Wald satt, Halloween-Grusel, eine Sparkassenkette im Strauch und am Ende ein goldener Schrein. Dazu 474 Höhenmeter und eine Einladung, auf die ich mich besonders freue.
Heute Morgen konnte ich direkt am Wohnmobilstellplatz in Rosenthal starten. Kein Bus, kein Zug, keine komplizierte Logistik. Rucksack auf, Schuhe an und los! Mein Plan: mehr als 20 Kilometer durch den Wald, möglichst wenig Straßen und jede Menge Natur. Für einen Wanderbruder klingt das ziemlich perfekt.
Rosenthal: Halloween lässt grüßen!
Schon in Rosenthal waren die ersten Häuser für Halloween geschmückt. Gruselig, aber irgendwie auch schön. Zwischen Kürbissen und Gespenstern kam ich mir fast vor, als wäre ich auf einer kleinen Geistertour unterwegs.
Dann ging es hinein in die Wälder und durch mehrere Naturschutzgebiete. Der Herbst zeigte sich von seiner prächtigen Seite: buntes Laub, herrliche Farben und kaum Verkehrslärm. So hatte ich mir meine heutige Etappe vorgestellt.
Rotes Wasser: Natur statt Großstadtlärm
Ein besonders interessanter Abschnitt führte mich durch das Naturschutzgebiet Franzosenwiesen/Rotes Wasser. Hier liegen wertvolle Moor- und Feuchtgebiete, die seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Moore speichern zudem große Mengen Kohlenstoff und sind deshalb auch fürs Klima wichtig.
Für mich hieß es: Natur genießen und möglichst wenig stören. Nicht jeder schöne Fleck braucht eine Sitzgruppe. Manchmal reicht es, einfach hindurchzuwandern.
Die Herrenbrücke und das Herz des Sparkässlers
Unterwegs kam ich über die legendäre Herrenbrücke. Warum sie diesen Namen trägt, konnte ich nicht abschließend klären. Aber der Name klingt schon einmal vielversprechend.
Und dann entdeckte ich etwas, das mein Herz höherschlagen ließ: eine Sparkassenkette im Strauch!
Andere entdecken seltene Blumen oder Rehe. Der Wanderbruder entdeckt seine Verbindung zur Sparkasse. Da schlägt das Herz des ehemaligen Sparkässlers gleich ein paar Takte schneller.
Ob die Kette dort absichtlich hing oder jemand sie verloren hatte, konnte ich nicht erkennen. Also blieb sie an ihrem Platz.
Kinderspielzeug im Wald – eine richtig gute Idee!
Immer wieder entdeckte ich Kinderspielzeug, das im Wald ausgestellt war. Eine tolle Idee! Wer mit Kindern wandert, kennt schließlich die Frage: „Wie weit ist es noch?“
Solche Überraschungen am Wegesrand machen die Strecke spannender. Plötzlich gibt es etwas zu entdecken, und die Kilometer vergehen fast nebenbei. Von mir gibt es dafür einen Daumen hoch. Mehr davon!
Bannwald, Gerlachsberg und Stirnhelle
Ein weiterer Abschnitt führte mich durch Bannwald. In Hessen steht dieser Wald unter besonders strengem Schutz; Rodungen sind nur unter engen Voraussetzungen möglich.
Allerdings waren immer wieder Motorsägen zu hören, und an einigen Stellen lagen zahlreiche gefällte Bäume. Da fragt man sich unweigerlich, wie dieser Wald in einigen Jahren aussehen wird.
Über den Gerlachsberg ging es weiter zur Stirnhelle. Dort legte ich eine Pause ein und genoss den schönen Aussichtspunkt. Nach vielen Kilometern zwischen Bäumen war es genau der richtige Moment, stehen zu bleiben und den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen.
Lange hielt ich mich allerdings nicht auf. Der Jakobsweg hat bekanntlich wenig Verständnis dafür, wenn man sich zu lange ausruht.
Göttingen in Hessen – nicht immer ist der Name Programm!
Nach vielen Waldkilometern erreichte ich Göttingen in Hessen. Wer jetzt an die bekannte Universitätsstadt in Niedersachsen denkt, liegt falsch. Hier begegnet einem derselbe Ortsname in einer ganz anderen Gegend.
Anschließend ging es durch Wehrda, einen Stadtteil von Marburg, weiter in Richtung meines heutigen Ziels.
Marburg – Hauptstadt des Fairen Handels
Marburg trägt den Titel „Hauptstadt des Fairen Handels“ und wurde 2009 dafür ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit das Engagement für fairen Handel und nachhaltige Entwicklung, etwa durch Projekte und Bildungsarbeit.
Mein Weg führte mich schließlich zur Elisabethkirche – einem der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt.
Die Elisabethkirche: Ein goldener Schrein für eine Heilige
Die Elisabethkirche wurde im 13. Jahrhundert über dem Grab der Heiligen Elisabeth errichtet und zählt zu den ältesten gotischen Hallenkirchen Deutschlands.
Elisabeth von Thüringen lebte von 1207 bis 1231 und wurde für ihre Hilfe für arme und kranke Menschen bekannt. Nach ihrem Tod entwickelte sich Marburg zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.
Als Pilger ist der Eintritt in die Kirche frei. Natürlich machte ich einen kleinen Rundgang, auch wenn wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten nicht alle Bereiche zugänglich waren.
Besonders beeindruckend ist der goldene Elisabethschrein. Er wurde um 1240 angefertigt, um die Gebeine der Heiligen aufzunehmen. Das wertvolle Kunstwerk ist reich verziert und erinnert in seiner Form an eine Kirche. Ein Stück mittelalterlicher Geschichte, das mich nach den vielen Waldkilometern noch einmal innehalten ließ.
28,59 Kilometer – und ein Abend, auf den ich mich freue
Am Ende zeigte meine Aufzeichnung 28,59 Kilometer und 474 Höhenmeter. Eine ordentliche Tagesleistung! Doch Feierabend war noch nicht. Mit Zug und Bus fuhr ich zurück nach Rosenthal, holte das Wohnmobil und machte mich wieder auf den Weg nach Marburg.
Dort wartet eine besondere Einladung: Heimar Müller von der Jakobusgesellschaft hat mir angeboten, mein Wohnmobil bei sich abzustellen. Gemeinsam mit anderen Pilgerfreunden hat er die Strecke von Marburg bis Frankfurt ausgeschildert. Persönlich kennen wir uns bisher nicht – umso mehr freue ich mich darauf, ihn endlich zu treffen.
Ich bin gespannt auf seine Geschichten rund um den Jakobsweg, auf gute Gespräche und darauf, den Menschen hinter der freundlichen Nachricht kennenzulernen. Dass mir jemand, den ich noch nie getroffen habe, so herzlich seine Unterstützung anbietet, ist alles andere als selbstverständlich. Das weiß ich wirklich zu schätzen.



































