Der letzte Wandertag meines Teilabschnitts begann ausnahmsweise nicht mit dem ersten Schritt, sondern mit einer kleinen Logistikaufgabe. Zunächst brachte ich das Wohnmobil nach Ehlershausen, anschließend ging es mit dem Zug zurück nach Celle. Dort begann die letzte Etappe meiner Wanderung auf der Via Scandinavica Richtung Hannover.


Kaum hatte ich Celle hinter mir gelassen, war sie wieder da – diese wohltuende Ruhe, die mich in den vergangenen Tagen so begeistert hat. Die Wege bestanden heute überwiegend aus Schotter- und Sandwegen. Nicht spektakulär, aber herrlich zu laufen. Genau so mag ich das.


In Großmoor musste ich dann unweigerlich schmunzeln. Dort gibt es tatsächlich eine Straße mit dem Namen „Kurfürstendamm“. Für einen kleinen Ort mitten in der Heide wirkt das schon fast ein wenig großstädtisch. Irgendwie rechnet man dort eher mit einer Dorfstraße als mit einem Hauch von Berlin.


Kurz darauf führte der Jakobsweg am Segelflugplatz und wenig später am Burgdorfer Golfclub vorbei. Danach übernahmen wieder Sandwege, Wälder und Felder das Kommando. Kilometerlang geradeaus – ideal, um die Gedanken einfach einmal laufen zu lassen.


Unterwegs begegnete ich einem Pfifferlingssammler, dessen Korb bereits ordentlich gefüllt war. Während ich also Kilometer sammelte, sammelte er Pilze. Ehrlich gesagt war ich kurz versucht zu tauschen – Pfifferlinge schmecken schließlich hervorragend und wiegen deutlich weniger als 35 Kilometer in den Beinen.


Je näher ich der Region Celle/Burgdorf kam, desto deutlicher zeigte sich, warum diese Gegend als echtes Pferdeland gilt. Weiden, Reiterhöfe und sogar eine eigene Reitbahn direkt neben dem Jakobsweg begleiteten mich über viele Kilometer. Genau solche ländlichen Abschnitte genieße ich besonders. Keine Hektik, kein Gedränge – einfach laufen.


Doch irgendwann war Schluss mit der Idylle.
Mit jedem Kilometer Richtung Altwarmbüchen wurde es lauter. Erst rauschte die A7, dann kamen die Flugzeuge im Landeanflug auf Hannover hinzu. Wenig später mischten sich auch noch die Geräusche der A2 und A37 darunter. Nach einer Woche voller Wälder, Vogelgezwitscher und kleiner Dörfer fühlte sich das an, als hätte jemand den Lautstärkeregler plötzlich bis zum Anschlag aufgedreht.
Und als hätten meine Ohren beschlossen, ebenfalls Feierabend zu machen, gingen sie – vermutlich immer noch als Nachwirkung meiner Erkältung – wieder zu.


Irgendwann sagte ich mir: Vernünftig sein ist manchmal die bessere Entscheidung.
Also stieg ich in Altwarmbüchen für rund fünf Kilometer in die Straßenbahn. Nicht, weil ich die Strecke nicht hätte laufen können, sondern weil ich auf den Dauerlärm zwischen Autobahnen und Flugverkehr gut verzichten konnte. Pilgern heißt für mich schließlich nicht, stur jeden Meter um jeden Preis zu Fuß zurückzulegen.


Ab Groß-Buchholz schnürte ich die Barfußschuhe wieder fest und setzte meinen Weg Richtung Zoo fort. Es war zwar immer noch Stadt, aber längst nicht mehr so laut. Die letzten Kilometer bis zum Hauptbahnhof Hannover konnte ich dann wieder richtig genießen.


Als ich schließlich den Wandertacho stoppte, zeigte er 35,8 Kilometer an. Damit war es tatsächlich die längste Etappe dieser gesamten Woche. Ein schöner Abschluss für einen Weg, der mich immer wieder überrascht, nachdenklich gemacht und oft auch zum Schmunzeln gebracht hat.


Mit dem Zug ging es anschließend zurück nach Ehlershausen, wo mein Wohnmobil bereits auf mich wartete. Jetzt hieß es nur noch: zusammenpacken und heimfahren. Meine Frau erwartet mich eigentlich erst morgen. Ich freue mich schon auf ihr überrasches Gesicht. Denn nach einer Woche auf der Via Scandinavica sind es heute die schönsten Kilometer des Tages – die letzten nach Hause.


Damit endet mein Teilabschnitt auf der Via Scandinavica von Lüneburg bis Hannover. Morgen gibt es auf www.wanderbruder.de noch mein persönliches Fazit dieser Pilgerwoche. Was hat mich besonders beeindruckt? Welche Orte bleiben in Erinnerung? Und würde ich diesen Abschnitt des Jakobswegs weiterempfehlen?

Buen Camino! 🥾

Von Bernhard Kruppki

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von sechs lieben Menschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert