Drehrumbum und Helmut Kohl

Mit einem Genießer- (Wort des Tages: genießen) Frühstück bin ich gut in den Tag gestartet. Es gab selbstgemachte Holunderbeermarmelade. Hmmmm lecker. Und dann sah ich die Fußmatte zur Küche, die wir auch vor 30 Jahren zu Hause hatten. Ist dieses Entenmotiv lange her. Die Firma meines verstorbenen Bruders hat diese bundesweit gefertigt; auch über Aldi vertrieben. Aldi hatte zwar 1 Million Stück abgenommen, aber dafür einen schlechten Preis gezahlt und selbst 400% verdient. Oder mehr? Ich bin in Kopfrechnen zwar ganz gut, aber bei der Prozentrechnung haperts. Ein Beispiel: ich kaufe etwas für 1 Euro ein und verkaufe es für 5 Euro, von diesen 4% lebe ich…

Die Schloßherrin begleitete mich bis zur Hofausfahrt und der Schloßherr grüßte freundlich aus dem Turmzimmer.

In Melaune bot mir eine junge Frau, die gerade vom Bäcker kam, Käsebrötchen zum Mitnehmen an. Ich wurde im Schloß gut mit Proviant versorgt und lehnte dankend ab. Weiter ging der Weg Richtung Tetta vorbei an riesigen Windrädern. Die haben jedes Windrad mit einem Namen versehen; mein Favorit “drehrumbum”. Auf dem Sportplatz (Kleinfeld) spielten Jungs Fußball. Oh ja, das habe ich auch immer gern gemacht. Aus dem Hintertor hinaus und schon war ich auf dem Platz. Unser häufigstes Spiel war Hochball… kennt das noch einer? Nach Weißenberg kam das schönste Wandergebiet direkt durch ein Naturschutzgebiet. Erst ging es über eine waghalsige Brücke (s. Foto) und mir fiel spontan das Lied von Xavier Naidoo ein: dieser Weg wird kein leichter sein… Er hatte recht: schmale Wege, Brennnesseln, ideal für meine kurze Hose.. Hürdenlauf durch umgestürzte Bäume. Es ist ja heute mein Genießertag; ich habe diesen Weg so genossen.

Richtung Wurschen habe ich eine kleine Ehrenrunde gedreht und dabei die Bank (s. Foto) gesehen, auch bei dieser “Bank” wurde gespart. Den ersten und einzigen Pilger habe ich in Waditz getroffen, er kam von Dresden und will seine Großeltern in Görlitz besuchen (5-Tagestour). Toll das junge Leute so etwas als Stressausgleich machen.

Kurz vor Jenkwitz habe ich auf einem Stein eine Familienaufstellung gesehen (s. Foto). Was das genau ist und wie das funktioniert? Fragt meine Frau www.coach-hildesheim.de . Stichwort Hildesheim: Die B6 geht nicht nur durch Hildesheim sondern auch durch Bautzen, wo ich nach 33,7 Kilometer Wanderleistung ankam. Das zerrte an meinen Kräften und deshalb habe ich von der Gedenkstätte Bauzen II nur ein Foto gemacht. Ein riesiges Areal mit unwürdigen Haftbedingungen für politisch Verfolgte.

Es ist ja Genießertag und deshalb habe ich mich im Akzenthotel einquartiert. Das habe ich mir gegönnt. Beim Abendessen erzählte mir der Hotelier, dass er 1992 vor dem Gefängnis auf Bundeskanzler Helmut Kohl und Justizminister Klaus Kinkel, die sich dort angekündigt hatten, wartete. Die schweren Limousinen fuhren vor; die Stahltore öffneten sich und die Fahrzeuge fuhren rein. Die Tore wurden wieder geschlossen und die Bautzener blieben betrübt quasi vor der Tür. Das ärgerte den Hotelier und schnurstracks kletterte er die Mauer hoch und rief zu Helmut Kohl: “das ist ja schlimmer als wie bei der Stasi”. Ein sichtlich überraschter Helmut Kohl unterbrach seine Gespräche und lief zu dem jungen Mann und bat ihn herunter. Er schüttelte ihm die Hand und entschuldigte sich für den organisatorischen Ablauf. Auch das muss Politik noch lernen…

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