Mit dem Wohnmobil auf dem Jakobsweg – anders pilgern, aber deshalb nicht weniger intensiv

Meine Wanderung auf der Via Scandinavia von Fehmarn bis Lüneburg war sicherlich keine „klassische“ Pilgerreise mit Herbergen, schweren Rucksäcken und täglicher Bettsuche.

Ich war mit dem Wohnmobil unterwegs.

Und genau das war für mich die richtige Entscheidung.

Dadurch konnte ich die Tagesetappen flexibel planen, musste keinen kompletten Hausstand auf dem Rücken tragen und konnte auch spontan auf Wetter, Erkältung oder Streckenänderungen reagieren. Gerade bei Dauerregen, Gegenwind und meiner hartnäckigen Männergrippe wäre die Tour mit vollem Gepäck vermutlich deutlich unromantischer geworden.

Trotzdem waren die 209,78 Kilometer alles andere als ein Spaziergang.

Die Via Scandinavia zeigt sich auf diesem Abschnitt sehr abwechslungsreich. Auf Fehmarn und entlang der Ostsee gibt es wunderschöne Küstenabschnitte mit weitem Blick aufs Meer, viel Natur und herrlichen Wegen durch Rapsfelder, Dünenlandschaften und Orte wie Grömitz oder Pelzerhaken.

Allerdings gehören auch viele Landstraßenabschnitte dazu. Gerade zwischen Neustadt, Bad Schwartau und später Richtung Lauenburg lief man teilweise längere Zeit direkt an Straßen entlang. Das ist wanderbar, aber nicht immer wirklich schön. Wer Ruhe sucht, sollte sich ruhig auch einmal alternative Wege anschauen. Meine spontane Küstenvariante oder die Strecke direkt am Elbe-Lübeck-Kanal haben mir deutlich besser gefallen.

Besonders beeindruckt haben mich die historischen Bezüge entlang der Strecke: die alte Salzstraße, die Altstadt von Lauenburg/Elbe oder natürlich das wunderschöne Lüneburg am Ende der Tour.

Auch logistisch war die Strecke überraschend unkompliziert. Busse und Bahnen funktionierten meist zuverlässig, selbst wenn Deutschland gelegentlich für 750 Meter Brückensperrung einen Linienbus organisiert. Einkaufsmöglichkeiten gab es regelmäßig in größeren Orten. Wer allerdings sonntags unterwegs ist oder spät ankommt, sollte planen – sonst endet die Hoffnung auf Fischbrötchen schnell vor verschlossener Tür.

Wohnmobilstellplätze waren entlang der Strecke gut zu finden. Gerade die Kombination aus Wandern, ÖPNV und flexiblem Standortwechsel funktionierte für mich hervorragend. Der größte Gegner war am Ende ohnehin nicht die Strecke, sondern eher das Wetter, Gegenwind und mein Taschentuchverbrauch.

Im Durchschnitt bin ich rund 26 Kilometer pro Wandertag gelaufen. Und ehrlich gesagt bin ich selbst überrascht, wie stabil das mit 63 Jahren noch funktioniert hat.

Was bleibt?

Viele schöne Wege.
Norddeutscher Humor.
Regen von der Seite.
Wackelnde Brücken.


Und die Erkenntnis, dass Pilgern nicht immer nach einem festen Muster funktionieren muss.

Von Bernhard Kruppki

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von neu: fünf lieben Menschen.

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