Sorry, gleich vorweg, es wird ein richtig, richtig langer Beitrag, noch länger.. Das ist es, was ich mag, die kleinen Geschichten, die mich auf einmal in meinem Kopf bewegen. Nichts weltbewegendes, aber für mich voller Freude. Und jetzt geht es los:

Ich habe trotz 10 Grad Minus Außentemperatur wunderbar im Wohnmobil genächtigt. Mit der neuen Gasflasche habe ich auch wieder Beharrlichkeit und Wärme.

Heute beginnt meine Tour in Kirchehrenbach. Und wieder geht es zum Heiligen Berg der Franken… die spinnen die Bayern, zwei heilige Berge? Also für mich ist der Kreuzberg der heilige Berg. Hier mein alter Wanderbericht: https://wanderbruder.de/35000-flaschen-maurer-josef-und-kreuzberger-kaltes-wasser/

Egal, es ging wie mittlerweile fast täglich richtig, richtig bergauf. 250 Höhenmeter machen mir viel Spaß am frühen Morgen. Doch ich sollte wieder einmal belohnt werden, das Bergkreuz auf dem Rodestein, die steinerne Frau, die Walpurgiskapelle und die Walberla. Echt mystisch hier und dafür hat auch der Morgennebel gesorgt. Hier, wo einst die Hexen tanzten… eben Walpurgisnacht, nur am Morgen. Schon echt beeindruckend hier ganz allein zu sein und über die weite neblige Ferne zu schauen. Das muss man sich wirklich ansehen, ein Highlight der fränkischen Schweiz. Ach so, das hatte ich vergessen… es war ein „Eiergang“ auf gefrorenen glatten Wege und steinigen Erhebungen. Und die Bergkreuze haben hier alle Blitzableiter, weil der heilige Geist hier immer mal wieder einschlägt. Bei mir ist es eher der Himbeergeist, der wirkt und nach zu häufigem Genuss einschlägt. Die steinerne Frau (s. Bild) ist noch heute in Stockstarre bei soviel geistlichen Genüssen.

Nach 7,2 Wanderkilometern bin ich dann mit dem Wohnmobil nach Waischenfeld gefahren. Die Hochburg der Brauereien… dazu später mehr.

Und hier in Waischenfeld wurde 1967 Geschichte geschrieben. In der Pulvermühle tagte der Geheimbund „Gruppe 47“. Das ultimative Schriftstellertreffen unter Leitung von Hans-Werner Richter. Seit 1947 gab es dieses Treffen und Patriarch Richter, der wirklich eher schlechte Texte ablieferte, bestimmte wer eingeladen wird. Die Treffen dienten der gegenseitigen Kritik der vorgelesenen Texte und der Förderung junger, noch unbekannter Autoren. Bei einem solchen Treffen begann die Karriere von Günter Grass. Und der „Spiegel“ widmete 1967 für diesen Geheimbund seine Titelseite. Ok, nachdem ich dies alles verstanden habe, habe ich mich gedanklich in ein solches Treffen hineingebeamt. Der Vorleser und Dichter begab sich auf den „heißen Stuhl“ und präsentierte sein Werk. Danach musste er schweigen und die Teilnehmer dieses Geheimbundes durften Kritik und Lob anbringen. Und was passierte da, ich saß auf einmal auf diesem Stuhl und meine Beiträge auf www.wanderbruder.de wurden behandelt. Es hagelte Kritik über die eher einfachen Geschichten, das liest doch kein Mensch… und dann sah ich im Dunkeln den Geist in Person meiner Frau, die das Wort ergriff und ein Loblied zu meinen Texten „sang“. Alle waren so aufgewühlt und stimmten im Freudengesang ein. Uff., was bin ich erleichtert… jetzt wisst ihr, warum ich meine Frau so liebe….

Die Tagestour ging dann erleichtert weiter zur Burg Rabenstein. Diese Burg hat ein ortsansässige Studienreisenunternehmer (Josef Bauer) aufgekauft und zu einem Hotel umgebaut. Das erinnert mich an die Familie Popken, die das Münchhausenschloss Schwöbber in meiner Heimat vollkommen saniert und damit erhalten hat. Hut ab, vor solchen Unternehmerfamilien.

Weiter ging es dann zur Sophienhöhle, die unbeschreiblich schöne Tropfsteingebilde vorweisen kann, nur leider im Winter geschlossen. Egal, ich bin ja nur zum Wandern hier. Früher hießen übrigens die Touristen und Urlauber: Sommerfrischler…, ich bin jetzt ein Winterfrischler…

Auf dem Rückweg von Hannberg nach Waischenfeld begegnete ich zwei Forstarbeiter. Alle beide sehr fleißig. Hey, und als ich direkt in ihrer Nähe war, machten sie ihre Motorsägen aus, um mit mir zu sprechen. Hey Wanderer… wo kommst du her…. tolles Gespräch und sie empfahlen mir das Gasthaus Sonne für mein Abendmahl.

Bereits um 15.30 Uhr stand ich vor der „Sonne“, hier wie fast überall, eine familiengeführte Wirtschaft. Öffnungszeit 16 Uhr, warmes Essen ab 17.00 Uhr. Es brannte in der einsetzenden Dämmerung bereits Licht. Ich klopfte und mir wurde Einlass gewährt. Hey Leute, um 16.00 Uhr hatte ich meinen Hubertustopf und ein heimisches Bier von Schroll, der frisch angezapfte halbe Liter für 2,80€ auf dem Tisch. Echt flexibel die Wirtsleute und Barbara ist hier die Chefin. Sie haben 20 Gästezimmer und im Sommer haben sie am Tag 150 Essen! Natürlich musste ich auch den heimischen Bitter aus Streitberg trinken… ich wollte mich nicht mit den Wirtsleuten streiten und habe mich meinem Schicksal ergeben.

Auf einem Schild (s. Foto) habe ich Grüss Gott gelesen, aber eigentlich sagen hier alle Servus. Die sind wahrscheinlich heuer nicht mehr in der Kirche…Und heuer heißt wohl heute.

Und das beste zum Schluss: es gibt hier Brauerei-Tageswanderungen. Um 9.00 Uhr geht es los. Auf einer Strecke von 14 Kilometer werden sechs Brauereien angelaufen und zum Schluss gibt es von der örtlichen Metzgerei ein Vesper. Und Bier bis zum Abwinken. Also wer mir über Facebook oder ein Kommentar auf meiner Seite schreibt ist herzlich eingeladen. Ab 10 Teilnehmer organisiere ich diese Tour.

Liebe Freunde von wanderbruder.de …. ich genieße das Leben in vollen Zügen, also mein Abteil ist nur besetzt von meiner Frau und mir. Und die Kinder und Enkelkinder sitzen im Großraumwagen.

Gesamte Wanderleistung 17,92 Kilometer.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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