Gestern im Hotel Marktgraf hatte ich meinen letzten Waschtag auf der Pilgerwanderung von Frankfurt/Oder nach Tangermünde. Noch drei Mal schlafen, dann bin ich wieder zu Hause bei meiner Frau. Auch schön.

Irgendwie bin ich zum Morgenpilger geworden und fast jeden Morgen erschrickt sich die Servicekraft, wenn ich wie immer 10 Minuten vor der eigentlichen Zeit im Restaurant stehe. Heute war es 6.20 Uhr. Nach 7 bin ich dann in Lehnin losmarschiert. Und die Sonne schien schon mit voller Kraft… Die Strecke ging heute über Netzen, Prützke, Neuschmerzke bis Brandenburg. Kurz vor dem Ortsausgang von Lehnin überholte mich ein Behindertentransporter und hielt sogleich mit Vollbremsung am letzten Haus auf der rechten Seite an. Was war denn mit dem los? Es sollte sich bewahrheiten, ein Proll… Er öffnete beide Hintertüren und holte zwei Auffahrrampen und verursachte eine Menge Krach. Im Innern saß noch eine ältere Frau und die sagte etwas zum Fahrer. Ich konnte es nicht verstehen, aber ich hörte wie der Fahrer zur alten Dame rief: „Halten Sie endlich Ihren Mund „. Was habe ich da gehört? Ich bis auf 2 Meter Sicherheitsabstand hin zum Proll und habe ihm deutlich gesagt, dass man so nicht mit Menschen umgeht und wenn er kein Bock zu arbeiten hätte, dann möge er doch in den Keller gehen und Kohlen schaufeln (oh, sehr alter Spruch mit den Kohlen). Ohne eine Antwort abzuwarten, ging ich weiter und Gott sei Dank verfolgte er mich nicht… Werden in der Tages- und Altenpflege alle alten Menschen so behandelt? Ich will es nicht hoffen…

Nach Netzen kam ich auf die Pilgerlaufstrecke. Ehrlich, so etwas gibt es. Ein alter Kunstrasen von einem Sportplatz wurde hier in 1,50m Bahnen geschnitten und fast zwei Kilometer am Wegesrand verlegt. Ist zwar eigentlich für die Pferde gedacht, aber ich als Pilger habe deshalb heute meine Bestzeit erzielt; mit über 5 km/h die Stunde. Im Viertelkreis der Eckfahne (Foto) habe ich einen Stein reingelegt und im großen Bogen ein direktes Tor getroffen. Es war das Weidetor.

Heute ging es durch das „bergische“ Brandenburg… über 105 Höhenmeter musste ich auf 19,54 Wanderkilometer überwinden und war trotzdem in unter vier Stunden am Ziel Brandenburg. Schöne Stadt an der Havel. Hier war ich mit meiner Frau schon mit dem Wohnmobil. Im Fotane-Club haben wir den Film Rocketman, die Lebens- Musik und Leidensgeschichte von Elton John gesehen. Anhand dieser wahren Verfilmung seiner Biographie wurde bestens das harte Showgeschäft mit Drogen, Alkohol und Homosexualität dargestellt. Diesen Film muss man gesehen haben!!!

Und dann war ich schon in der Altstadt von Brandenburg, am historischen Rathaus mit der großen Rolandskulptur. Und natürlich habe ich auf der Bank mit Loriot gesessen, dass wohl bekannteste Fotomotiv von Brandenburg. Loriot ist hier in Brandenburg an der Havel 1923 geboren. Unvergessen ist für mich der Sketch mit dem Frühstücksei: Mann Hermann beschwert sich am Frühstückstisch bei seiner Frau Berta, dass das Ei zu hart sei. Im Zwiegespräch redeten beide dann aneinander vorbei und beharrten auf ihre Meinung. Am Ende sagt Hermann: „Ich bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.“

Untergekommen bin ich direkt am Alten Rathaus im Sorat-Hotel. Hier wurde ich als Pilger schon erwartet und mit einem Cappuccino und ein Glas Wasser empfangen. Tolle Geste. Mein Zimmer liegt direkt in einer Durchfahrtsgasse mit historischen Pflastersteinen. Und das Hotel geht in die Offensive und hat extra Ohrenstöpsel hingelegt. Nur warum sind drei Ohrenstöpsel in der Packung? Je einer für das linke und das rechte Ohr, und wofür ist der dritte Stöpsel? Ja, ja, ja, das habe ich auch gedacht.

Jetzt habe ich wieder meinen freien Nachmittag und genieße den Schatten.

Von Bernhard

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender und Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von vier lieben Menschen.

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