Es geht nichts über eine gute Trainingsvorbereitung für meine geplante Wanderung auf dem Jakobsweg von Rostock nach Bad Wilsnack. Dafür hatte ich mir eine besondere Wanderstrecke ausgesucht: denn früher sind wir auf dem Weg nach Delligsen zum Besuch von Onkel und Tante häufig mit dem Auto auf der B3 unterwegs gewesen und haben ab Brüggen über Godenau und Limmer die „Sieben Berge“ bis Alfeld gesehen. Bin in den vielen Jahren nicht auf die Idee gekommen, diese Berge auch einmal zu erwandern. Doch heute war es so weit, ich startete bereits um 8.30 Uhr in Brüggen (bei Alfeld) meine Trainingseinheit. Den Streckenverlauf entnehmt bitte unter https://www.geolife.de/inhaltsverzeichnis/details/tour-901000173-8000-Sieben_Berge_Schleife.html

Über den Kirschenweg in Brüggen erreichte ich gleich die geschilderte Strecke. Das Motiv: „Rote Hödeken“. Der Hödeken ist eine zwergenartige Gestalt, ein Kobold. Die Gebrüder Grimm schrieben hierzu bereits 1816 eine Hildesheimer Sage. Wenn es Euch interessiert, dann lest es einfach selbst nach. Mich hat es nicht wirklich interessiert, denn ich kenne die sieben Berge mit dem sieben Zwergen nur aus dem Märchen von Schneewittchen. Und hier waren auf der Strecke über 200 Zwergenschilder zur Wegweisung (Hödeken) in rot und grün, was mich aufgrund meiner Farbschwäche sehr erfreut hat :-(.

Im dichten mystischen Nebel, zu dem war es eiseskalt, führte mich der Weg Richtung Tafelberg. War ich hier etwa am Kap der guten Hoffnung in Südafrika? Nee, ich war am Tafelberg der Sieben Berge und hoffte, dass endlich der Nebel weg zog. Gleich ging es steil bergauf. Sieben Rehe begleiteten mich am Waldhang. Warum gerade sieben Rehe? Keine Ahnung, alles mystisch hier. Die Vögel zwitscherten den Frühling herbei und ich machten sich wohl über meine „Pusterei“ auf den 200 Höhenmeter lustig. Okay, die letzte Trainingseinheit ist schon ein bisschen her und mir ist es sichtlich etwas schwerer gefallen.

Doch dann leuchtete die Sonne und ich kam am Tafelturm an. Nee Leute, eigentlich heißt der Berg „Hohe Tafel“ und nicht Tafelberg, das ist eben hier ein Märchenwald… Über den Höhenweg sah ich dann den 1. Berg der „Sieben Berge“, den Nesselberg. Weiter ging es über den Saalberg, den Ostenberg, den Lauensberg und den Heimberg bis zum Himmelsberg. Und was sehe ich da: den Himmelsbergturm, eine Betonkonstruktion von 22 Meter Höhe mit 119 Stufen. Also liebe Eimser und Alfelder, was hässlicheres konnten ihr wohl nicht bauen…, für mich der Hässlichste Turm Deutschlands. Na ja, was kann der Turm für seine Konstrukteure. Ich stieg hinauf und hatte einen herrlichen Rundblick über Alfeld. Leider war der Nebel noch nicht abgezogen, so dass ich den Brocken im Harz nicht sehen konnte.

Tatsächlich gibt es hier oben auf den Sieben Bergen ein Schneewittchenpfad. Ob dieser sich nun auf der grünen oder roten Hödecken-Markierung befindet, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall auf einem Höhenweg…

Erst ab Kilometer „11“ setzte bei mir die volle Konzentration und Achtsamkeit auf die Umgebung ein. Vorher hatte ich viele Gedanken zu Corona und zum Ukrainekrieg. Ist gerade keine schöne Zeit. Nach 18,3 Kilometer erreichte ich meinen Ausgangspunkt in Brüggen, den Ehrenfriedhof der Gefallenen aus dem 1. und 2. Weltkrieg, sehr entspannt und die Gedanken, dass wir uns im Krieg in Europa befinden, waren wieder präsent.

Zuhause habe ich gleich für die Ukraine-Hilfe Diekholzen gespendet.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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