Es begann in Rothenburg ob der Tauber. Mit dieser Altstadt, die einen schon vor dem ersten Schritt erdet, mit der Jakobspilger-Statue, an der alles klar wird: Jetzt gehst du los. Nicht irgendwann, nicht theoretisch – jetzt. Die ersten Kilometer waren getragen von Vorfreude, Respekt und dieser leisen Spannung, die nur der Anfang kennt.
Und irgendwo vor diesem Start lag bereits der eigentliche Anfang: das Kennenlernen auf der Kreuzfahrt, an einer Bar am Heck, völlig ungeplant. Gespräche, die leicht begannen und schnell Tiefe bekamen. Aus einer Urlaubsbekanntschaft wurde Vertrauen, aus Vertrauen Nähe. Auf dem Weg wurde daraus Gewissheit: Thomas ist nicht einfach ein Mitwanderer geworden, sondern ein echter Freund. Einer, mit dem man schweigt, lacht, diskutiert, nachdenkt – und einfach weitergeht. Viele Gespräche auf diesen Kilometern waren intensiv, offen und nicht für jeden gedacht. Genau deshalb waren sie so wertvoll.
Der Weg führte weiter über Schrozberg, durch offene Landschaften, kleine Weiler, Orte, die nicht laut sein müssen, um Wirkung zu haben. Gespräche wurden länger, Schritte ruhiger, der Rucksack schwerer – und gleichzeitig selbstverständlicher. Spätestens nach dem zweiten Tag war man drin. Körperlich wie mental. Der Regen störte nicht, der Matsch gehörte dazu.
Und dann diese Nacht im ehemaligen Krankenhaus in Schrozberg. Alte Zimmer, Notrufklingeln an der Wand – und irgendwo im Haus schien Schwester Hildegard noch Dienst zu haben. Humor, Wärme und Menschlichkeit schweben in der Luft. Genau solche Momente bleiben hängen, weil sie unerwartet sind und trotzdem perfekt passen.
Kloster Schöntal brachte Stille, Würde und eine Nacht, die mehr war als nur Schlaf. Gespräche beim Vesper, Begegnungen mit Menschen voller Leidenschaft, ein Tannenbaum wie aus einem alten Film – und diese Ruhe, die sich nicht erklären lässt, sondern nur spüren.
Mit jedem Tag wechselte das Gesicht des Weges: Jagsttal, Panoramaausblicke, Dörfer mit Bushaltestellen als Treffpunkt inkl. Getränkeschrank, Stammtische, Pizza unter zehn Euro, Menschen, die bleiben und berühmte Menschen, die auf Friedhöfen liegen. Bad Wimpfen mit seiner Altstadt, Sinsheim zwischen Technikmuseum und Fußball, St. Leon-Rot mit unerwarteter Ruhe und alten Begegnungen. Und immer wieder dieses Gefühl: Der Weg ist ehrlich. Er fordert, aber er schenkt.
Chronologisch gewandert, ergaben sich diese Tagesdistanzen:
Rothenburg ob der Tauber – Schrozberg: 27,40 km
Schrozberg – Hohebach: 28,01 km
Hohebach – Kloster Schöntal: 30,12 km
Kloster Schöntal – Möckmühl: 21,10 km
Möckmühl – Bad Rappenau: 30,58 km
Bad Rappenau – Sinsheim: 20,77 km
Sinsheim – St. Leon-Rot: 21,77 km
St. Leon-Rot – Speyer: 22,92 km
Gesamtstrecke: 202,67 Kilometer
Gewandert in 7,5 Tagen ergibt das einen Durchschnitt von 27,02 Kilometern pro Tag. Kein Spaziergang. Aber auch kein Gewaltmarsch. Ein ehrlicher Rhythmus.
Was diesen Abschnitt besonders macht:
Der Weg ist von Rothenburg bis Speyer durchgehend hervorragend ausgeschildert. Man kann sich darauf verlassen. Unterkünfte gibt es viele – Pensionen, Klöster, Herbergen, Hotels – und Pilger sind willkommen. Am Anfang sind Einkaufsmöglichkeiten noch überschaubar, Planung ist sinnvoll. Später wird es entspannter. Dazu kommen unzählige Ruhebänke, oft genau dort, wo man sie braucht. Keine Selbstverständlichkeit.
Die Kleinstädte entlang der Strecke sind echte Highlights. Nicht geschniegelt, nicht inszeniert, sondern lebendig. Mit Geschichte, Gegenwart und Menschen, die einem begegnen, ohne etwas zu wollen.
Und dann Speyer. Der Dom. Der letzte Stempel. Die Jakobspilger-Statue auf dem Weihnachtsmarkt. Der Kreis schließt sich. Nicht laut, nicht spektakulär – aber tief. Sehr tief.
Mein Fazit:
Rothenburg ob der Tauber bis Speyer ist kein Weg für Eile. Es ist ein Weg für Aufmerksamkeit. Für Gespräche, für Pausen, für ehrliche Kilometer. Und manchmal ist es auch ein Weg, auf dem man nicht nur ankommt – sondern jemanden findet, der bleibt.
Danke Thomas für die die tolle Zeit.
Hallo Bernhard,
ich habe zu Danken – für die tolle Idee, die gemeinsame Zeit und, last but not least, für die wunderbar schönen täglichen Pilger-Berichte. Letzteres ist definitiv dein ALLEINSTELLUNGSMERKMAL.
Gruß Thomas (Windisch – um sicherzustellen, dass ich der Thomas bin, den du jedesmal erwähnst) 😉