Der heutige Tag begann ausgesprochen angenehm. Christi Himmelfahrt, Feiertag, wenig Verkehr – und vor allem eine richtig gute Nacht im Wohnmobil. Ich hatte in Bad Schwartau auf einem Parkplatz am Bürgerpark direkt bei den Tennisplätzen gestanden. Ruhig, entspannt und erstaunlich komfortabel. Zum ersten Mal auf dieser Tour wachte ich morgens auf, ohne sofort zu überlegen, welche Körperteile heute zuerst protestieren würden.Von Bad Schwartau ging es zunächst Richtung Lübeck. Gut, dass Feiertag war, denn unter normalen Bedingungen wäre die Strecke entlang der Landstraße ungefähr so erholsam wie ein Presslufthammer im Yoga-Kurs.
In Lübeck war ich inzwischen schon zum dritten Mal auf meinen Wanderungen entlang deutscher Jakobswege, und trotzdem beeindruckt mich die Stadt immer wieder. Das Holstentor wirkt jedes Mal so, als würde es seit Jahrhunderten ruhig beobachten, wie Menschen kommen, staunen und weiterziehen.Diesmal ging es allerdings schnell weiter Richtung Groß Grönau, bewusst als kleine Abweichung vom offiziellen Jakobsweg.
Unterwegs sorgte plötzlich eine Katze für Hochspannung. Sie wollte die Landstraße überqueren, blieb stehen, schaute links und rechts und lief dann tatsächlich sicher auf die andere Seite. Ich konnte ehrlich gesagt erst wieder entspannt hinschauen, als sie drüben angekommen war.
Kurz vor Rothenhusen wurde es dann sehr vatertägig. Direkt an der Straße stand ein Schild mit der Aufschrift „Hupen = Trinken“, daneben saßen feiernde junge Herren, die bestimmt noch nicht Väter sind, auf einem landwirtschaftlichen Anhänger und nahmen ihre Aufgabe mit beeindruckender Ernsthaftigkeit wahr.Ich wurde tatsächlich auf ein Freibier eingeladen und wollte natürlich nicht unhöflich sein. Am Fährhaus gab es dann sogar einen Pitcher mit 1,7 Litern Bier. Ganz ehrlich: Das war mir dann doch zu klein. Ich habe großzügig verzichtet und mich lieber pilgergerecht zurückgehalten.
Am Fähranleger kam mir dann spontan eine ziemlich gute Idee: Warum den Vatertag nicht auf dem Wasser verbringen? Also nahm ich kurzerhand das Fahrgastschiff nach Ratzeburg. 23,9 Kilometer hatte ich bis dahin bereits hinter mir, und plötzlich saß ich entspannt auf dem Ratzeburger See. Die rund neun Kilometer lange Schiffsfahrt kostete gerade einmal 16 Euro – bei den aktuellen Dieselpreisen vermutlich günstiger als eine falsch Parken mit dem Wohnmobil.
Historisch passte die Strecke perfekt, denn hier verlief einst die berühmte Salzstraße zwischen Lüneburg und Lübeck. Früher wurde hier das „weiße Gold“ transportiert, heute laufen Pilger durch die Gegend.
Irgendwann fiel mir auf, dass ich vor ungefähr 50 Jahren bereits einmal ein Schiffspatent gemacht hatte – damals auf einem Kutter zwischen Amrum und der Hallig Hooge. Heute habe ich dieses Patent erneuert, allerdings als Senioren-Schiffspatent light auf dem Ratzeburger See.
Statt Nordseesturm gab es diesmal Fahrgastschiff, Pilgerrucksack und ziemlich kalten Wind. Während die Sonne freundlich aussah, pfiff es auf dem Deck sehr unangenehm. Am Ende ging es mit dem Zug wieder zurück nach Bad Schwartau, wo ich noch eine Nacht bleibe. Morgen starte ich dann direkt in Ratzeburg weiter.Und ehrlich gesagt fühlt sich ein Pilgertag mit Holstentor, Freibierangebot, Schiffsfahrt und Seniorenpatent an Christi Himmelfahrt ziemlich passend an.



















