Natürlich bin ich heute für meine 2. Tour auf dem Jakobsweg von Fulda nach Würzburg schon um 6.45 Uhr aufgestanden. Natürlich habe ich die Pension ordentlich verlassen. Und natürlich stand heute morgen pünktlich um 8.00 Uhr Alfred vor der Bäckerei, wo ich gefrühstückt hatte. Und zum letzten Mal: natürlich startete unsere Tageswanderung in der Jakobusstraße in Thalau und doch noch einmal natürlich…. es ging natürlich gleich 100 Höhenmeter hoch.

Alfred zeigte mit gleich die wunderschöne Mariengrotte von Thalau. Da habe ich an meine verstorbene Mutter Maria gedacht und im Gedenken eine Kerze angezündet.

Die Strecke führte uns über Frauenholz (Ob da es nur weibliches Holz gab?), Gichenbach, Rommers, Kalbenhof bis zur Schwedenschanze. Wir haben wieder gute Gespräche geführt….. Leider hat das Wetter nicht so mitgemacht, es nieselte und war feuchtkalt. Wir haben über unsere Familien und unsere Berufe gesprochen und in Höhe der Schwedenschanze rief auf einmal Alfred: „Schau mal, da fährt ein Lkw von meinem alten Arbeitgeber vorbei… so einen habe ich immer gefahren.“

In den 26 Arbeitsjahren bei der Getränkefirma Förstina hat er viel erlebt. Er war nicht nur Kraftfahrer, sondern er musste auch die Getränkekisten abladen. Am Anfang gab es keine Gabelstapler, alles per Hand. Im Monat hat Alfred im Durchschnitt 35.000 – 38.000 Kisten selbst abgeladen. Neben einem Grundgehalt gab es Kilometerprämien, ab 25.000 Kisten Zuschläge und ein Mal im Monat ein Kistengeld von 20€ für den Eigenbedarf. Jetzt weiß ich warum Alfred mit 74 noch so fit ist und die heutigen 300 Höhenmeter bestens bewältigt hat. Er war quasi 26 Jahre täglich im Fitnesscenter auf der Arbeit.

Beim Zwischenziel Schwedenschanze verläuft die Grenze zwischen Bayern und Hessen. Die Bayern sagten, ab hier beginnt Preußen…. na ja, da gab es wohl wieder mal Wahrnehmungsstörungen.

Der Jakobsweg führte uns auch durch Oberweißenbrunn, dem Geburtsort von Alfred. Direkt neben seinem Geburtshaus, er wurde übrigens im Kreißsaal „Stube“ geboren, trafen wir den Maurer Josef, der die Eingangstreppe, nicht Diensttreppe, erneuerte. Schön, wenn sich alte Spielkameraden nach 50 Jahren mal wieder getroffen und unterhalten haben. Schön auch zuzuhören.

Kurz vor dem letzten großen Aufstieg haben wir uns noch mit dem von meiner Frau gemachten Nudelsalat mit roter Beete gesättigt. Tatsächlich ging es nochmal richtig aufwärts. Ach so, den ganzen Tag haben wir „Geballere“ gehört, im alten Militärübungsgebiet Wildflecken hat jetzt die Bundeswehr das Kommando von den Amerikanern übernommen. Die Amis haben übrigens die Bewohner des Ortes Dahlherda nach dem Krieg mal unfreiwillig umgesiedelt. Das Dorf lag in diesem Übungsgebiet.

Nach 24,81Kilometer waren wir auf dem Kreuzberg, dem Berg der Franken, angekommen. Natürlich ging es noch die 1361 Schritte dem nachempfundenen Kreuzweg nach Golgatha hoch. Und dann findet den Fehler auf dem Foto: ….der Bayerische Rundfunk hat genau dahinter einen Sendemast aufgestellt. Ein Affront gegenüber den Kreuzwegpilgern.

Alfred und ich mussten uns dafür erstmal mit einem Bier beruhigen… lieber Alfred, vielen Dank für die zwei wunderschönen Pilgertage unter deiner Führung.

Ich bezog mein neues Zimmer in der Klosterunterkunft und nach dem Einseifen kam nur kaltes Wasser. Oh nein und meine Muskulatur war doch sehr strapaziert…. ich habe offene, richtig offene Worte mit der Mitarbeiterin der Rezeption gesprochen: immerhin ein Essengutschein. Gewärmt hatte ich mich dann noch beim Mittagsschlaf. Die 300 Höhenmeter mussten ja noch verarbeitet werden.

Jetzt löse ich meinen Essengutschein ein…

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär

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