Ich habe meine Wanderstrecke für heute umdisponiert, um bewusst Teerstrecken zu vermeiden. Streckenverlauf ab Buch über Scheeren, Cobbel, Uetz bis Kehnert. Meine Füße haben es mir gedankt…

Mit einem guten Frühstück im Dorfhotel Güldenpfennig ging ich gestärkt auf Wandertour. Ich durfte mir Proviant mitnehmen. Die sehr freundliche Polin kümmert sich gerade hier im Dorfhotel um alles. Ist seit drei Monaten hier und kennt auch die Gaststube von gestern.

Heute war es richtig heiß und ich war froh, dass ich zumindestens durch einen trockenen Kiefernwald gehen konnte. Springende Hasen vor mir, erzeugten bei mir höchste Aufmerksamkeit. So auch die kleinen Insekten, die sich immer wieder bei mir an den nackten Hautstellen niederließen. Ich war oft am herumfuchteln und habe sie verscheucht. Und dann habe ich die Lösung gefunden… einfach schneller wandern.

Ups, was stand da vorn auf dem Schild: „Munitionsbelastetes Gebiet – Betreten verboten „. Oh nein. Ich habe Fahrspuren gesehen und dann für mich entschieden, wenn dort Autos durchfahren, dann kann ich auch da durch. Also explodierte Autos habe ich nicht gesehen… das war übrigens ein Schießgelände der Fa. Krupp. Auch wenn 5 Buchstaben der Firma in meinem Nachnamen enthalten sind, mit denen möchte ich nichts zu tun haben (Waffenlobby).

13 Kilometer geradeaus und keiner Menschenseele begegnet. War schon unheimlich. Ich hatte mal in der Schule, also quasi vorgestern, den Kriegsfilm „Die Brücke“ gesehen und irgendwie komisch, die Geräusche der Panzer konnte ich hier heute hören… im übertragenen Sinne.

Kurz vor Cobbel kam ich direkt aus dem Wald an einem Spargelfeld vorbei. Bis zum 24. Juni wird Spargel geerntet, aber was habe ich da für zwei Erntemaschinen gesehen? Ein Wagen mit vier Rädern fuhr langsam über den Spargeldamm. Dabei wurde die Thermofolie vorn angehoben und über einen Rohrrahmen des Wagens auf etwa 1,50 m Höhe geführt und nach maschineller Glättung des Damms wieder auf den Spargeldamm aufgelegt. Währenddessen haben Spargelstecher unter der Folie kontinuierlich den Spargel geerntet. Und diese Erntemaschine heißt: Spargelspinnne. Vorher noch nie was von gehört. Beim Wandern lernst du immer was dazu. In diesem Jahr brach der Spargelabsatz aber deutlich ein, weil die Leute sparen mussten. Das bestätige mir der Spargelbauer vom Spargelhof und er war schon ziemlich bedrückt. Noch so ein schwaches Jahr und wir sind in Existenznot. Geschlossen ist schon das Gasthaus „Spargelspinne“ im Ort.

Jetzt bin ich nach 20 Kilometer Wanderstrecke im Gutshof Kehnert, im gleichnamigen Ort, angekommen. Ein wenig geschlaucht von der prallen Sonne und den schweren Füßen.

Und beim Schreiben dieses Berichts höre ich, wie der Geschäftsführer die polnische Putzkolonne zu mehr Schnelligkeit auffordert. Schlimm, diese Treiber. Ich jedenfalls habe heute Nachmittag frei und werde mich entspannen.


Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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