Heute Morgen ging es auf zur letzten Etappe meiner Wanderung Richtung Lüneburg. Der Weg führte zunächst über Brietlingen, und eigentlich wollte ich den letzten Abschnitt noch einmal bewusst genießen.
Eigentlich.
Denn unterwegs tauchte plötzlich das Schild zum Schiffshebewerk Scharnebeck auf. Sofort kamen Erinnerungen hoch. Irgendwann in meiner Kindheit war ich dort schon einmal. Damals fand ich es unfassbar beeindruckend, dass riesige Schiffe wie in einem gigantischen Fahrstuhl mehrere Stockwerke nach oben transportiert werden.
Das Hebewerk gehört zu den größten seiner Art in Europa und verbindet den Elbe-Seitenkanal mit der tiefer liegenden Elbe. Zwei gewaltige Tröge heben dort ganze Schiffe um fast 40 Meter an. Früher dachte ich als Kind wahrscheinlich einfach:
„Cool. Riesending bewegt Wasser.“
Heute wollte ich spontan noch einmal dorthin.
Bis ich in Adendorf ankam.
Dort wurde mir schlagartig klar:
Diese Idee war kompletter Unsinn.
Seit inzwischen 14 Tagen schleppe ich eine Erkältung mit mir herum. Wobei „Erkältung“ ehrlich gesagt die verniedlichende medizinische Beschreibung ist. Wir sprechen hier natürlich von Männergrippe.
Mit Schnupfen. Dauerndem Naseputzen. Vermutlich mindestens 20 Packungen Taschentüchern in dieser Woche. Ich habe unterwegs inzwischen so viele Taschentücher verbraucht, dass ich vermutlich problemlos einen kleinen Zellstoffhandel eröffnen könnte.
In Adendorf merkte ich plötzlich, wie leer der Akku wirklich war.
Ganz ehrlich:
Ich wollte einfach nur noch nach Hause.
Keine zusätzlichen fünf bis acht Kilometer mehr zum Hebewerk. Keine Besichtigung. Kein Fotografieren. Nur noch ankommen.
Also drehte ich ab und lief direkt Richtung Lüneburg weiter. Gefühlt schaute ich unterwegs weder nach rechts noch nach links. Aber wo ist endlich die Altstadt?“
Und dann war ich plötzlich da.
Nach 18,98 Kilometern erreichte ich die Altstadt von Lüneburg.
Und sofort war die Müdigkeit zumindest kurz vergessen.
Was für eine wunderschöne Stadt.
Diese alten Backsteinhäuser, die schmalen Gassen, die historischen Fassaden und überall diese besondere Atmosphäre einer alten Salzstadt. Jahrhunderte lang wurde hier das berühmte „weiße Gold“ gehandelt, das Lüneburg reich machte. Genau deshalb wirkt die Stadt heute noch so prächtig und besonders.
Ich war tatsächlich vorher noch nie hier.
Und plötzlich wurde meine Stimmung wieder besser.
Manchmal braucht es genau so einen Ort am Ende einer langen Strecke.
Zuhause wurde ich von meiner Frau lieb empfangen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf Ruhe. Und vermutlich auf mehrere Tage ohne Wanderschuhe.
Aber eines ist schon klar:
Nach Lüneburg komme ich zurück.
Dann allerdings gemeinsam mit meiner Frau und deutlich entspannter. Und dann holen wir auch die Besichtigung des Schiffshebewerks nach – hoffentlich ohne Männergrippe und mit deutlich weniger Taschentuchverbrauch.
Mein großes Fazit dieser gesamten Wanderung von Fehmarn bis Lüneburg folgt dann im letzten Bericht.
Jetzt muss ich erstmal meine Nasendusche in Gang setzen…









