Manchmal beginnt ein Wandertag nicht mit dem ersten Schritt, sondern mit dem Busfahrplan. Also: morgens in Walddrehna in den Bus, rüber nach Luckau. Der Plan: zurücklaufen. Ganz einfach. Auf dem Papier zumindest.
Start: Luckau – Altstadt mit Ansage
Luckau begrüßte mich mit einer wirklich sehenswerten Altstadt. Backstein, kleine Gassen, alles geschniegelt – fast so, als hätte die Stadt geahnt, dass gleich ein Wanderbruder vorbeikommt.
Kaum aus der Stadt raus, begegnet mir ein sportliches Paar beim Nordic Walking. Sie geschniegelt, er geschniegelt, beide mit Stöcken bewaffnet.
Als sie an mir vorbeiziehen, ruft er mir zu:
„Sport frei!“
Ich war kurz irritiert.
Ich wusste gar nicht, dass wir hier auf dem Weg plötzlich in einer DDR-Schulsportveranstaltung gelandet sind.
Ich hätte fast zurückgerufen:
„Danke Genosse! Ich melde mich nach der Erwärmung beim Zirkeltraining!“
Aber gut. Jeder motiviert sich eben anders.
Der heutige Routenverlauf:
Luckau
Wittmannsdorf
Waltersdorf
Gehren
Walddrehna, ab hier mit dem Wohnmobil nach Proßmarke
Schwarzenburg
Proßmarke, ab hier wieder zu Fuß
Naundorf
Wehrhain
Schlieben
Gesamt: über 26 Kilometer auf zwei Etappen.
Waltersdorf – Pipelinepolitik am Wegesrand
In Waltersdorf passiert etwas, das man beim Pilgern nicht jeden Tag sieht:
Links und rechts am Ort verläuft die OPAL-Erdgasleitung.
OPAL Pipeline
Sie führt Gas Richtung Tschechien.
Zumindest tat sie das einmal.
Denn heute ist die Lage eher… nennen wir es energetisch kompliziert.
Nord Stream 1 und 2 – Geschichte. Explosionen, zerstörte Infrastruktur – und wer dahinter steckt, ist für viele längst kein Rätsel mehr.
Meine bescheidene Idee zur Weiternutzung der Pipeline:
Überall Windräder entlang der Trasse aufstellen und die Röhren einfach als Kabelkanal nutzen.
Manchmal sind die Lösungen einfacher als die Probleme.
Gehren – Schloss, Waldbühne und wenig Muscheln
Hinter Gehren habe ich einen kleinen Abstecher gemacht:
Schloss Sinntrotz, die Waldbühne Gehren war mir dann doch zu weit.
Was allerdings auffällt:
Die Muschelschilder des Jakobswegs sind hier eher seltene Tiere. Man begegnet ihnen gelegentlich, aber sie sind nicht gerade in Herden unterwegs.
Zurück in Walddrehna – Technik schlägt Pilger
Nach 15,1 Kilometern war ich wieder in Walddrehna angekommen.
Verdiente Pause.
Kleines Problem:
Ich hatte die Adidas-App nach der letzten Pause nicht wieder gestartet.
Der Wanderer läuft, die Technik schläft.
Egal. Mit dem Wohnmobil die nächsten 10 Kilometer entlang des Jakobswegs gefahren – eine Premiere.
Ja, ich gebe es zu. Der Wanderbruder ist heute ein Stück Jakobsweg gefahren.
Aber der Grund ist simpel:
Hier wechselt der Landkreis – und plötzlich funktioniert der öffentliche Nahverkehr ungefähr so effizient wie eine Brieftaube mit Jetlag.
Zwei Stunden Fahrzeit, um zum Start zurückzukommen.
Da hört selbst die Pilgerromantik auf.
Die Fahrt mit dem Wohnmobil war übrigens strategisch geplant.
Ich bin schließlich Beamter. Planung gehört zum Berufsbild.
Neuer Start: Proßmarke
Zwischen Proßmarke und Schlieben – Brandenburgs stille Ecke
Der Weg Richtung Schlieben zeigte Brandenburg von seiner melancholischen Seite.
Viele Häuser:
zerfallen
verlassen
still
Man fragt sich unweigerlich:
Leben hier eigentlich noch Menschen?
Auf dem Weg begegnete mir außerdem eine perfekte Verkehrsschild-Kreation.
Eine jener Konstruktionen, bei denen man denkt:
„Das kann sich wirklich nur eine deutsche Behörde ausgedacht haben.“
Wein in Brandenburg – oder doch Sachsen?
Kurz vor Schlieben kam der Lange Berg.
Und dort – tatsächlich:
Weinanbau.
Noch in Brandenburg.
Aber weil Brandenburg kein eigenes Weinbaugebiet hat, wird der Wein offiziell von Sachsen verwaltet.
Logisch, oder?
Deutschland eben.
Ziel: Schlieben
Nach weiteren 11,4 Kilometern war ich schließlich in Schlieben angekommen.
Zurück ging es mit dem Bus nach Proßmarke.
Und dort stellte ich fest:
Die Schüler sitzen immer noch in den hinteren Reihen des Busses.
Genau wie früher.
Manche Dinge ändern sich eben nie.






























