In sieben Tagen geht es los. Noch siebenmal schlafen, dann stehe ich an der Küste von Fehmarn, spüre den Wind von der Ostsee und setze den ersten Schritt auf die Via Scandinavia.

238,8 Kilometer liegen vor mir – und im Moment fühlt sich diese Zahl noch abstrakt an. Doch je näher der Start rückt, desto klarer werden die Orte, durch die ich gehen werde, und desto mehr verwandelt sich die Strecke in eine echte Reise.

Mein Weg beginnt in Puttgarden, einem Ort, der wie gemacht ist für Aufbruch. Fähren kommen und gehen, der Horizont ist weit, und alles scheint in Bewegung. Von dort aus werde ich direkt entlang der Ostsee zurück nach Großenbrode wandern. Die Küste wird mein erster Begleiter sein – mit Wind, Weite und diesem ganz eigenen Gefühl von Freiheit, das nur das Meer erzeugen kann. Ich ahne jetzt schon, dass dieser erste Tag entscheidend sein wird, um wirklich anzukommen und den Kopf frei zu bekommen.

Hinter der Küste verändert sich die Landschaft. Der Weg führt weiter nach Grube, hinein in das ruhige, weite Hinterland Ostholsteins. Felder, kleine Orte und lange, gerade Wege prägen diesen Abschnitt. Es sind genau diese unspektakulären Kilometer, die oft die größte Wirkung haben, weil sie den Rhythmus bestimmen und den Blick nach innen lenken.

Über Grömitz geht es anschließend weiter in Richtung Neustadt in Holstein. Grömitz bringt noch einmal Leben in die Strecke – mit Promenade, Menschen und Blick aufs Meer. Doch genau hier beginnt auch die körperliche Herausforderung spürbar zu werden, denn die Etappen werden länger und fordernder. Spätestens an diesem Punkt wird sich zeigen, wie gut ich meinen Rhythmus finde.

Ein besonderer Moment wartet in Lübeck. Diese Stadt ist mehr als nur ein Punkt auf der Route – sie ist Geschichte, die man durchläuft. Wenn ich durch die Altstadt gehe und am Holstentor vorbeikomme, werde ich für einen Moment Teil dieser jahrhundertealten Wege. Und trotzdem bleibt keine Zeit, lange stehen zu bleiben, denn der Weg zieht weiter.

Hinter Lübeck wird es wieder ruhiger, und genau darauf freue ich mich besonders. Rund um Ratzeburg begleitet mich der Ratzeburger See, dessen Wasser eine ganz eigene Ruhe ausstrahlt. Diese Abschnitte sind es, die eine Tour prägen, weil sie Raum geben – für Gedanken, für Stille und für das einfache Gehen.

Noch stiller wird es auf den Wegen zwischen Witzeeze und Basedow. Hier gibt es keine großen Sehenswürdigkeiten, keine bekannten Highlights, sondern einfach nur Landschaft und Wege. Genau diese Etappen sind es, die mich besonders reizen, weil sie ehrlich sind und nichts beschönigen.

In Lauenburg/Elbe treffe ich schließlich auf die Elbe. Nach all den Kilometern wird dieser Fluss wie ein ruhiger Begleiter wirken – gleichmäßig, gelassen, ohne Eile. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das sich bis dahin auch in mir eingestellt hat.

Ein Höhepunkt der Tour wird sicherlich Lüneburg sein. Die Stadt mit ihrer langen Salzgeschichte, den alten Giebelhäusern und der besonderen Atmosphäre ist ein Ort, an dem man nicht einfach nur ankommt, sondern innehält. Ich stelle mir vor, wie ich dort nach vielen Kilometern durch die Straßen gehe und langsam begreife, was bereits hinter mir liegt.

Die letzten Kilometer führen mich schließlich nach Bienenbüttel. Es ist kein spektakuläres Ziel, kein großer Abschluss – und genau das passt zu dieser Tour. Denn solche Wege enden nicht wirklich, sie verändern sich nur.

Jetzt, sieben Tage vorher, ist alles vorbereitet. Die Strecke ist geplant, die Etappen stehen, und mein Wohnmobil wird mich als mobile Basis begleiten. Was noch fehlt, ist der erste Schritt.

Und genau der kommt bald.

Von Bernhard Kruppki

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von neu: fünf lieben Menschen.

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