Meine Wanderfreunde seid erstaunt: heute war ich schon um 6.40 Uhr auf der Pilgerstrecke auf dem Jakobsweg von Frankfurt/Oder nach Tangermünde im Abschnitt Großziethen bis Teltow.

Als ob ich es geahnt hatte, dass ich für heute nur eine kurze Wanderung vor vier Wochen geplant hatte. Mein Digitus IV. am rechten Fuß macht Probleme „Entzündete Blase“. Die 16,76 Kilometer habe ich aber gut und schmerzfrei geschafft.

In Großziethen (Brandenburg) ging ich als Ossi (Ostdeutscher) los und habe dann die südlichste Spitze des Bezirks Tempelhof mit Lichtenrade als Wessi (Westdeutscher) durchwandert. Krass diese Unterschiede noch heute. In Brandenburg ländliche Idylle und in Berlin direkt hinter der ehemaligen Grenze Massen von Hochhäusern. Und dann auf dem Mauerweg war ich quasi viele Kilometer beides: Wessi und Ossi. Die Bezeichnungen haben mich eigentlich schon früher während meines Berliner Sparkassenstudiums (1986-1987) gestört. Das sind einfach haltlose Vorurteile: Rassismus unter den Deutschen. Ok, die Bayern vom FC sind schon spezielle Menschen…

Die lange Strecke auf dem Mauerweg war schon sehr berührend. Immer wieder standen Erinnerungsstelen am Wegesrand, die über die Schicksale der Familien von erschossenen Flüchtlingen berichteten. 173 sollen es allein an der Berliner Mauer gewesen sein. Hier am Teltow-Kanal (gleichzeitig Grenze) waren für Flüchtlinge eigentlich gute Fluchtbedingungen, denn der Kanal ist nicht so breit. Gut, dass 1989 alles vorbei war und jetzt können wir alle auch auf Wessi und Ossi Bemerkungen verzichten.

Direkt an der ehemaligen Grenze bin ich jetzt im GINN-Hotel luxuriös untergekommen. Zimmer mit Klimaanlage und Badewanne… Und die Hotelrezeption und die Bar sind vereint, ob das Wohl am Hotelnamen liegt?

Ich habe heute meinen freien Nachmittag und werde gleich ins Freibad „Kiebitzberge“ gehen und darf mich auch dann Schwimm- oder Plantschpilger nennen.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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