Heute konnten wir uns tatsächlich etwas mehr Schlaf gönnen. Die Etappe war kürzer, was Thomas als Frühaufsteher natürlich nicht davon abhielt, bereits um 7.30 Uhr beim Frühstück zu sitzen. Ich kam – wie es sich gehört – entspannt gegen 8.00 Uhr hinterher.
Klosterfrühstück vom Feinsten, alles frisch, alles reichlich, sogar die Wegzehrung lag schon bereit. Dazu noch ein nettes Plaudern mit den Teilnehmenden des Malkurses, die mit ihren Farben, Pinseln und Geschichten eine fast familiäre Stimmung verbreiteten. Dann ging es los Richtung Berlichingen.
Gleich zu Beginn wartete ein kurzer, knackiger Aufstieg, und oben im Ort empfing uns der Straßenverkehr – Lastwagen über Lastwagen, die an uns vorbeidonnerten. Sollte das wirklich der Jakobsweg sein? Zum Glück tauchte in diesem Moment Manfred auf, ein Einheimischer in unserem Alter, der uns rettete. Er empfahl uns eine Strecke über die Brücke und dann am Radweg entlang. Ein Mann, der selbst schon den Camino Francés in 28 Tagen gepilgert ist – sportlich, bodenständig, hilfsbereit. Das Pilgern hat bei ihm offenbar Wirkung gezeigt. Der offizielle Weg sei „ein Drecksweg“, meinte er. Diese Sprache verstehen wir.
Und dann lag sie vor uns: Burg Jagsthausen, die Heimat von Götz von Berlichingen. Imposant, majestätisch, und mit einem Spruch, der es bis heute in den täglichen Sprachgebrauch geschafft hat. Goethe lässt ihn sagen: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsch lecken.“ Ich kannte bisher nur die Version „am Arsch lecken. Thomas klärte den feinen, aber wohl wichtigen Unterschied auf: „im oder am“. Wieder etwas gelernt. Sympathisch, dieser Götz.
Unterhalb der Burg befindet sich der Familienfriedhof – Götz selbst hat seine Ruhestätte im Kloster Schöntal. Ein Rollstuhlfahrer hielt uns an und erzählte, dass hier ebenfalls Roman Herzog begraben liegt, unser ehemaliger Bundespräsident. Seine berühmte „Ruck-Rede“ von 1997 klingelt heute noch in vielen Ohren. 2001 heiratete Herzog nach seiner Amtszeit eine von Berlichingen – deshalb seine letzte Ruhe hier. Wieder so eine Begegnung, die man nur auf dem Jakobsweg erlebt: historische Persönlichkeiten, verwoben in einem kleinen Dorf.
In Olnhausen nahmen wir den Talweg und entdeckten einen „Mann über Bord“ – das Foto beweist es. Danach ging es weiter Richtung Widdern, und gleich am Ortseingang lag ein Sportgelände mit einer Laufbahn. Thomas konnte nicht anders und stoppte die Zeit: Ich absolvierte die 100 Meter in 33 Sekunden. Weltrekord? Nein. Aber im Pilgermodus fühlte es sich zumindest rekordverdächtig an.
Dann folgte ein Abschnitt unterhalb der A81, und Leute: Diese Autobahn liegt über Wohnhäusern. Man läuft im Tal, schaut nach oben – und sieht Beton, Autos, LKWs. Mir schoss sofort Otto Waalkes in den Kopf: „Nnneeein, nnneeein!“ Passte irgendwie.
Nach 21,1 Kilometern und 308 Höhenmetern erreichten wir schließlich Möckmühl. Die Übernachtung im Württemberger Hof: Küche top, Zimmer… sagen wir mal: Es gibt Luft nach oben. Aber das gehört dazu – nicht jeder Tag endet im Kloster.



























euch beiden noch eine gute Zeit auf dem Pilgerweg. Hab mich heute richtig gefreut, das ich mit euch einige Worte wechseln durfte