Nach der Nacht in der Pension Panni begann der Tag mit einem Frühstück, das uns sofort prüfte. Die Brötchen waren so hart, dass vermutlich selbst der TÜV sie freigegeben hätte. Pilgertest bestanden. Aufschnitt war reichlich vorhanden, also gab es Brot – und die Brötchen wurden fürs Mittagessen geschmiert. Ein alter Trick: Was beim Frühstück Zähne gefährdet, wird in der Brotdose über den Tag weich wie Dampfnudeln.
Um 8.45 Uhr starteten wir und standen gleich vor einem Haus mit zwei Haustüren (siehe Foto)– „Finde den Fehler“ war das Motto.
Danach ging es stundenlang entlang der Jagst. Ein ruhiger, schöner Abschnitt, vorbei an St. Wendel zum Stein, mit einer Aussicht, die man einfach nicht fotografieren kann, ohne ihr Unrecht zu tun. Seit 1842 stehen hier eigentlich drei Linden – heute nur noch zwei. Die Aussicht bleibt trotzdem ein Gedicht. Und mitten im Flow fiel mir ein, dass ich meine Tabletten vergessen hatte. Magnesium und Vitamin D – der Motor muss schließlich laufen. Also schnell nachgelegt.
In Dörzbach wurden wir plötzlich zu Outlet-Pilgern. Thomas und ich kauften uns wasserdichte Wanderhosen – selbstverständlich im Sale, denn echte Pilger sparen dort, wo es sinnvoll ist, um später auf dem Jakobsweg großzügig sein zu können.
Kurz vor dem Edeka trafen wir dann Manfred wieder, den wir gestern in der Pizzeria kennengelernt hatten. Er hatte nur Wasser getrunken, war Baujahr 1951, fährt einen Beetle, war lange selbstständig – einer dieser Menschen, die man zweimal trifft und sofort das Gefühl hat, man sei schon seit Jahren per Du.
Und dann kam der ultimative Blitzer (siehe Foto) auf dem Jakobsweg. Wir gaben Gas, aber wurden trotzdem nicht geblitzt. Pilgerbonus oder einfach nur schlechte Technik – wer weiß.
Die Route führte weiter durchs Land, überall John-Deere-Traktoren. Thomas erkannte sie schon aus 500 Metern Entfernung, seit er ab 1.9. in Altersteilzeit bei John Deere ist, hat er offenbar noch mehr Zeit, seinen inneren Treckerfan zu pflegen. Mein Schwiegersohn arbeitet bei Krone und schwärmt genauso – Traktoren sind wohl der unterschätzte Kult unserer Zeit.
Und überall stehen draußen große Krippen zur Weihnachtszeit, wie man sie sonst nur aus Wieda im Harz kennt.
30,12 Kilometer und 392 Höhenmeter später – zum Glück (Ironie) kamen die Höhenmeter erst am Ende – erreichten wir Kloster Schöntal. Ein beeindruckender Komplex, so groß, als hätte Hollywood hier schon dreimal gedreht. Und im Eingangsbereich zum Bildungshaus stand tatsächlich ein Tannenbaum, der direkt aus „Der kleine Lord“ stammen könnte. Wirklich filmreif.
Nach einem reichlichen Abendessen führte uns Heinrich, den wir beim Vesper kennengelernt hatten, durch das Atelier. Dort fand gerade ein Malkurs statt, und die Leidenschaft der Teilnehmenden wirkte so ansteckend, dass ich sofort dachte: Das wäre etwas für meine Frau. Heinrich erfüllte uns diesen kleinen Wunsch, und so standen wir in einem Raum voller Kunst, Farben, Konzentration und Herz.
Und dann fanden wir sie: die himmlische Ruhe im Kloster. Ein stiller Moment, der die ganzen 30 Kilometer, die harten Brötchen, den Blitzer, die Traktoren und jede einzelne Schweißperle einfach in Frieden verwandelte.



























