Heute Morgen ging es direkt vom Wohnmobilstellplatz in Eschede wieder auf den Jakobsweg. Das Ziel: Altencelle. Dazwischen lagen knapp 30 Kilometer – und wieder jede Menge Geschichten, die kein Wanderführer vorher verrät.
Gleich in Habighorst wollte ich beim Habighorster Saftladen vorbeischauen. Den kenne ich noch aus meiner Kindheit. Ein frischer Saft hätte perfekt zum Start gepasst. Leider blieb die Tür geschlossen. Wegen einer schweren Erkrankung wurde der Betrieb aufgegeben. Das stimmte mich schon etwas nachdenklich.
Keine hundert Meter später musste ich allerdings schon wieder schmunzeln. Das Schützenhaus des Ortes sieht tatsächlich so aus, als hätte jemand beschlossen, es einfach ein paar Meter tiefer in die Erde zu setzen. Vielleicht hören die Nachbarn die Schüsse dann etwas leiser. Ganz ausschließen kann man diese Theorie jedenfalls nicht.
Links und rechts des Weges wuchsen die berühmten Heidekartoffeln. Für mich gehören sie zu den leckersten überhaupt. Dazu der Duft von frisch gesägtem Holz – manchmal braucht es gar nicht viel, um einen Wandertag perfekt beginnen zu lassen.
Etwas nachdenklicher machten mich die vielen Eichen mit einem großen „E“ auf dem Stamm. Erst dachte ich, die Förster hätten plötzlich angefangen, ihre Lieblingsbäume zu benoten. Tatsächlich warnt das E aber vor dem Eichenprozessionsspinner. Mit den giftigen Brennhaaren dieser Raupen möchte wirklich niemand Bekanntschaft machen.
Kurz vor Beedenbostel stand plötzlich ein Pferd auf der Weide – geschniegelt im Zebra-Look. Nein, ich hatte keine Halluzinationen nach den ersten Kilometern. Die gestreifte Decke soll Bremsen und andere Plagegeister verwirren. Dem Pferd schien die Tarnung jedenfalls bestens zu gefallen.
In Beedenbostel war der eigentliche Jakobsweg wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Umleitung hatte aber einen unschlagbaren Vorteil: Der Jakobsweg wurde tatsächlich kürzer. Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich mich über eine Baustelle gefreut habe.
Und dann kam Wienhausen.
Ganz ehrlich: Für mich einer der schönsten Orte auf der bisherigen Tour. Die Klosteranlage ist ein echtes Schmuckstück. Als ich dort ankam, lief gerade die Veranstaltung „Gourmet & Garden“. Überall Blumen, Aussteller und Besucher – fast schon wie ein kleines Sommerfest. Übrigens kreuzt hier auch die Via Romea den Jakobsweg. Offenbar mögen Pilger schöne Orte.
An der Aller wartete schon das nächste Highlight. Ein Storch stolzierte seelenruhig über die Wiese, als würde er dort den Verkehr regeln. Sofort musste ich an die Wanderung unseres SC Barienrode denken, die wir vor einigen Jahren genau hier unternommen haben.
Je näher ich Osterloh kam, desto größer wurden die Häuser. Genauer gesagt: die Anwesen. An den Klingeln standen natürlich keine Namen. Wahrscheinlich möchte man nicht ständig Besuch von neugierigen Pilgern bekommen. Der Gärtner war gerade mit einer Lieferung beschäftigt – das Foto musste einfach sein. Man gönnt den Besitzern ihre kleinen Häuschen schließlich.
Die letzten Kilometer bis Altencelle waren dann deutlich weniger idyllisch. Unzählige Lastwagen donnerten durch den Ort. Nach den ruhigen Waldwegen der vergangenen Tage war das fast schon ein kleiner Kulturschock.
Nach 29,6 Kilometern war der Wandertacho schließlich zufrieden.
Meiner allerdings noch nicht.
Also ging es mit dem Bus zunächst nach Celle. Ein schnelles Foto vom wunderschönen Schloss musste natürlich sein. Danach eine kleine Stärkung und mit dem Zug zurück nach Eschede.
Und weil man an guten Gewohnheiten festhalten sollte, endet auch dieser Tag wieder dort, wo sich ein verschwitzter Pilger inzwischen fast heimisch fühlt:
Im Freibad Eschede.
Ich bin inzwischen Stammgast. Wenn das so weitergeht, bekomme ich am Ende der Woche wahrscheinlich einen eigenen Spind.
Buen Camino!





































