Das ist hier ein Sonder-Tagesbericht!!!

Ich hatte erst überlegt, ob ich das hier überhaupt schreibe. Aber der Kontakt und die Gespräche des heutigen Abends gehören einfach zu meinen Erlebnissen auf dem Jakobsweg von Magdeburg nach Freyburg dazu. Aus Gründen des Datenschutzes nenne ich die Person „Werner“. Werner hatte ich bei meiner Ankunft im Hotel Graf von Mansfeld in Eisleben kurz kennengelernt. Er interessierte sich buchstäblich für neue Gäste. Abends wollte ich noch essen, aber nicht vor 18.30 Uhr. Ich fragte den Kellner, ob ich reservieren sollte. Nein, sonntags ist hier immer wenig los, war seine Antwort. Werner bekam das alles natürlich an der Theke mit, er trank dunkles Bier, weil das weniger Kohlensäure hat, wie er mir später erzählte. Mich hat Werner schon sehr interessiert. Was ist das für ein Mensch? In meinem jugendlichen Leichtsinn fragte ich direkt, ob er mir ab 18.30 Uhr beim Essen Gesellschaft leisten würde. Das könne er nicht versprechen…


Um 18.45 Uhr kam ich dann zum Essen. Werner stellte sich mit seinem richtigen Namen vor und sagte, dass er fast nicht mehr damit gerechnet hätte, dass ich noch komme. Wir setzen uns gemeinsam an einem Tisch. Er hat übrigens drei Stunden gewartet!

Werner war Betriebsschlosser. Lebt allein in einer 1 1/2 Zimmer Wohnung in der Katharina Straße (Namensgebung von der Ehefrau von Martin Luther). Ist schon seit einigen Jahren in Rente. 66 Jahre. 1300 Euro Rente. Die Mietkosten wurden jetzt von 270€ auf 355€ erhöht. Er spare aber noch jeden Monat vierhundert Euro. Komisch dachte ich… steht auf meiner Stirn erzähl mir alles? Nee, aber ich höre eben gern zu.

1989 ist er noch mit Freunden aus der DDR über Tschechien nach Hof geflüchtet und war dann noch 5 Jahre in Schleswig- Holstein als Schlosser tätig. Mehr Geld hat er mit der Vermittlung von Wintergärten verdient. Er hat auch schon in Hettstedt gewohnt und kennt den Pfarrer Sebastian Bartsch sehr gut. https://wanderbruder.de/bueroanruf-sieben-sinne-und-praesident-bartsch/

Mit dem Pfarrer hätte er auch schon über seine besondere Gabe, der Telepathie zu Gott, gesprochen. Regelmäßig hat er zu Gott Kontakt; oft im Traum. Ich war ein stiller Zuhörer… Na, dachte ich, hat Werner was genommen? Er wirkte klar. Ich sagte ihm, dass ich von früher aus dem Fernsehen die Telepathie mit Uri Geller kenne. Uri Geller ist der Löffelverbieger.

Unumwunden erzählte er, dass er einen gesetzlichen Betreuer hat. Ups. Werner wirkt doch eher ganz normal? Heute glaube ich, dass Werner sehr zufrieden ist. Die Gespräche mit Gott helfen ihm. Vielleicht ist an der Telepathie was dran…

Mein Fazit: auch wenn jemand Besonderheiten hat, so ist er nicht gleich wegzuschließen. Das neue Betreuungsrecht ab 1.1. 2023 lässt sogar mehr Beteiligung des Betreuten zu. Der Wille des zu betreuenden Menschen steht im Mittelpunkt aller Unterstützungen. Werner tut keiner Menschenseele was. Wir müssen lernen mit Menschen so umzugehen, wie sie sind. Und wenn ich dann noch an die heutige Predigt vom Präsidenten des Trägervereins der Jakobswege in Sachsen-Anhalt, Sebastian Bartsch, denke, dann wird mir immer klarer, dass verachtene Blicke einfach Fehl am Platz sind.

Denn seien wir Mal ehrlich, haben wir nicht alle noch ein bisschen „bluna“ in uns?

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von fünf lieben Menschen.

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