Endlich wieder onTour und gleich vorab, der heutige Bericht wird unendlich lang… Gestern Abend bin ich gegen 21 Uhr an meinem Zielort in Oberfranken in Sanspareil angekommen. Natürlich habe ich direkt vor dem Park geparkt. Alles irgendwie unheimlich…. menschenleeres Dorf, bizarre Schneelandschaft und ein Eichhörnchen, was schnell an den Baum hochlief, als ich nach 4 Stunden Fahrt ankam.

Ich bin jetzt in Bayern und hier ist bekannterweise vieles anders. Schon auf der Autobahn war das ersichtlich, alle zwei Kilometer wurde auf touristische Attraktionen hingewiesen: Land der Brauereien (gut!), Wanderdreieck und quasi auf jede besondere Milchkanne.

Nach einer ruhigen Nacht im Wohnmobil konnte ich mich nach einem Camperfrühstücksmenü direkt zum Felsengarten begeben. Dieser ist im Besitz des Adelsgeschlecht Hohenzollern seit 1290. Hoch war es nicht und Zoll hat auch keiner verlangt. Nur der Wintergärtner machte mir den Weg vom Schnee frei. Auf vielleicht 10.000 qm Parkfläche ist hier wirklich über die Jahrhunderte etwas ganz, ganz Bedeutendes entstanden. Mystische Felsen mit Ihren eigenen Geschichten und dem imposanten Ruinentheater mit dem gemauerten Orchestergraben. 2002 erhielt dieser Park dafür die Auszeichnung „Schönster Park in Deutschland“. Verdient.

Zu meinem nächsten Zielort musste ich 30 Kilometer fahren. Muggendorf. Geparkt habe ich bei der Touristinfo. Die sind hier echt Abzocker. Parkgebühren sogar auf Waldparkplätzen und immer schön über eine App „Parkster“ bezahlen. Also ich habe mich dafür entschieden, parkste hier oder da, das ist egal, parkste einfach kostenlos. Mal sehen, ob ich trotzdem eine Rechnung bekomme…..

Der Rundweg (Markierung blauer Kreis) führte mich über Neudorf vorbei an der Schönsteinhöhle über den Schwingbogen und zurück. Bequeme Wanderwege und schöne Ausblicke in das lange Tal. Ich hatte so viel Zeit über einiges Nachzudenken, das vertrauensvolle Gespräch mit dem Bürgermeister über das Sportgelände meines Vereins und die anstehenden Aufgaben als gesetzlicher Betreuer von lieben Menschen. Ich habe ein gutes Gefühl, dass ich was bewirken kann.

Nach rund 9 Kilometer Wanderung musste ich mich natürlich erstmal stärken. Ich habe ja meine Küche im Wohnmobil dabei…Aus der Sterneküche von meiner Frau habe ich eine Curryreispfanne mit Paprika, Brokkoli und Hähnchenfleisch mitbekommen. Ich habe alles in eine Pfanne gegeben, etwas Milch dazugegeben und dann erhitzt. Das war 1. Sahne vom Geschmack her.

Nach diesen Genüssen bin ich nach Streitberg zu meinem nächsten Ziel- und Übernachtungsort gefahren. Ab zur Binghöhle. Leider konnte ich die mächtigen Tropfsteinbildungen nicht persönlich in Augenschein nehmen, eben Winterpause.. und die Fledermäuse dürfen nicht gestört werden, aber die ausgehängten Bilder sind schon beeindruckend.

Weiter ging es zur Ruine Streitburg, ein außergewöhnlicher Ort mit seinen beeindruckenden Felsformationen. Und dann auf dem weiteren Weg musste natürlich etwas passieren. Zwei mächtige Baumstämme versperrten mir den Weg. Wie sollte ich da bloß rüberkommen… Zwischen beiden Stämmen war nur eine kleine Trittfläche und es passierte was ich nicht wollte… Die Trittfläche gab nach und ich rutschte knapp zwei Meter runter und konnte mich nicht mehr festhalten. Da war ich eingeklemmt zwischen den Baumstämmen, aber mit dem Adrenalinschub konnte ich mich schnell befreien. Das Ergebnis: dreckige Hose und ein wacher Wanderbruder. Wer abrutscht darf nochmal… irgendwie ein blöder Spruch.

Hier in Streitberg ist übrigens das Kletterparadies in der Fränkischen Schweiz. Gerade an der Muschelquelle (s. Foto) ist Kletterkunst gefragt. Und für den Kultkletterer Kurt Albert ist eine Gedenktafel errichtet worden, der im April 2000 abgestürzt ist und tödlich verunglückte. Es sind diese kleinen Geschichten, die mich zum Nachdenken bringen. Beste Freunde haben mittlerweile über sein Lebenswerk Bücher veröffentlicht.

Vor der einstigen Pilgerherberge habe ich Fritz getroffen, der mächtige Metzgermeister aus der Region. Er erzählte mir bereitwillig vieles über den Ort. Das Gasthaus Schwarzer Adler haben Russen gekauft, die vermieten an Montagearbeiter für 25€ die Nacht ohne Frühstück und Reinigung. 12 Zimmer gibt es dort. Voll ausgebucht. 300€ pro Tag=9.000€ im Monat. Weiter unten im Ort gibt es Asylwohnungen, wo die neuen Eigentümer zu Lasten des Staates sich gut bezahlen lassen. Ist irgendwie wie mit den Testzentren in dieser Coronazeit, wenn der Staat überfordert ist, dann wird es teuer.

Der Fritz hatte 60 Mitarbeiter, jetzt ist er 70. Nächstes Jahr feiert er mit seiner Frau Goldene Hochzeit. Die Tochter wollte den Betrieb nicht übernehmen, jetzt macht er nur noch für beste Freunde Wildscheinwürste mit Naturgewürzen. Er ist nämlich auch Jäger. Schön, wenn ich mit Einheimischen plaudern kann. Und natürlich musste er mir die Geschichte von Eppelein, dem deutschen Raubritter erzählen. Er machte in der Fränkischen Schweiz alles unsicher und soll kurz vor seiner Hinrichtung mit seinem Pferdesprung über den Nürnberger Graben entkommen sein. Ein Liebesritter, der Robin Hood der Fränkischen Schweiz.

Mit vielen neuen Eindrücken kam ich dann zurück zum Ausgangspunkt, meinem Wohnmobil. Ich wollte mich nur kurz ausruhen und daraus wurden zwei Schlafstunden.

Und jetzt gegen Mitternacht bin ich wieder müde. Morgen geht es weiter.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Pensionär, 1. Vorsitzender SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von lieben Menschen.

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