Gießen, Waldwege, eine urgemütliche Altstadt und ein Schweinefilet mit Tresor-Geschichte: Auch heute hatte der Jakobsweg wieder einiges zu bieten.

Pünktlich um 7.55 Uhr ging es ab Lollar los Richtung Gießen, der berühmten Mathematikstadt. Hier wird gerechnet, geforscht und gelehrt. Ob man dort wohl auch ausrechnen kann, wie viele Schritte ein Pilger noch bis zur nächsten Mahlzeit braucht? Eine Formel dafür hätte ich heute gern gehabt!

Die Innenstadt war am frühen Morgen noch angenehm leer und trotzdem einladend. Vorbei am Strahlenzentrum ging es weiter nach Oberhof.

Ab hier hieß es: Wegweiser hin oder her – der Wanderbruder nimmt den Wald!

Bis Leihgestern wich ich lieber von der offiziellen Strecke ab und marschierte durch den Wald. Bei dem Ortsnamen fragt man sich doch: Kann man sich hier vielleicht ein Gestern ausleihen? Das wäre manchmal ganz praktisch – besonders, wenn man einen besonders schönen Wandertag einfach noch einmal erleben möchte.

Über Neuhof und Langgöns ging es weiter. Die Autobahn A485 war schon von Weitem zu hören, und auch in Langgöns blieb es laut. Richtung Kirch-Göns zog es mich deshalb erneut in den Wald. Von Kilometer zu Kilometer wurde es ruhiger, und Richtung Butzbach konnte ich endlich wieder die Natur genießen.

Am Stadteingang beeindruckte das große Werkstatt der Hessenbahn. Weniger idyllisch war die B3, die sich mit ihrem Verkehr durch Butzbach zieht. Doch dann wartete eine echte Überraschung.

Butzbach: klein, schick und urgemütlich

Was für eine hübsche Innenstadt! Butzbach hat sich seine Altstadt wunderbar erhalten. Schöne Häuser, ein gemütlicher Marktplatz und eine Atmosphäre, bei der man gern ein wenig länger bleibt.

Ich kehrte im Blauen Haus am Marktplatz ein. Auf den Tisch kam Schweinefilet mit Rosmarinkartoffeln – super lecker und genau die richtige Belohnung nach 31,09 Kilometern auf den Beinen!

Doch dann entdeckte ich im Restaurant eine richtige Tresortür. Verdienen die hier so gut, dass abends gleich das ganze Lokal eingeschlossen werden muss?

Ich fragte nach und bekam die Erklärung: Früher war hier die Volksbank untergebracht. Daher also der Tresor! Heute kann man in Butzbach gewissermaßen bei einer Bank speisen. Und wenn das Schweinefilet dann auch noch so gut schmeckt, ist der Wandertag perfekt.

Mein Fazit: Das Blaue Haus ist eine klare Empfehlung – leckeres Essen, ein besonderer Ort und eine Geschichte, die man nicht an jeder Speisekarte findet.

Ruhiger Abend – und morgen kommt Tritta!

Für die Nacht habe ich mein Wohnmobil oberhalb von Butzbach am Freibad abgestellt. Absolut ruhig, genau richtig nach diesem Wandertag.

Und bevor jemand fragt: Nein, es gibt keinen Sprung ins Wasser! So weit geht meine sportliche Motivation Ende Oktober dann doch nicht.

Morgen wartet dafür eine schöne Begegnung: Tritta, die mich schon seit Jahren über das Pilgerforum aktiv begleitet, wird ein Stück mitwandern. Sie kommt sogar von Bad Nauheim bis Karben mit.

Ich starte in Butzbach, und gegen 10 Uhr treffen wir uns unterwegs. Ich freue mich darauf, gemeinsam zu laufen und zu plaudern.

Und natürlich gibt es noch eine besondere Geschichte: Tritta freut sich seit Jahren über meine grüne Brotdose. Man könnte fast meinen, die Dose sei inzwischen berühmter als ihr Besitzer. Während andere Pilger Muscheln und Stempel sammeln, sorgt bei Tritta offenbar ein ganz gewöhnlicher Behälter für Begeisterung.

Selbstverständlich habe ich sie wieder dabei. Was wäre der Wanderbruder schließlich ohne seine treue grüne Begleiterin?

Nach 31,09 Kilometern, Waldwegen, einer wunderschönen Altstadt und einem Essen mit Tresortür freue ich mich jetzt auf eine ruhige Nacht.

Morgen geht es weiter – mit Tritta, der grünen Brotdose und hoffentlich vielen schönen gemeinsamen Kilometern.

Buen Camino!

Euer Wanderbruder

P.S. Weitere Bilder folgen morgen, da hier Bilder aufgrund des Empfangs sehr schleppend hochgeladen werden können.

Von Bernhard Kruppki

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von sechs lieben Menschen.

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