Jakobsweg von Pattburg nach Lübeck vom 1.-8. März 2024

Via Jutlandica | Tagebuch & Fazit

Zu dieser Wanderung gibt es eine reich bebilderte PDF-Version (am Ende), die den Weg mit Fotos dokumentiert.


Vorberichte

„Jeder Schritt ist eine Reise, jeder Atemzug ein Abenteuer. Auf dem Jakobsweg Via Jutlandica wird die Natur zu meinem persönlichen Erlebnis.“


Liebe Wanderfreunde,

nachdem fast 1.000 begeisterte Wanderfreunde meine letzten Erlebnisse, und das ist gerade eine Woche her, auf Madeira mit Wanderwoman verfolgt haben, freue ich mich, euch nun zu meiner nächsten Wanderung durch Schleswig-Holstein einzuladen.

Am Freitag, dem 1. März, starte ich meine nächste Abenteuerreise – eine 9-tägige Wanderung entlang des Jakobswegs Via Jutlandica in Schleswig-Holstein. Der Ausgangspunkt meiner Reise ist der Ostbahnhof Hildesheim, von wo aus ich mich auf den Weg nach Pattburg an der dänischen Grenze begebe. Von dort aus führt mich meine Route durch malerische Orte und Städte wie Schleswig, Eckernförde, Kiel, Preetz bis hin nach Lübeck.

Die Route
Die nächsten neun Tage versprechen eine faszinierende Reise durch die vielfältige Landschaft Schleswig-Holsteins, die mir nicht nur körperliche Herausforderungen, sondern auch unvergessliche Eindrücke bescheren wird.

Besondere Momente
Besonders freue ich mich darauf, meinen Geburtstag während dieser Wanderung zu feiern. Es wird sicherlich ein unvergessliches Erlebnis, die Schönheit der Natur und die Ruhe des Jakobswegs an meinem persönlichen Festtag zu genießen.

Diese Wanderung folgt direkt auf mein letztes Abenteuer auf Madeira, wo ich mit Wanderwoman unterwegs war. Nun steht mir das zweite Highlight bevor, und ich kann es kaum erwarten, die Pfade der Via Jutlandica zu erkunden.

Vorbereitungen
Alle Hotels sind bereits gebucht, und meine Wanderkleidung wartet darauf, in den Rucksack gepackt zu werden. Die Vorfreude steigt mit jedem Tag, und ich bin gespannt auf die Begegnungen, die mich auf meinem Weg erwarten werden.

Begleitet mich auf meiner Reise
Ich lade euch herzlich ein, mich auf meiner Reise virtuell zu begleiten. Ich werde hier regelmäßig von meinen Erlebnissen, Begegnungen und Herausforderungen berichten. Zusammen werden wir den Jakobsweg Via Jutlandica erkunden und hoffentlich viele inspirierende Momente teilen.

Bis bald auf den Wanderwegen!

Los gehts! Start am 1. März 2024 auf dem
Jakobsweg von Pattburg nach Lübeck.


Aufbruch zu einer faszinierenden Pilgerreise! Am 1. März 2024 starte ich meine Wanderung auf dem Jakobsweg, genauer gesagt auf der Via Jutlandica. Der Ausgangspunkt meiner Reise befindet sich an der dänischen Grenze in Pattburg, und das Ziel ist die historische Hansestadt Lübeck. Die Via Jutlandica gilt als eine bedeutende Pilgerroute aus dem Mittelalter, die nicht nur landschaftlich reizvoll ist, sondern auch reich an historischen Stätten und spiritueller Bedeutung.
Die Gesamtstrecke beträgt etwa 200 Kilometer, und meine Anreise erfolgt per Zug. Die voraussichtliche Ankunft in Pattburg ist für die Mittagsstunden geplant. Mit Rucksack begebe ich mich auf die eindrucksvolle Route, die durch malerische Landschaften führt und die Geschichte der Pilger vergangener Zeiten lebendig werden lässt.
Während meiner Wanderung werde ich regelmäßig meine Erlebnisse und Begegnungen auf dieser Seite teilen. Von kulturellen Highlights bis hin zu persönlichen Reflexionen – ich lade Euch ein, mich auf dieser besonderen Reise zu begleiten und die Schönheit des Jakobswegs auf der Via Jutlandica mit mir zu entdecken. In etwa 4 1/2 Wochen geht es los.


Meine Wanderroute:
1./2. März 2024
Pattburg nach Sankelmark (direkt ca. 18 Kilometer)
Hotel Sankelmark
2./3. März 2024
Sankelmark nach Schleswig (direkt ca. 30 Kilometer)
Quartier 36
3./4. März 2024
Schleswig nach Eckernförde (Südroute, da Schlei-Fähre außer Betrieb) ca. 25 Kilometer
Lüttes Loft
4./5. März 2024
Eckernförde nach Kiel (direkt ca. 28 Kilometer)
me and all hotel kiel – JdV by Hyatt
5./6. März 2024
Kiel nach Preetz 18,6 Kilometer
Flair Hotel Neeth
6./7. März 2024
Preetz bis Bosau (über Plön) ca. 27,8 Kilometer
Gasthaus Zum Frohsinn
7.-8. März 2024
Bosau – Ahrensbök ca. 29 Kilometer
Mit dem Bus nach Lübeck und Übernachtung im the niu Rig | Design-Hotel Lübeck Zentrum

8.März 2024
Anfahrt mit dem Bus von Lübeck nach Ahrensbök und dann Wanderung nach Lübeck 21,6 Kilometer und wieder Übernachtung im the niu Rig | Design-Hotel Lübeck Zentrum, Abendprogramm

9.März 2024
Rückreise gegen Mittag mit der Bahn nach Hause

Tag 1 – Freitag, 1. März 2024
Pattburg → Sankelmark
Ochse, Salz und Flensburg

Hallöchen aus dem Abenteuerland Jakobsweg von Pattburg nach Lübeck!

Gestern habe ich mich Zuhause richtig gut vorbereitet und alles noch einmal gecheckt: Pilgerroute, Zug- und Busfahrt, Klamotten und mehr. Lief alles prima, bis ich zu dem Zeitpunkt, nach einem leckeren Käsekuchen von unserer Freundin, versehentlich eine Prise Abenteuer in meinen Espresso dazu gemischt habe – Salz statt Zucker! Mein Geschmackssinn hat eine spontane Tanzeinlage hingelegt, die selbst meine Geschmacksknospen überrascht hat. Solche Abenteuer brauch ich nicht.

Die Anreise am nächsten Morgen begann mit einer entspannten Zugfahrt über Hannover und Uelzen bis ins bekannte Flensburg, gefolgt von einer Busreise bis zur dänischen Grenze. Mein Rucksack wiegt tapfere 10,4 Kilogramm, eine scheinbar leichtgewichtige Begleitung für die nächsten Wandertage bis zum 9. März. Und nun stand ich hier in Pattburg, bereit, die Ochsenwege, die Via Jutlandica, zu erobern.

Über Weiche bis Sankelmark geht es, als wäre ich selbst ein Ochse auf den Spuren vergangener Zeiten. Rechts und links lasse ich auf meinem Weg Handewitt und Flensburg liegen. Flensburg-Handewitt, bekannt für Handball und derzeit Dritter in der Handball-Bundesliga – eine wahre Hochburg für Sportbegeisterte.

Die Flensburger Brauerei habe ich leider nur aus der Ferne bewundert, denn stattdessen habe ich mir meine Punkte beim Kraftfahrt-Bundesamt abgeholt – Punkte, die ich gar nicht habe! Ein Wanderer mit Strafpunkten – das wäre mal eine ungewöhnliche Trophäe.

Der nächste Ort Munkwolstrup hat mich mit seinem Arnkielpark eingefangen – ein Landschaftspark mit Hügelgräbern, der sehenswert ist.

Die Wege des Jakobswegs sind meine Leinwand, und ich male sie mit Schritten voller Abenteuer. Heute waren es auf dem direkten Weg 15,18 Kilometer. Bis zum 9. März erwarten mich neben Schleswig, Eckernförde, Kiel, Preetz und Lübeck viele andere interessante Orte.

Lasst uns gemeinsam dieses Wanderabenteuer genießen, denn manchmal bin ich eben auch ein Ochse auf dem Ochsenweg!

Tag 2 – Samstag, 2. März 2024
Sankelmark → Schleswig
Frühlingszauber bei 35 Kilometern, Roomservice und Schwangerschaft (?)

Gestern Abend wurde ich im Hotel Sankelmark am See noch so richtig verwöhnt: die von mir bestellte Hawaii-Pizza mit viel Ananas wurde mir aufs Zimmer serviert. Sah ich so schlapp aus? Nein, nein, mit Corona hat das Hotel auf Roomservice umgestellt. Das war mir auch für das reichhaltige Frühstück am nächsten Morgen sehr recht.

Der zweite Tag meines Jakobswegs von Pattburg nach Lübeck verlief heute dann über Süderschmedeby, Sieverstedt, Stenderup, Idstedt bis Schleswig. Alles ganz entspannt für die Füße, denn neben den Teerwegen waren genügend Grünstreifen für Wanderer. Tolle Frühlingseindrücke bei leichtem Sonnenschein den ganzen Tag – überall sprießten die Krokusse, Narzissen und Schneeglöckchen aus der Erde. Eben Frühlingszauber. Es wird endlich wieder bunt in den Gärten.

Sehr auffällig auf der ganzen Wegstrecke des Jakobsweges war, dass hier in Schleswig-Holstein die Ortschaften doch sehr zersiedelt sind – immer wieder vereinzelte Höfe konnte ich sehen. So eine richtige Nachbarschaft kann hier wohl nicht entstehen …

Trotz bester Ausschilderung mit den Wegkennzeichnungen „Jakobsmuschel“ verpasste ich gleich zu Beginn meiner Wanderung einen Abzweig und lernte dadurch den Ort Augaard kennen. Der Umweg hat sich gelohnt, denn in Augaard war quasi das Ende der Welt. Schnell war ich wieder auf der richtigen Strecke.

Beeindruckt von der Schönheit der Natur wanderte ich durch das Naturschutzgebiet Föruper Berge. Die Route führte mich vorbei an nummerierten Meisen- und Fledermauskästen … Hauptsache die Vögel wissen, wem welche Nummer gehört … Nach 11 Kilometern erreichte ich Stolk, wo die Kirchenglocke genau 11-mal läutete – das Zeichen für eine verdiente kleine Pause.

Und danach war ich wieder in meiner Welt, dem achtsamen Wandern. Beim achtsamen Wandern bin ich ganz im Hier und Jetzt. Jeder Schritt wird zu einer bewussten Bewegung, und die Natur um mich herum wird zu meiner Meditation. Ich spüre meinen Atem, setze meine Schritte bedacht und nehme die Schönheit meiner Umgebung intensiv wahr. Die Geräusche der Natur werden zu einer harmonischen Melodie, und ich entdecke Freude in den kleinen Details am Wegesrand. Achtsames Wandern ist für mich nicht nur körperliche Aktivität, sondern eine Möglichkeit, meine Sinne zu schärfen und mich mit der Natur zu verbinden.

Und schwupps war ich schon in Schleswig angekommen … Hat mich da einer hingebeamt? Wie schnell doch die Zeit verging – tatsächlich war ich da schon sieben Stunden unterwegs.

In Schleswig kam ich dann an der Drogerie DM vorbei. Ach ja, kannst ja vorsorglich eine Pflasterpackung kaufen … Und da war ich in diesem Moment schon wieder in der Realität: direkt neben dem Regal für Pflaster war das Regal für Kondome und Schwangerschaftstests.

Da kam eine junge Frau, vielleicht 20 Jahre alt, direkt auf diese Auslage zu. Sichtlich nervös und total angespannt. Mit einem Seitenblick konnte ich ihre Unentschlossenheit erkennen. Sie drehte sich nach links und rechts herum und nahm dann einen Test mit und ging weiter. Ich habe so für mich gedacht … ich hätte sogar zwei Tests mitgenommen – sicher ist sicher.

Anscheinend Gedankenübertragung – sie kam zurück und holte sich wirklich einen zweiten Test. Jetzt hatte ich Mitgefühl mit der jungen Dame. Was für Gedanken hat sie? Kinder sind richtig schön, aber bitte, wenn es in die Lebensplanung passt. Ich werde es wohl nie erfahren, ob sie tatsächlich schwanger war. Das wäre dann Realität.

Der Zufall führte mich kurz darauf an einem Straßenschild mit der Aufschrift „Storchnest“ und einem Babygeschäft vorbei – ein bemerkenswertes Zusammentreffen von Symbolen des Lebens.

Diese unerwartete Begegnung und die Reflexion meiner Tages-Wanderleistung von 35,12 Kilometern machten mich zum einen sehr nachdenklich und zum anderen sehr stolz. Was der Pensionär alles so ohne Challenge noch packt … Auch die 4,7 km/h pro Kilometer können sich sehen lassen.

Der Abschluss meiner heutigen Wanderung bildete der Besuch der Seepromenade. Leckeren Mandarinen-Kuchen im Café, natürlich direkt am Hafen, verschlungen …

Untergekommen bin ich in einem exklusiven Appartement im Quartier 36 in Schleswig.

Tag 3 – Sonntag, 3. März 2024
Schleswig → Eckernförde
Nebel, Schildkrötenbrötchen und Begegnungen – Ein Abenteuer auf der Südtangente

Heute startete meine Pilgerwanderung auf einer weiteren Etappe von Pattburg nach Lübeck. Im Quartier 36 in Schleswig war ich königlich untergebracht, einem Juwel wie ein 5-Sterne-Hotel auf Madeira. Mein Frühstück war so königlich wie die Berichte auf meiner Website, und ja, es gab sogar Schildkrötenbrötchen – eine herrliche Überraschung!

Der dritte Wandertag präsentierte sich in dichtem Nebel und nasskaltem Wetter, mit einer Sichtweite von unter 100 Metern. Die geplante Route über die Schleifähre Missunde musste ich ändern, da sie bis Mitte März im Winterschlaf liegt. Die Südtangente wurde zur alternativen Herausforderung, und so wanderte ich durch Fahrdorf, Stexwig, Güby, Fleckeby und Kochendorf, bevor ich mich wieder auf die Via Jutlandica begab und bis nach Eckernförde lief.

Der Futterberge Hof und das Schloss Luisenlund waren beeindruckende Zwischenstopps.

Unterwegs traf ich Michael, der mich mit einer amüsanten Frage herausforderte:
„Bist du ein echter Wanderer?“
Sein Freund Jörg Wunram, ein ehemaliger Top-Reporter beim NDR, macht heute faszinierende Reiseberichte und Podcasts. Michael setzt sich dafür ein, dass es sogar einen Podcast mit dem Wanderbruder gibt – aufregend!

In Kochendorf betrat ich das Zollgrenzgebiet und passierte traurigerweise auch den Standort eines ehemaligen Konzentrationslagers sowie den Übungsplatz Christianshöhe.

Vor Eckernförde bot der Outdoorpark eine kurze Trainingseinheit, bevor ich die Stadt erreichte.

Eckernförde am ersten Sonntag im Monat ist lebendig – mit Festen an der Promenade und verkaufsoffenen Sonntagen. Hier traf ich Reinhard, ein ehemaliger IT-Experte der Sparkasse im wohlverdienten Ruhestand. Seine Frau heißt Anke und sie scheint Anke Engelke zu lieben:
„danke Anke“ – so stellte sie sich vor.

Am Glühweinstand entstanden interessante Gespräche. Nur gut, dass ich früher bei der Sparkasse Hameln-Weserbergland gearbeitet habe – ich hatte mit Alois einen guten Chef.

Die Krönung des Tages war mein exklusiver Aufenthalt im Lüttes Loft Boutique Hotel in Eckernförde – ein weiteres 5-Sterne-Erlebnis.

Das Pilgern birgt nicht nur spirituelle Entdeckungen, sondern auch kulinarische und menschliche Highlights. Auf zur nächsten Etappe – mit Vorfreude auf weitere Abenteuer und Begegnungen!

Tatsächlich waren es heute wieder über 25 Wanderkilometer … bei 4,8 km/h.
Erstaunlich, Herr Pensionär und Wanderbruder.

Tag 4 – Montag, 4. März 2024
Eckernförde → Kiel
„Junggebliebene“

Der Tag begann früh mit einem leckeren Frühstück in der Bäckerei, bevor ich um 7.30 Uhr von Eckernförde aus aufbrach – entlang des langen Strandes, bin eben ein echter Strandpilger.

Im weiteren Verlauf führte mich die heutige Etappe von Neudorf über Bornstein, Gettorf, Tüttendorf, Neuwittenbek, Altwittenbek bis nach Kiel-Suchsdorf.

Die ersten 10 Kilometer verliefen entlang der unangenehm lauten Bundesstraße 76, begleitet von Handschuh-Wetter. Mensch, war mir kalt – und dann noch dieser Autolärm. Nicht schön.

Beim Tierpark Gettorf verzichtete ich auf einen Besuch, machte jedoch am Marktplatz eine Pause und beobachtete die Menschen um mich herum. Da gab es schon von mir den ein oder anderen Lacher …

In Tüttendorf wurde ich Zeuge einer Vollbremsung eines Opel-Corsa-Fahrers. Ich war sehr erschrocken, denn er bremste quasi direkt neben mir. Er kurbelte das Fahrerfenster herunter und gab mir sofort einen wichtigen Hinweis zu meiner Pilgerroute:
„Weißt du, dass der Pilgerweg am Nord-Ostsee-Kanal gesperrt ist?“
Wusste ich nicht – er empfahl mir die Strecke über Neuwittenbek. So schnell wie er bremste, brauste er auch schon wieder weiter. Toller Tipp.

Nach insgesamt 24,81 Kilometern mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,7 km/h erreichte ich Kiel-Suchsdorf. Die letzten fünf Kilometer durch Wohnsiedlungen bis in die Stadt entlang der Bundesstraße sparte ich mir und nahm stattdessen den Bus. Eine kluge Entscheidung.

Ich entschied mich in Kiel gegen den Besuch der Innenstadt – die ist einfach nur hässlich – und erkundete lieber den Hafen.

Mein Traumhotel für die Nacht ist das me and all Hotel von JdV by Hyatt, einer bekannten Luxuskette. Diese Hotels sind lebendig, unabhängig und inklusiv – perfekt für die Temperamentvollen, Unbeschwerten und Junggebliebenen. Das trifft für mich jeweils zu!

Diesen Hotelaufenthalt werde ich in besonderem Maße genießen. Das habe ich mir verdient. Zwei Mal Luxus pur – vielleicht sogar vom gleichen Innenarchitekten. Meine Frau gönnt es mir und ist nicht neidisch – zumindest behauptet sie das auch nach den Fotos.

Ein gelungener Tag auf dem Jakobsweg.

Tag 5 – Dienstag, 5. März 2024
Kiel → Preetz
Spareribs-Marathon, Klatschbrötchen und Marsmännchen-Spuren

Gestern Abend wagte ich mich auf meiner Pilgerwanderung von Pattburg nach Lübeck noch in ein wahres Schlemmerabenteuer. Meine Stieftochter, auch bekannt als Wanderwoman, überzeugte mich von der Wichtigkeit von Eiweiß nach 15 Kilometern Laufleistung.

Mit zwei üppigen Portionen Spareribs (1.000 g) im me and all Hyatt in Kiel erreichte ich das Proteinziel – je Kilogramm Eigengewicht werden 2–3 g Eiweiß benötigt. Alles ohne Gew(e,ä)hr, Peng.

Das Hotel bot nicht nur leises und lautes Wasser, sondern auch Free Drinks. Selbst der Apfelsaft stammte von umliegenden Golfplätzen.

Am nächsten Morgen genoss ich beim Frühstück als besonderer Gast ein Klatschbrötchen mit Schaumkuss – ein kulinarischer Höhepunkt ohne das bekanntere Wort zu erwähnen. Fotos davon gibt’s nicht, denn gefrühstückt wird immer ohne Medien-Konsum.

Und jetzt endlich der Wanderbericht:

Der Start meiner fünften Etappe führte mich von Kiel-Wellingdorf über das Schwentinentaler Naturschutzgebiet und Flüggendorf bis Rosenfeld mit der einzigartigen weißen Brücke und weiter in die Schusterstadt Preetz.

Unterwegs entdeckte ich sogar Spuren einer Marsmensch-Landung im Feld (siehe Foto). Naturwälder, Wasserkraftwerke und die Totenredder Weidelandschaft begleiteten mich auf meinem Weg und beeindruckten mich besonders.

Heute verwöhnten mich diese Naturwanderwege mit Stille, frischer Brise aus Südost – alles diesmal ohne Autolärm.
17,25 Kilometer waren schnell geschafft.

Nach einer Busfahrt von Preetz ins fünf Kilometer entfernte Flair Hotel Neeth stand ein Waschtag an – denn auch die Klamotten vom Wanderbruder müssen mal wieder frisch sein.

Morgen geht es mit dem Bus wieder nach Preetz zurück und dann weiter auf dem Jakobsweg – voller Vorfreude auf neue Abenteuer!

Tag 6 – Mittwoch, 6. März 2024
Preetz → Bosau
Von Galloway-Bäckchen bis zur Ausreißerin Erika: Meine Abenteuer auf der Via Jutlandica

Gestern Abend tauchte ich noch in die Welt der Galloway-Bäckchen ein, um etwas für meinen Eiweiß-Haushalt zu tun. Das Fleisch dieser niedlichen Rinder war ausgesprochen zart und wurde vom Koch im Flair Hotel Neeth bestens zubereitet. Ein echtes Genießermahl.

Morgens ging es dann mit dem Bus wieder zurück nach Preetz zum Startpunkt meiner 6. Etappe der Via Jutlandica bis Lübeck. Der erste Teilabschnitt von Preetz nach Sophienhof führte mich entlang des Radweges. Die Straße selbst wird gerade saniert und war für den Autoverkehr gesperrt. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, den Bauarbeitern bei der Arbeit zuzuschauen. Tut mir echt leid, dass ich schon in Pension bin …

Für mich faszinierend war, dass der dicke Straßenaushub mittels einer Zerkleinerungsmaschine direkt wieder verwendet wurde – ein klares Beispiel für effektives Recycling vor Ort.

Die Via Jutlandica führte mich weiter durch Trent mit seinen reetgedeckten Bauernhäusern und über Tramm ins vertraute Plön. Hier war ich mit meiner Frau schon häufiger – ein niedliches Städtchen. Übrigens: Im weithin sichtbaren Plöner Schloss befindet sich das Schulungszentrum von Brillen Fielmann, damit alle den Durchblick haben.

Im Zentrum besuchte ich auch die große Nicolaikirche, die auf mich eher nüchtern wirkte.

Eine idyllische Pause legte ich auf dem Steg des Dampferanlegers ein. Der Blick auf den Großen Plöner See erinnerte mich an den Lieblingsort meiner Frau. Hier starten im Frühjahr wieder die großen Rundfahrten – ein Muss für Touristen.

Der Weg nach Bosau erstreckte sich linksseitig mit etwa 10 Kilometern entlang des Großen Plöner Sees. Der gesamte Rundweg beträgt übrigens 40 Kilometer. Auf meinem Weg passierte ich die Marineschule für Offiziere und Unteroffiziere. Aus der „Messe“ roch es wunderbar nach einem deftigen Mittagessen. Hunger hatte ich schon – aber über den Zaun klettern? Nein, nein. Auf einem Warnschild stand:
„Im Notfall werden Schusswaffen eingesetzt.“

Auf dem Missionsweg kurz vor Ruhleben traf ich eine ältere Dame, dünn gekleidet und mit Puschen unterwegs. Erika ist scheinbar aus einem Altenheim ausgebüxt. Sie hat vermutlich Demenz und weiß es wahrscheinlich gar nicht.

Von weitem hörte ich aufgeregte Rufe:
„Erika, Erika, wo bist du?“

Hier rief ich! Und schon sah ich eine Pflegerin mit einem schiebenden Rollstuhl um die Kurve sausen. Sie hielt an und schimpfte mit Erika:
„Da bist du ja, du sollst doch nicht immer weglaufen …“

Erika antwortete ruhig:
„Ich wollte doch nur zu meinem Mann nach Hause …“

Die Pflegerin berichtete mir, dass der Mann bereits seit zwanzig Jahren verstorben ist. Das ist das Schöne bei einer schrecklichen Demenz: Man vergisst auch unangenehme Ereignisse.

Ein Erlebnis der besonderen Art – und für mich ein Moment großer Dankbarkeit, noch fit zu sein.

Diese 6. Etappe bot insgesamt Natur pur: Seen, Wiesen, Wälder.
Im Zielort Bosau beeindruckte mich besonders der Bereich um die St.-Petri-Kirche im Altdorf. Hier sind die Häuser nach slawischer Art als Runddorf angelegt.

Ich wohne heute Nacht im Runddorf – nämlich im Gasthaus „Zum Frohsinn“. Der Name verspricht viel. Eine tolle, gemütliche Unterkunft.

Heute kamen 26,05 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h zusammen – meine bisher schnellste Etappe.

Tag 7 – Donnerstag, 7. März 2024
Bosau → Lübeck
Triumphaler Abschluss: von Bosau nach Lübeck – Meine letzte Jakobsweg-Wanderung mit beeindruckender Strecke von 37,01 Kilometern!

Heute startete ich um 8.30 Uhr meine 7. und letzte Etappe auf dem Jakobsweg von Pattburg nach Lübeck – im malerischen Seedorf Bosau am Großen Plöner See.

Die Route führte mich durch Hutzfeld, Glasau, Ahrensbök, Cutau, Pohndorf, Stockelsdorf in der Holsteinischen Schweiz, vorbei an Tannenbaumplantagen, bis nach Lübeck.

Den Tannenbaumplantagen hatte ich bereits auf meinem ersten Jakobsweg von Nürnberg zum Bodensee einen eigenen Beitrag gewidmet. Doch heute wurde ich wieder einmal mit der düsteren Vergangenheit unserer Republik konfrontiert: der Deportation von KZ-Häftlingen mit dem Zug aus Blankenburg und Mittelbau Dora im Harz nach Lübeck.

Der Todesmarsch von Lübeck bis ins KZ-Lager Glasau verlief entlang meiner heutigen Wanderstrecke. Ein Moment, der mich innehalten ließ. Erinnerungen an meinen Besuch in Mittelbau Dora und im Warschauer Ghetto Museum im Jahr 2020 wurden lebendig. Ein Appell an die Menschheit, sich gegen solche Gräueltaten zu wehren.

Auf positivere Weise habe ich heute meine letzten beiden Etappen zu einer zusammengefasst: 37,01 Kilometer mit einer beeindruckenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,3 km/h.
Bin stolz auf mich, was ich als alter „Sack“ noch so schaffe.

Dankbar bin ich aber auch für die Unterstützung aus der Familie. Meine Frau gewährte mir deshalb einen Tag Sonderurlaub für diese herausfordernde Wanderung mit einem 10 Kilogramm schweren Rucksack. Ich komme deshalb erst am Samstag nach Hause.

Meine Unterkunft ist das moderne the niu Rig Hotel in Lübeck, direkt am Bahnhof gelegen. Seltsamerweise höre ich keine Züge, und der Bahnhof wirkt verlassen. Vielleicht hat da noch jemand Sonderurlaub?

Morgen kommt das obligatorische Fazit auf diesem Kanal.

Fazit – Freitag, 8. März 2024
Pilgern mit Pep – mein Jakobsweg von Pattburg nach Lübeck
Meine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg Via Jutlandica von Pattburg nach Lübeck liegt nun hinter mir – und was für eine Reise es war.

Rund 200 Kilometer, verteilt auf intensive Etappen, haben mir einmal mehr gezeigt, wie viel Kraft im Gehen liegt. Jeder Tag brachte neue Eindrücke, neue Gedanken, neue Begegnungen – und manchmal auch neue Herausforderungen.

Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, achtsam zu sein: mit dem eigenen Körper, mit der Natur, mit den Menschen, denen man unterwegs begegnet. Ob es die Stille der Landschaft war, der Nebel auf der Südtangente oder zufällige Begegnungen am Wegesrand – all das hat diese Wanderung zu etwas Besonderem gemacht.

Natürlich gab es auch Momente der Anstrengung. Lange Distanzen, kaltes Wetter, müde Beine. Doch genau darin liegt für mich der Reiz des Pilgerns: sich selbst zu spüren, Grenzen wahrzunehmen – und sie manchmal auch zu verschieben.

Besonders berührt haben mich die menschlichen Begegnungen. Kurze Gespräche, kleine Gesten, gemeinsame Momente, die oft nur Minuten dauern und dennoch lange nachwirken.

Mit Stolz blicke ich auf das Erreichte zurück – nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern aus Dankbarkeit. Dankbar dafür, dass mein Körper mich trägt, dass ich diese Wege gehen darf und dass ich mir die Zeit nehme, bewusst unterwegs zu sein.

Die Ankunft in Lübeck war kein lauter Triumph, sondern ein leiser, zufriedener Moment. Ein Ankommen im Außen – und ein Stück weit auch im Inneren.

Dieser Jakobsweg war für mich einmal mehr eine Bestätigung:
Pilgern muss nicht asketisch sein, nicht streng, nicht schwer.
Es darf mit Pep, mit Humor, mit Genuss und mit offenen Augen für das Leben stattfinden.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung – und freue mich schon jetzt auf den nächsten Weg.

Und hier die Zusammenfassung als pdf (inkl. Bilder) zum Herunterladen: