zum Geburtshaus… Dort traf ich die Nachbarn Karl Hubertus und Rudi und beiden nahmen meine Beratung zu Sparkassenthemen in Anspruch, das war früher so und ist auch heute noch so. Nur, dass ich heute vorab ein kühles Blondes als Entlohnung beanspruche.

Ich erzählte von meiner Wandertour und sie berichteten mir, dass mein Onkel Josef auch mal Schrankenwärter in Hemmendorf war, nämlich am Bahnübergang Hemmendorf/Heide. Wieder etwas über meine Familie erfahren. Und die ganze Geschichte zum vermeintlichen Bahnhof in Hemmendorf könnt ihr unter https://www.dewezet.de/die-rueckseite_artikel,-wollten-die-hemmendorfer-keine-eisenbahn-_arid,446047.html nachlesen.

Das war ein gutes Vorbereitungstraining. Den genauen Streckenverlauf könnt ihr auf dem Foto entnehmen. Immerhin kamen 15,14 Kilometer zusammen. Und zum Tagesabschluss habe ich das Angrillen bei meiner Tochter und meinem Schwiegersohn in Lauenstein gern in Anspruch genommen.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

2 Gedanken zu „Heimatrunde, Posten Nr. 6 und Pommes-Automat“

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