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Mit dem Zug um 8.00 Uhr bin ich am letzten Tag meiner Kurzpilgerung nach Magdeburg gefahren. Heute sollte das letzte Teilstück in Sachsen-Anhalt auf dem Jakobsweg geschafft werden. Echt praktisch, dass ich mit dem Wohnmobil am Bahnhof stehe. Zuletzt war ich vor 30 Jahren in Magdeburg – dienstlich. Wir haben uns eine Sparkasse für junge Leute angesehen, die wir später auch in Hameln eröffnet haben. Nur anders und vielleicht auch besser. Magdeburg habe ich nicht wiedererkannt, aber eine Erinnerung ist mir geblieben; ein jugendlicher Kunde ließ sich beraten und auf seiner Schulter krabbelte eine große zahme Ratte. Ekelig, das war nichts für uns vom Dorfe…

Vom Bahnhof bin ich dann direkt zum Dom gepilgert, nur knapp ein Kilometer. Und das Museum hatte schon auf. Ohne weiter zu überlegen bin ich dann rein und fragte nach einem Pilgerstempel beim Sicherheitsdienst. Komisch alles hier. Wir haben hier keinen Stempel war die patzige Antwort. Ich ließ mich natürlich nicht abwimmeln… War ich in der Sendung „Versteckte Kamera“? Ich sollte mich in der Poststelle nächste Tür rechts melden. Dort erhielt ich von einer sehr freundlichen Mitarbeiterin einen Stempel. Beim Rausgehen sah ich den Stempelabdruck – au Backe -Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg. Jetzt bin ich ein Irrer…. draußen am Gebäude hing nur ein Hinweisschild zum Dommusem… natürlich hatte der Dom und das Museum um 8.45 Uhr noch zu. Und der Sicherheitsdienst bei der Wohnbau dachte wohl, ich wäre ein säumiger Mieter.

Zwei kleine Begebenheiten zum Nachdenken: um 9.30 Uhr wurde von einem Lieferdienst für Senioren bereits das Mittagessen geliefert. Am Lieferwagen stand angeschlagen: „Menüs immer frisch“. So werden Senioren veräppelt. Und zweitens der Rentner, der in seinem Bollerwagen eine leere Bierkiste zum nächsten Getränkemarkt schob. Macht er diesen Weg jeden Tag?

Endlich raus aus Magdeburg. Ich mag den Krach der Großstädte nicht mehr. Dann lief mein Weg noch über die Autobahnbrücke A2. Wieder laut. Aber ich blieb mittig oberhalb der beiden Fahrspuren nach Berlin stehen. Ich winke nämlich immer den Autofahrern zu, diesmal haben 9 von 10 zurückgewunken. Ich will das Klischee bedienen, weil es oft auch wahr ist: es war ein Mercedesfahrer, der nicht gewunken hat.

Zum Ort Wellen führte mich mein Weg an ein Gehege von Hirschen und Rehen vorbei. Echt zahm die Tiere. Der Weg war übrigens nicht wellig…

Dann hatte ich mir eine Massage verdient. Mitten im Feld stand die Massagebank, nur leider kein Masseur in der Nähe. Zum Ausruhen war sie zumindestens nützlich. Das war bisher keine schöne Strecke: viel Asphalt und spärlich geschildert.

In Ochtmersleben hatte ich dann eine außergewöhnliche Begegnung. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fuhr ein Radfahrer. Der rief mir zu: bist du auf dem Jakobsweg? Ich bejahte und er kam zu mir mit seinem Fahrrad herüber. Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch. Er fragte mich, ob er mir was schenken kann? Klar, warum nicht… ihr glaubt es nicht, er holte aus seiner Satteltasche einen eigenen Pilgerstempel raus!!! Jetzt habe ich von Pilger Andreas Edel einen Stempel bei mir im Heft. Er erzählte, dass er seit 2005 in Deutschland pilgert und alle Diözesen und Bistümer sowie die Ministerpräsidenten der Länder besuchen will. Es fehlen nur noch wenige Stationen. Ich wollte es kaum glauben und dann zeigte er mir sein Gästebuch und dort haben tatsächlich viele Bischöfe und Ministerpräsidenten etwas eingetragen oder zumindestens die Sekretäre. Ich war baff erstaunt. Beim Blättern entdeckte ich auch einen Eintrag vom Bundeskanzleramt. Hammer. Und ich unwichtiger Pilger durfte auch einen Eintrag machen. Ich bete für Dich Andreas (Bild).

Mein Weg mit ganz neuen Gedanken führte mich weiter auf dem Holunderradweg, den Holunderschnaps den wir letztes Jahr gemacht haben, schmeckt übrigens immer noch lecker. Und dann musste ich kurz vor Drackenstedt noch durch Schneereste pilgern. Bin jetzt auch ein Schneepilger. Die Pilgerkirche war leider geschlossen. Nach 35,5 Kilometer war ich dann endlich müde und kaputt zurück. Und meine Gedanken bis zur Ankunft in Eilsleben waren immer noch bei Dir, lieber Andreas.

Jetzt geht es wieder heimwärts und ich freue mich meine Frau wiederzusehen. Sie hat mir sehr gefehlt.


Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär

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