Das ist Teil 2 meines Beitrages von der Jakobswegwanderung von Frankfurt/Oder bis Tangermünde auf der Strecke von Teltow nach Potsdam. Den 1. Beitrag findet ihr hier: https://wanderbruder.de/bergfest-follower-und-potsdamer-stange/

Was haben Uwe, Manfred, Dieter Thomas und Willi gemeinsam? Sie sind tot und jeder hat seine eigene Geschichte und auf dieser Jakobswanderung sind sie mir präsenter denn je.

Vorgestern schrieb mir mein Wanderbruder, der Richtige, Bruder Peter, eine Email. Danke für das Geschenk stand in der Betreffzeile. Was meinte er wohl? Geburtstaggeschenke machen wir schon seit Jahren nicht mehr und er hat im Oktober Geburtstag. Ich war neugierig und las in der Email weiter: „Uns Uwe“ in Salzhemmendorf. Wanderbruder Bernhard u. Rentner PET waren bei Karl-Heinz Wexler Linienrichter. Damals fragte UWE PET: „Wo ist denn hier die Haupttribüne?“ PET: „Dreh dich zu den Umkleidekabinen!“ . Das war 1995 und wir durften „Uns Uwe“ hautnah auf dem Dorfplatz bei einem Jubiläumsspiel des Vereins erleben. Und meine Erinnerung zu diesem Spiel ist: der Uwe redete die ganze Zeit und kommentierte jede Entscheidung des besten Schiedsrichtergespanns der Welt. So war er und so wird er immer in Erinnerung bleiben. Nur der HSV mit „Uns Uwe“.

Irgendwie komisch das heute der Weg am Waldfriedhof von Stahnsdorf vorbei ging. Ich musste einfach abbiegen, denn dort ist Manfred Krug begraben. Der begnadete DDR-Schauspieler hatte damals die Petition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieben und war dann in der DDR nicht mehr erwünscht. Mutiger, offenherziger Mann. Die Sendungen „Liebling Kreuzberg“ und seine Einsätze als „Kommissar Paul Stoever“ haben mir besonders gut gefallen. Nach über 4 Kilometer Irrwanderung auf dem Friedhof Stahnsdorf habe ich es tatsächlich aufgegeben, das Grab zu finden. Der Friedhofsgärtner sagte auch, er hat es noch nicht gefunden. Es soll eine bescheidene Grabstätte sein. Die Parkfläche des Friedhofs ist übrigens 2.060.000 Quadratmeter groß.

Auch dort begraben ist Dieter Thomas Heck. Kennen wir „Alten“ natürlich von der ZDF-Hitparade, einer Muss-Sehen-Fernsehsendung für Teenager. Er hat immer vor jeder Sendung zwei Doppelkorn zur Beruhigung getrunken. Das hilft, kenne ich auch was von in kleinem regionalen Rahmen bei Veranstaltungen. Bei mir was es aber ein Glas Bier, traditionell. Das Grab habe ich übrigens schnell gefunden, denn ein „Fan“ war gerade vor Ort. Sind übrigens viele normale und prominente Bürger hier begraben, zum Bespiel Otto Graf Lambsdorff, FDP-Vorsitzender und Finanzminister und Werner von Siemens, der Erfinder und Industrielle. Aber auch riesige Einfriedungen für hunderte gefallene Soldaten aus Italien und England. Macht einen schon nachdenklich, was Hitler alles so aufgrund seiner Machtbessenheit angerichtet hat. Den Betrag für gewanderte Kilometer auf dem Jakobsweg von Frankfurt/Oder nach Tangermünde spendete ich wieder für die Ukraine Hilfe Diekholzen. Das sind echt echte Unterstützer dort. In Moskau sitzt ein 2. Hitler mit dem Namen Putin.

Und als ich nach 15 Kilometer die erste Pause machte, da saß ich auf einen Mal auf einer Sitzbank am Willi Frohwein Platz in Babelsberg. Willi Frohwein kannte ich bisher nicht. Willi Frohwein galt als Halbjude und wurde verfolgt. Die Flucht in die Schweiz misslang. Er kam ins Gefängnis nach Auschwitz. Zweimal hat er dort auf einem Transporter gesessen, der zur „Vergasung“ fuhr. Durch die heranrückende „Rote Armee“ musste Auschwitz geräumt werden und es begann der Todesmarsch nach Mittelbau-Bora ins Konzentrationslager im Harz. Die menschenverachtende Unterbringung und die ungenügende Ernährung habe ich dort selbst im Museum nachgelesen. Es war noch nicht die Endstation von Willi Frohwein. Er kam nach Bergen Belsen und konnte dort von den Briten befreit werden. Erinnerungen an meine Warschau-Reise Anfang 2020 sind wieder da, dort habe ich nur schreckliches über die Deutsche Wehrmacht gehört. Willi Frohwein hat 20 Jahre um seiner Ruhe Willen geschwiegen. Er war aber später der entscheidende Hauptbelastungszeuge für die Verurteilung eines Lagerarztes.

Heute war für mich ein besonderer Tag. Die Lebensgeschichten berühren mich schon sehr.

Und mitten in der Fußgängerzone von Potsdam gab es eine Szene zwischen einem jungen Paar, sie schrien sich an und die Frau lief heulend weg. Der junge Mann grummelte vor sich hin: Mensch, was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht…. am liebsten hätte ich die Lebensgeschichte von Willi Frohwein erzählt…

Jetzt muss ich erstmal an die frische Luft.

v.L. Uwe, Bruder Peter, K.H. Wexler, N.N., ich

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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