Jakobsweg von Magdeburg nach Höxter in 2020/2021

17. August 2020

Schönwetter – Pilgern vor der Haustür – Jakobsweg von Magdeburg nach Höxter

Bereits morgen starte ich mit meiner Pilgerwanderung vor der Haustür. Ich wohne in Diekholzen – Barienrode und nur in zwei Kilometer Entfernung ist das Kloster Marienrode (bei Hildesheim). Natürlich war ich schon einige Male dort – jetzt starte ich das Schönwetter – Pilgern. Ist irgendwie auch schön dann einfach ohne große Vorplanungen zu starten.

Der gesamte Pilgerweg von Magdeburg nach Höxter hat eine Gesamtlänge von 264,4 Kilometer. Die morgige Strecke geht von Marienrode nach Alfeld (ca. 26 Kilometer).


18. August 2020

Messe gelesen, Sack und Schnarcher

Heute bin ich die Teilstrecke Marienrode nach Alfeld des Jakobswegs von Magdeburg nach Höxter bei herrlichem Wetter gewandert. Meine Frau hatte mich mit dem Auto zur Scheune nach Marienrode gebracht und von dort ging es direkt zum Kloster Marienrode. In der Klosterkirche wurde gerade eine Messe gelesen, ich hoffe nicht die letzte für mich… Schönes Anwesen hier in Marienrode, ein Kleinod. Richtig, richtig schön und bestens für Hochzeitsfotos geeignet. Das hat auch meine Stieftochter mit Ihrem Mann letzten Samstag gemacht. Dann muss es auch schön sein. Und morgens um 7.45 Uhr waren schon 20 Gottesdienstbesucher da. Prima.

Der Weg nach Diekholzen war super ausgeschildert. Die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt war auch offen, leider gab es keinen Pilgerstempel. Richtung Nienstedt hatte ich die ersten größeren Höhenmeter erwartet, doch das war quasi nix an Höhe. Aber ich sollte „rumspinnen“, denn nach dem gestrigen Regen bildeten sich auf der ganzen Wanderstrecke Spinnweben. Also, wer es mag… ich nicht. Auch neue Baumplantagen wurden angelegt, denn die Borkenkäfer sind auch hier aktiv. Aber liebe Borkenkäfer-Freunde, es geht Euch an den Kragen – besser an die Rinde.

Ab Eberholzen habe ich die Jakobsweg-Schilder verloren oder es wurde hier noch nicht geschildert. Einfach den „Rennstieg“ (R) weiter wandern, dann über die Wernershöhe (200 Höhenmeter) bis nach Sack. Ihr habt richtig gelesen, da geht mir nicht sprichwörtlich einer auf den „Sack“, sondern so heißt der Ort. Oh je, was müssen die EinwohnerInnen sich hier bestimmt dauernd blöde Sprüche anhören. Kreativ sind sie aber dort, es gibt ein „Trödel to go“.

Kurz vor Alfeld in Langenholzen gibt es etwas ganz besonderes: „ein Schnarchmuseum“. Leider heute geschlossen. Was hätte mich dort erwartet? Wahrscheinlich auch Tonaufnahmen von „Holzsägern“. Ich hätte da noch einige Bewerber… zum Beispiel unser neuer Schwiegersohn soll wohl besonders gut im Schnarchen sein, denn das war auch ein Thema von Freunden auf der Hochzeit. Tolle Feier übrigens. Also ich gehöre auf keinen Fall zu der Gruppe der Schnarcher, denn ich habe bisher noch nichts selbst gehört.

In 11 Tagen kommt unser Enkel in die Schule, es ist Einschulung. Da wurde ich auch in Langenholzen dran erinnert, denn es hatte jemand in seinem Garten riesige große Bleistifte aufgestellt. Schöne Deko.

Nach knapp 26 Wanderkilometern bin ich dann in Alfeld „eingelaufen“. Ich wusste, dass ich in Alfeld bin, denn die örtliche Papierindustrie hat hier ihren eigenen „Gestank“. Ist ja fast so wie in Nordstemmen bei der Zuckerfabrik. Na ja, dauerhaft möchte ich das nicht riechen wollen… Beim Bürgeramt „Am Markt“ bekam ich dann meinen ersten und einzigen Stempel und das obwohl ich keinen Termin vereinbart hatte… Also sind die hier in Alfeld doch irgendwie sehr flexibel…

Mit dem Bus ging es dann zurück bis nach Ochtersum und von dort wieder zu Fuß nach Hause. Eine schöne Pilgerwanderung direkt vor der Haustür.


27. August 2020

Stromsparer und Pilger hebt über Eintracht ab

Bereits heute morgen um 7.30 Uhr fuhr ich mit unserem Wohnmobil nach Braunschweig. Wir wollen Strom sparen – das WoMo kriegt eine Solaranlage. Dann sind wir auf längeren Touren auch unabhängiger von der Versorgung. Und gleich natürlich auch mit einer Wanderung auf dem Jakobsweg verknüpft. Es sollte heute von Braunschweig nach Vechelde gehen. Mein Weg in die Innenstadt führte mich am Stadion von Eintracht Braunschweig vorbei. Konnte auch gleich ein Foto vom Stadionrasen machen. Na ja, wenn ich zu Hause für unseren Rasen zuständig wäre, dann hätten wir auch so etwas Edeles. Ok, vielleicht nicht lange, denn unsere Hündin Bella buddelt so gern… Aber schönes Stadion und Glückwunsch zum Aufstieg. Endlich mal wieder Spiele gegen meinen HSV. Danke schon mal für die sechs Punkte.

In der Innenstadt führte mich meine Wanderung zum Startpunkt des heutigen Abschnitts; zum Dom zu Braunschweig. Dort liegt übrigens Heinrich der Löwe begraben und der soll zu Lebzeiten einen siebenstrahligen Leuchter von den Juden erbeutet haben. Krass. Und der steht heute im evangelischen Dom. Kann man den nicht zurückgeben?

Und dann kam ein Höhepunkt des Tages und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wurde in einer Gondel des Riesenrads 50 Meter in die Höhe befördert und konnte von der Gondelspitze auf die Eintracht herunterblicken. Tolles Gefühl und Entspannung pur. Natürlich habe ich auch die Stadt von oben gesehen. Ich bin jetzt auch ein Riesenradpilger.

In der Stadt habe ich viele SchülerInnen getroffen. Heute ist 1. Schultag nach den Sommerferien in Niedersachsen. Hatten alle bestimmt Lust zur Schule zu gehen, um nach Corona endlich wieder viele Freunde zu treffen. Gut so. Die Schülergruppe, die vor mir ging, unterhielten sich über ihre neuen Lehrer. Wie aus der Pistole geschossen sagte ein Schüler, wir haben jetzt Frau Hoffmann bekommen. Die ist richtig, richtig streng. Aber da lernen wir wenigstens etwas… gute Einsicht. So einen Klassenlehrer hatte ich auch: Dr. Bornemann. Und auf der Abschlussfahrt hat er sogar erlaubt Bier zu trinken. Natürlich war ich nicht mit…. musste schon früh an meine Gesundheit denken….

Hier um Braunschweig ist eine Pferdegegend und sogar ein Landesstützpunkt. Ich hätte da eher an Celle mit ihrer Hengstparade gedacht. Oh ja, jetzt bin ich vom Pilgernerzählen aber ganz schön abgekommen. Ja, das ist so. Beim Wandern fallen mir viele Dinge ein. Der Jakobsweg ist hier Richtung Lehndorf sehr gut ausgeschildert, übrigens ist die Muschel auf hochwertigen Blechschildern gedruckt. Klasse, denn billig kauft man zweimal.

In einer Kleingartenkolonie habe ich freundlicherweise Äpfel und Birnen als Wegzehrung geschenkt bekommen. Die Menge reicht auch noch für drei Tage zu Hause. Danke. Einen Kleingarten hatte ich auch mal. Viel schwere Arbeit, wenig Ernte. Der neue Pächter hat gleichzeitig zu viel Strom abgenommen und einen Kurzschluss verursacht. Die Bude ist abgebrannt und dann hat er noch gesagt, ich hätte was falsch installiert. Na ja, er konnte nicht wissen, dass die Installation der Verein selbst mit erfahrenen Männern gemacht hat. Das Foto mit der Werbung des Braunschweiger Vereins sagt eigentlich alles.

22,03 Kilometer Tageswanderleistung bei Ankunft in Vechelde. Und als ich so durch den Ort marschierte sah ich sie wieder, die Pizzeria bei Toni. Da war ich vor einem Jahr mal von Bettmer vom Campingplatz aus… nur wusste ich da noch nicht, dass durch Vechelde der Jakobsweg geht. Jetzt weiß ich es. Mit der Bahn ging es dann heimwärts. Ein schöner Tag beim Pilgern von zu Hause aus.

28. August 2020

Deluxe Herberge, Frauenkirche und Jürgen Sackmann erzählt

Heute habe ich eine weitere Teilstrecke des Braunschweiger Jakobsweg erwandert.
Mit Bahn/Bus ging es nach Erkerode und dort direkt auf den Jakobsweg. Perfekt geklappt. Erkerode liegt direkt an der Westseite des Elm. Elm ist das Mittelgebirge mit 3 Buchstaben aus vielen Kreuzworträtseln. Über Lucklum ging es nach Veltheim (Ohe). Kurz vor Lucklum bin ich noch mitten in der Walachei über eine Edelstahlbrücke gewandert. Hier wurde mit EU-Geldern richtig geklotzt…

In Veltheim habe ich mir zuerst die Pilgerherberge angesehen. Deluxe!!! Sehr komfortabel eingerichtet und viel Platz für Gruppen. Getrennte Dusch- und WC-Bereiche, große Küche und Terrasse. Klasse. Helmut hat mir alles gezeigt und war richtig stolz, dass hier besonders Josef Pongratz was tolles aufgebaut hat.

In Klein Veltheim lief mir ein schwarzer Kater direkt vor meinen Füßen vorbei. Kein Aberglaube bei mir, denn ich habe gerufen: dreimal schwarzer Kater und schwupps war er weg. Das nenne ich lösungsorientiert. Der weitere Weg bis Klein Schöppenstedt verlief über ein ehemaliges Militärgelände und da habe ich mich verfranzt. Sollte der Kater recht haben und ich trete etwa auf eine Mine? Musste wieder zaubern….

In Riddagshausen führte mich mein Weg direkt zum Zisterzienserkloster. Sehr gepflegte Anlage. In der Klosterkirche habe ich dann den Kirchenvogt Jürgen Sackmann getroffen. Freundlicher Mann mit einem besonderen Dialekt. Diesen Dialekt kenne ich. Gleich mehr. Er führte gerade seinen Chef von der Landesstiftung mit Gästen herum. Später sah ich, wie er seinen Chef verabschiedet hat. Alte Schule… Tür aufgehalten und beim Wegfahren gewunken.

Der Kirchenvogt hatte dann Zeit für mich. Wir kamen richtig ins Gespräch, weil der Pilgerstempel fehlte. Seit sechs Jahren ist er hier Kirchenvogt und war vorher im Gronauer Krankenhaus Pfleger. Das Kloster ist schon immer seine Leidenschaft gewesen. Er zeigte mir die Frauen- und Fremdenkirche. Echt clever die Mönche. Noch vor dem Hofbogen (Eingang) wurde sie errichtet und so konnten die Männer unter sich bleiben und wurden nicht gestört.

Jürgen erzählte munter weiter, dass er aus Delligsen kommt. Oh, da war doch was? Ich fragte ihn: kanntest du meine Tante Ursel und meinen Onkel Josef? Sofort sagte er: Ursel und Josef Hein, die kannte ich total gut. Ursel ist früh verstorben und Josef hatte Parkinson und verstarb dann leider. Jürgen wusste alles: wo sie gewohnt haben, dass sie später in das Haus von Oma Emma gezogen sind. Hey, Delligsen hat 5.000 Einwohner. Wie klein doch die Welt ist.

Und dann erzählte er mir noch eine passende Begebenheit:
Nach dem Tod wurde das Haus vom Zahnarzt nicht weitervermietet. Es steht seit Jahren leer. Einzig den Garten pflegt er weiter. Und Jürgen wurde vom Zahnarzt angesprochen: Der Josef hatte doch immer so schöne Bohnenstangen. Kannst du mir auch so welche besorgen?
Jürgen besorgte Bohnenstangen – und dann stellte sich heraus, dass Onkel Josef sie fein säuberlich in einer Nische versteckt hatte. Er hat nie etwas weggeworfen. Jeder Nagel wurde gerade gekloppt und wiederverwendet. Das habe ich als Junge positiv zur Kenntnis genommen. Toller Onkel.

Ein ereignisreicher Wandertag mit noch schöneren Erinnerungen ging nach 23,2 Kilometern zu Ende. Mensch, was strömen mir gerade viele Gedanken durch meinen „Schädel“.

23.02.2021

Wasserspinne, rollender Baumarkt und Corona-Pilgern

Wer will, der sucht Wege und Lösungen und wer nicht will, sucht Gründe. Das war früher mein Spruch im Büro. Das ist diesen heute nochmal bräuchte….

Also ganz von vorn. Tagesausflüge zum Pilgern sind erlaubt. Übernachtungen im Wohnmobil sind zu Coronazeiten für eine Nacht nur in Sachsen-Anhalt, nicht in Niedersachsen erlaubt. Also geplant: Womo-Fahrt nach Eilsleben in Sachsen-Anhalt und von dort Coronapilgern nach Helmstedt in Niedersachsen auf der Teilstrecke des Jakobswegs von Magdeburg nach Höxter.

Heute früh um 7.30 Uhr ging es dann endlich los. Ich hatte in der Nacht vorher ein Erlebnis der besonderen Art. Gegen 23.00 Uhr hatte ich Durst. Also stiefelte ich aus dem Bett in die Küche. Dort nahm ich einen kräftigen Schluck Wasser aus dem Glas und was kribbelte an meiner Lippe? Eine Wasserspinne. Eklig, ich war sofort richtig wach. Bestimmt ein gutes Omen für mein Coronapilgern, dachte ich…. Natürlich habe ich die Spinne am Leben gelassen, sie grast im Rasen.

Also der Tag sollte gut laufen. Bereits um 9.00 Uhr in Eilsleben angekommen. Parkplatz direkt am Bahnhof und losmaschiert. Mit leckeren Fresspaketen von meiner Frau. Gleich das 1. Jakobschild gefunden. Super. Bestes Wanderwetter bei 17 Grad.

Schon auf der Fahrt nach Eilsleben kamen Gedanken aus der Vergangenheit. 1986/87 habe ich meinen Betriebswirt in Berlin gemacht und bin auf der A2 immer an Eilsleben vorbeigefahren oder war da früher an der Raststätte ein Intershop, wo wir Wessis immer günstig Zigaretten und Alkohol einkaufen konnten? Ist verjährt, deshalb kann ich es hier schreiben … viel geschmuggelt, denn es wurden in Helmstedt nur die polnischen Autos kontrolliert, und mit den Verkaufserlösen haben wir immer unsere 14tägige Heimfahrt finanziert.

Beim Pilgern ging es vorbei an Hinkelkästchen, komisch früher hatten wir neun Felder.

In Belsdorf war dann der rollende Baumarkt unterwegs. Ein LKW mit einem Verkaufsgeläut (Klingel wie früher „altes Eisen, altes Eisen“) fuhr langsam durch die schmalen Dorfstraßen und pries seine Leitern an. Wer kauft denn von einem vorbeifahrenden LKW Leitern? Noch Kilometer weiter hörte ich dieses Geläut und hatte im wahrsten Sinne einen an der Bimmel.

Traurig war der Ort in der Nähe eines Tunnels kurz nach Belsdorf, denn am 11.10.1985 ereignete sich hier aufgrund eines Signalfehlers ein Zugunglück, wo 13 Menschen starben. Ja, der Arbeitskollege, mit dem ich in Berlin meinen Betriebswirt gemacht habe, lebt auch nicht mehr… tödlicher Verkehrsunfall… und ich schimpfe manchmal über Kleinigkeiten und sollte zufriedener sein.

Und den Test habe ich heute bestanden, ein Wegweiser war durch den Wind um 180 Grad gedreht und ich lief trotzdem den richtigen Weg. Weil ich gelassener und zufrieden bin.

Die gut geschilderte Wanderstrecke führte mich häufig an der Bahnstrecke nach Marienborn/Helmstedt entlang. Zur Gedenkstätte deutsche Teilung in Marienborn führte mich der Weg leider nicht, denn der Jakobsweg ging über die Magdeburger Warte (Grenzposten an der B1). Wieder ein Gedanke: mein Geburtsort Hemmendorf liegt auch an der B1.

Da der Steinstempel nicht funktionierte habe ich mir bei der Caritas in Helmstedt einen Stempel für mein Pilgerheft geholt.

Ein spannender Tag mit tollen Weitblicken in der Magdeburger Börde geht zu Ende. Der Zug hat mich zurück nach Eilsleben gebracht. Jetzt duschen und dann in schöne Erinnerungen schwelgen.

Nachtrag: 28,46 Kilometer.


24.02.2021

Sabine die Erste, Nobelviertel und Geringverdiener

Mit einem leckeren Frühstück startete ich in den heutigen Tag. Natürlich war gerade letzte Nacht die Gasflasche im Wohnmobil leer, egal, ich musste mir eben bis zum Umstecken warme Gedanken machen…

Mit dem Zug fuhr ich nach Helmstedt, um die Teilstrecke nach Eckerode über den Elm auf dem Braunschweiger Jakobsweg wandern zu können. Es sollte die bisher schönste Wegstrecke meiner Kurzpilgerung werden.

Nach knapp 10 Kilometer erreichte ich bei herrlichem Wanderwetter das Dorf Räbke. Das Dorf mit den sieben Mühlen. Mehrfach ausgezeichnet im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Der Ort wurde sogar Bundessieger. Verdient!

In einer Mühle befindet sich die Pilgerherberge, ich konnte nur durchs Fenster reinschauen, großzügig und offen. Paul, der 85jährige Schreiner erzählte mir, dass kürzlich die Eigentümerin mit 101 Jahren verstorben ist und den gesamten Komplex dem Dorfverein vermacht hat. Die gesamte Dorferneuerung wird seit Jahren vorangetrieben und hat mit den Auszeichnungen seinen Höhepunkt gefunden. Klasse.

Ich habe Paul gern zugehört, denn früher war ich auch in dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ involviert. Übrigens, bei meinem Frühstück habe ich zwei der natürlichsten Äpfel gegessen, die kommen vom Naturhof Graes bei Ahaus. Landwirt ist übrigens mein Schwiegersohn.

Meine Wanderstrecke führte mich dann vorbei an restaurierten Bauernhöfen zum Dorf Lelm. Auch hier alles im Dorf restauriert…. besonders einladend die offene Pilgerkirche. Stempelzeit.

Schnell war ich in Königslutter beim Kaiserdom. Tolle offene Kirche mit schönem Kreuzgang. Sabine passt hier auf, weil im letzten September Kinder und Erwachsene Unfug betrieben und einen großen Schaden verursacht haben. Corona lange Weile….

Sabine ist 71 und sehr stark engagiert in den örtlichen Vereinen, besonders beim DRK. Sie war die erste Rettungssanitäterin im Landkreis Helmstedt. Hat sechs Kinder großgezogen und eigentlich nie Pause gemacht. Es gibt Parallelen zu meiner Mutter.

Ab Königslutter ging es ca. 150 Höhenmeter rauf auf den Elm. 2,5 Kilometer im stetigen Anstieg. Ich entschied mich für den linken Weg Richtung Erkerode – ein toller Panoramablickweg.

Über diesen Weg kam ich direkt nach Eckerode in ein seit Jahren bestehendes Nobelviertel mit Architektenhäusern. Viele E-Autos als Zweitwagen vor der Tür. Der weltgrößte Autobauer in Wolfsburg lässt grüßen.

Zwei Jungs, vielleicht 10 Jahre alt, fuhren mit ihren Fahrrädern an mir vorbei. Einer grüßte mich, der andere rief vom Berg: „Beeil dich du Geringverdiener….“

Und zum Schluss eine gute Nachricht von meinen Füßen: der etwas kleinere Wanderschuh passt besser und es gibt keine Blasen.


25.02.2021

Andreas Edel, Massage und Irrer

Mit dem Zug um 8.00 Uhr bin ich am letzten Tag meiner Kurzpilgerung nach Magdeburg gefahren. Heute sollte das letzte Teilstück in Sachsen-Anhalt auf dem Jakobsweg geschafft werden.

Zuletzt war ich vor 30 Jahren in Magdeburg – dienstlich. Eine Erinnerung ist mir geblieben: ein jugendlicher Kunde ließ sich beraten und auf seiner Schulter krabbelte eine große zahme Ratte. Ekelig.

Vom Bahnhof bin ich direkt zum Dom gepilgert. Das Museum hatte schon auf. Auf der Suche nach einem Pilgerstempel wurde ich zunächst abgewimmelt, dann doch fündig – in der Poststelle. Der Stempel stammte allerdings von der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg. Jetzt bin ich ein Irrer….

Zwei kleine Begebenheiten zum Nachdenken:
– Um 9.30 Uhr wurde Senioren bereits das Mittagessen geliefert.
– Ein Rentner schob täglich eine leere Bierkiste im Bollerwagen.

Endlich raus aus Magdeburg. Ich mag den Krach der Großstädte nicht mehr. Auf der Autobahnbrücke A2 winkte ich Autofahrern zu. Neun von zehn winkten zurück. Einer nicht. Ein Mercedesfahrer.

In Ochtmersleben hatte ich dann eine außergewöhnliche Begegnung. Ein Radfahrer fragte mich, ob ich auf dem Jakobsweg sei. Er schenkte mir einen eigenen Pilgerstempel. Andreas Edel. Er pilgert seit 2005 durch Deutschland und sammelt Einträge von Bischöfen und Ministerpräsidenten. Ich durfte auch schreiben: „Ich bete für Dich Andreas“.

Nach 35,5 Kilometern kam ich müde zurück. Meine Gedanken waren bei Andreas.
Jetzt geht es heimwärts. Ich freue mich auf meine Frau. Sie hat mir sehr gefehlt.


26.02.2021

Fuchs, Steine verstecken und Kurzfazit

Ich bin wieder zu Hause von meiner Pilgertour von Magdeburg bis Erkerode. Der Kopf ist wieder freigepustet.

Vermissen werde ich den Fuchs, der jeden Abend pünktlich um 19.15 Uhr seinen Rundgang zu den Papierkörben am Bahnhof Eilsleben gemacht hat.

Eine schöne Aktion aus Ochtmersleben: bunt bemalte Steine verstecken, andere sollen sie finden und weiterverstecken. Eine tolle Idee.

Es waren schöne drei Pilgertage. Gut, dass ich Sabine und Andreas getroffen habe. Jede Begegnung bringt mir etwas Wertvolles.

Mit Abstand war die Strecke von Helmstedt nach Erkerode über Königslutter die schönste. Besonders anstrengend war der Abschnitt Magdeburg – Eilsleben mit viel Asphalt.

Die Tageskilometer werden in Zukunft deutlich weniger. Ich muss niemandem etwas beweisen.

05.03.2021

Wunder von Lengede, NDR – Recherche und RTL

Ziemlich spontan hatte ich mir vorgestern überlegt, heute die Teilstrecke von Vechelde nach Hoheneggelsen über Lengede auf dem Braunschweiger Jakobsweg zu wandern. In meinem Geburtsjahr 1963 war in Lengede ein schweres Grubenunglück. Mehrere Hunderttausend Liter Wasser strömten in den Tagebau. Ich wusste das noch, davon haben meine Eltern oft erzählt. Recheriert habe ich auf ndr.de und habe viele Informationen bekommen. Zeitzeugen berichteten in unterschiedlichen Dokumentationen. Einfach alles tragisch, aber es gab ein Wunder.

Mit dem Zug fuhr ich früh nach Vechelde. Dort endete zuletzt ein Teilstück des Jakobswegs von mir im August 2020. Über herrliche freie Landschaft wanderte ich durch das Bauerndorf Bodenstedt. Hier gibt es einen Dorftreffpunkt in einem denkmalgeschützten Gebäude mitten im Ort. Das Programm mit mindestens einer wöchentlichen Veranstaltung in 2020 lässt auch für 2021 hoffen. In meinem früheren Arbeitsort in Osterwald haben engagierte Bürger eine alte Kneipe zu einem Treff umgebaut. Ich hätte dort auch einen Vortrag gehalten, aber es kam ja bekannterweise anders.

Kurz vor Lengede führte mein Weg durch ehemaliges Abbaugelände. Heute sind hier Teiche und kleine Wälder. Dann erreichte ich die kleine Gedenkstätte. Nichts mehr zu sehen von großen Fabriken. Eine Dauerausstellung ist im Rathaus, kein Museum. Obwohl es ein besonders trauriges aber auch ein wundervolles Ereignis in der Deutschen Geschichte war.

29 Bergleute verloren ihr Leben und drei Kameraden konnten mit schwerem Bohrgerät, was extra aus dem Ruhrgebiet geholt wurde, gerettet werden. Die weitere Suche nach noch vermissten Bergleuten wurde nach tagelanger Suche abgebrochen. Alle da noch Vermissten wurden für tot erklärt und die Familien haben ein Beerdigungsentgelt von je 500 DM erhalten.

Einige Kumpels wollten das alles nicht wahrhaben und bedrängten den Bergwerksdirektor den Auftrag zu erteilen, weiter zu suchen. Es erfolgte eine Testbohrung und tatsächlich wurden Geräusche aus 60 Meter Tiefe wahrgenommen. Mit Mikrofonen des NDR konnte Kontakt zu den Verschütteten hergestellt werden und das nach über 10 Tagen.

Die Bergung erwies sich als schwierig. Das bereits auf dem Weg zurück ins Ruhrgebiet befindliche Bohrgerät wurde mit Polizeieskorte zurückgeholt. Die zweite Bergung begann. Mittlerweile besuchte auch Bundeskanzler Erhard die Unglücksstätte und sprach Zuversicht aus. Er kam mit einer schwarzen Limousine, ein ähnliches Modell, nur in einer anderen Farbe, habe ich heute gesehen.

Letztendlich konnten 11 Bergleute nach fast 14 Tagen gerettet werden. Einmalig, ein echtes Wunder. An sechster oder siebter Stelle kam der Bergmann Helmut Wibranetz heraus. War ich mit dem verwandt? Mein Vater lebte als Pflegekind in der Familie Dobrowald und die Schwester Inge heiratete einen Kurt Wibranetz in Hemmendorf.

So etwas kann nur mein ältester Bruder wissen: tatsächlich lebt ein Helmut Wibranetz in Bad Harzburg und ist verwandt mit uns. Und der Ehemann Kurt von meiner Tante Inge ist sogar der Patenonkel von meinem ältesten Bruder. Zufälle gibt es immer wieder, aber ob es der gerettete Bergmann ist? Vielleicht ja, vielleicht nein.

Ach so, die Geretteten mussten das Beerdigungsentgelt zurückzahlen. Und warum gerade um 10:51 Uhr die Glocken läuteten, als ich auf der Gedenkstätte war, wusste ich erst später. Es war eine Beerdigung und in der Kirche habe ich mir einen Pilgerstempel geholt.

Außerhalb von Lengede führte mich der Weg nicht an der Bahn entlang nach Steinbrück. Vorher traf ich ein Auto von RTL. Hier in der Region baut Tennet Überlandleitungen und Windräder. Warum ein Abschnitt abgezäunt war und dort Stäbe mit Flatterband hingen, weiß ich nicht.

Um 14.30 Uhr war ich dann schon in Hoheneggelsen und ab ging es mit Zug und Bus nach Hause. Immerhin 23,5 Kilometer Wanderleistung. Hat natürlich nur aufgrund der Stärkung mit dem Marzipanschwein, geschenkt von meiner Frau, funktioniert. Ein Geschichtstag geht zu Ende.


16.03.2021

Feldhase, Pastor „Ecki“ Hallemann und Uppen

Heute war ich unterwegs auf meinem vorletzten Wanderabschnitt von Hoheneggelsen nach Ottbergen auf dem Braunschweiger Jakobsweg. Bereits um 8.04 Uhr startete ich am Bahnhof in Hoheneggelsen. Diesmal ging es über den Radweg bis nach Feldbergen. Das war noch richtig frisch heute Morgen, aber wie immer hatte ich die passende Kleidung an.

In Hoheneggelsen habe ich etwas bisher noch nicht Bekanntes gesehen: ein Kolumbarium. Dort ist eine oberirdische Beisetzung von Urnen durch sichtbare Wand- und Glaskuben in der Kirche möglich. Die Errichtung war 2012 deutschlandweit für eine Landgemeinde einmalig.

Kurz vor Bettrum begegnete ich fünf Hasen. Ein Feldhase kam mir auf dem Feldweg entgegen. Erst etwa zehn Meter vor mir bemerkte er mich und schlug schnell einen Haken. Ich konnte es mir nicht verkneifen, wie bei unserer Hündin Bella „feines Häschen“ zu rufen.

Der Braunschweiger Jakobsweg führte mich direkt an der St.-Martins-Kirche in Bettrum vorbei. St.-Martins-Kirchen liebe ich. Eine sehr gepflegte Kirchenanlage und auf dem Nachbargrundstück ein restauriertes Fachwerkhaus als Jugendheim. Echt toll gemacht hier.

Im Schaukasten las ich dann: Pastor „Ecki“ Hallemann mit 61 Jahren verstorben. Ich kannte ihn nicht, aber es muss ein besonderer Mensch gewesen sein. Er hatte die Idee mit dem Kolumbarium in Hoheneggelsen, sammelte als Don Camillo und Peppone für einen guten Zweck, engagierte sich für die Jugend und sorgte für das schicke Fachwerkhaus.

Seit seinem Tod am 21. Februar 2021 hat auch keiner mehr das Stempelkissen vom Pilgerstempel getränkt. Hoffentlich lebt die Kirchengemeinde in seinem Sinne weiter.

Die Pilgerkirche in Nettlingen hat eine neue Tür bekommen, aber Pilgerschild und Stempel fehlten. Auch das muss wieder werden. Über Wöhle wanderte ich dann zum Wallfahrtsort Ottbergen.

Die Strecke von Hildesheim bis Ottbergen bin ich fast vor einem Jahr gewandert. Eine beschauliche Kreuzkirche oben auf dem Berg. Diesmal bin ich die Lindenallee hinuntergewandert und habe die Keramikbilder in den Steinstelen bewundert. Tolle Gebetsstationen.

In der Mariengrotte habe ich mir Zeit zum Beten genommen. Hat nicht weh getan.

In der Klosterkirche im Ort habe ich den ersten und einzigen Pilgerstempel bekommen. Mit dem Bus ging es dann nach Hildesheim zurück, nach über 22 Kilometer Wanderstrecke. Natürlich fuhr der Bus auch durch den Ort Uppen. Links die Autobahn A7, rechts die Bundesstraße 6. Krass, dass Menschen hier bei diesem Lärm wohnen können.

Jetzt fehlt mir nur noch der letzte Wanderabschnitt von Alfeld über Kloster Amelungsborn nach Höxter. Das mache ich aber erst, wenn eine Übernachtung in Amelungsborn wieder möglich ist. Bis dahin freue ich mich schon darauf.

8.08.2021

Regionalbischof Eckhard Gorka, Kloster Amelungsborn und geschnürte Wanderschuhe

Endlich ist es wieder so weit… ich kann die Wanderschuhe wieder schnüren. Am nächsten Mittwoch, 25. August 2021, wandere ich die letzten Etappen auf dem Braunschweiger Jakobsweg von Alfeld über Kloster Amelungsborn nach Höxter. Damit habe ich dann meinen dritten Jakobsweg in Deutschland vollständig erwandert.

Zur Übernachtung bin ich fest in der Pilgerherberge im Kloster Amelungsborn angemeldet. Stramme 60 Kilometer werden es in zwei Wandertagen. Und vielleicht treffe ich dort den jetzt in Pension gegangenen Hildesheimer Regionalbischof Eckhard Gorka, der noch bis zum 70. Lebensjahr Abt vom Kloster Amelungsborn bleibt.

Mal sehen, was sich Pensionäre so zu erzählen haben. Der Bischof ist eine herausragende Persönlichkeit und hat in seinem Leben schon viel erlebt, unter anderem war er Notfallseelsorger beim Zugunglück von Eschede vor über 20 Jahren. Ich gehöre zwar zur anderen Fakultät, aber heute wird die Ökumene doch sehr mit Leben erfüllt.

Seid gespannt auf meine Pilgerberichte.


25.08.2021

Machete, Brummhilde und roter Fuchs

Gleich heute Morgen bin ich mit dem Bus nach Alfeld gefahren, um den vorletzten Abschnitt auf dem Braunschweiger Jakobsweg bis zum Kloster Amelungsborn zu wandern. Das erste Mal nach einem Jahr wieder mit vollgepacktem Rucksack, denn in den Corona-Zeiten hatte ich mich auf Tagestouren beschränkt. Oh ja, das war ungewohnt mit fast neun Kilogramm auf dem Rücken zu wandern.

Schön, dass meine Frau mich mit reichlich Proviant versorgt hat, aber das muss halt auch getragen werden.

Der Braunschweiger Jakobsweg ist in diesem Abschnitt noch nicht geschildert, einzig die Orte der Strecke sind genannt. Orientiert habe ich mich am Fernwanderweg E11. Auf dem Weg zu meinem ersten Durchgangsort Gerzen kam ich an vielen leerstehenden und sanierungsbedürftigen Häusern vorbei. Ist irgendwie auch klar, die Bundesstraße 3 läuft mitten durch Gerzen.

Richtung Grünenplan hätte ich schon eine Machete zum Freischneiden der Wanderwege gebraucht. Logisch, denn ohne Ausschilderung läuft hier keiner lang – nur ich. Wenn mich die Organisation des Braunschweiger Jakobswegs fragen würde, ich würde noch einmal laufen und Jakobsmuschelschilder anbringen.

Am Wanderparkplatz oberhalb von Grünenplan habe ich mich für den Weg durch den Glasmacherort Grünenplan entschieden. Dort gibt es die Firma Schott, die das dünnste Glas der Welt herstellt, und das in einem kleinen Bergort.

Nach der ersten Pause ging es nur noch bergauf. Vorher habe ich aber noch Brummhilde getroffen und kennengelernt, eine tolle Aktion der örtlichen Kulturinitiative. Die kleine Hummel hat mich auf meinem weiteren Weg begleitet und sich im Blütenstaub gewälzt.

Die Steigung zum Roten Fuchs hatte es mit 175 Höhenmetern in sich. Insgesamt sollten es heute über 350 Höhenmeter werden, bei 29,43 Kilometern Gesamtstrecke und über 39.000 Schritten.

Natürlich hatte das Restaurant „Roter Fuchs“ geschlossen. Abweichend von der beschriebenen Tour habe ich den zukünftigen Originalweg Richtung Wickensen genommen. Gefühlt hatte ich meine Beine und Hände wieder als Machete im Einsatz.

Vor Wickensen kam ich in Holzen noch unterhalb der Grube Gustav an einem KZ-Ehrenfriedhof vorbei. Hier gab es im Bergbau Hils ein Konzentrationslager. Schreckliche Erinnerungen. Wiederholt sich Geschichte in Afghanistan?

Auch durch Stadtoldendorf musste ich wandern. Die Stadt mit ihren Läden ist gestorben, fast alles zu. Um 18.00 Uhr hatte ich nach neun Stunden das Kloster Amelungsborn erreicht. Eine tolle Pilgerherberge mit Badewanne, Küche, Waschmaschine und Trockner.

Jetzt ist Fußpflege und Badewannen-Wellness angesagt.


27.08.2021

Froschschranke, Duschhaube und natürlich Allersheimer

Morgens acht Uhr fünfzehn im Kloster Amelungsborn. Großes Frühstück für Wanderbruder, Stärkung für die letzte Etappe auf dem Braunschweiger Jakobsweg. Den Abt habe ich leider nicht getroffen, vielleicht beim nächsten Mal.

Die heutige Strecke verlief über Negenborn, Duhnemühle, Bevern, Allersheim, Holzminden, Lüchtringen, Kloster Corvey und Höxter.

Kurz vor Negenborn auf der K71 sah ich von weitem eine Schranke. Weit und breit keine Bahnschienen. Hundert Meter weiter wusste ich warum. Ein Schild mit Froschmotiv: 18 bis 8 Uhr Durchfahrt verboten. Hier wird eine Straße nur für Frösche gesperrt, weil sich offenbar keiner an Verbotsschilder hält.

Ich frage mich, warum nicht der gleiche Maßstab vor Kindergärten und Schulen gilt. Oder gibt es hier nicht nur lebende Esel?

Dann kam ich zur wichtigsten Stempelstelle auf dem Braunschweiger Jakobsweg, der Brauerei Allersheimer. Ich habe gute Erinnerungen an schöne Abende mit alten Kameraden. Zwei Mitarbeiterinnen luden mich freundlich auf ein Bier ein, ich musste aber ablehnen, da noch viele Kilometer vor mir lagen.

Rauf und runter ging es bis nach Bevern mit dem Schloss im Mittelpunkt des Ortes. Über Holzminden führte mich der Weg direkt an der Weser entlang nach Nordrhein-Westfalen Richtung Höxter.

Holzminden und Höxter sind sich spinnefeind, aber landschaftlich ist dieser Abschnitt wunderschön. Über die Weserbrücke in Lüchtringen ging es weiter zum Welterbe Kloster Corvey. Ein besonderer Ort mit viel Geschichte.

Und dann, nach vielen Kilometern, kam ich in Höxter an. Ziel erreicht. Der Braunschweiger Jakobsweg ist für mich komplett. Glücklich, zufrieden und dankbar stand ich am Ende dieses Weges.

27.08.2021

Mein Pilgerfazit zum Braunschweiger Jakobsweg

Ich bin wieder zu Hause von meiner Pilgertour von Magdeburg bis Höxter auf dem Braunschweiger Jakobsweg. Der Kopf ist wieder freigepustet und offen für alles Schöne auf dieser Welt. Erstaunlich, was Pilgern mit einem macht. Tut richtig gut.

Mit diesem Jakobsweg habe ich nun meinen dritten Jakobsweg in Deutschland vollständig erwandert. Jeder Weg war anders, jeder Weg hatte seine eigenen Herausforderungen, Begegnungen und Gedanken. Und jeder Weg hat Spuren hinterlassen – nicht nur an den Füßen.

Besonders in Erinnerung bleiben mir die vielen Begegnungen mit Menschen unterwegs. Kurze Gespräche, kleine Gesten, ehrliche Worte. Pilgern entschleunigt, macht offen und lässt einen genauer hinschauen. Auf sich selbst und auf andere.

Landschaftlich war der Braunschweiger Jakobsweg sehr abwechslungsreich. Von weiten Feldern über Mittelgebirge bis hin zu historischen Orten und Klöstern. Mit Abstand war für mich die Strecke von Helmstedt über Königslutter nach Erkerode eine der schönsten. Herausfordernd waren dagegen lange Asphaltpassagen, insbesondere im Bereich von Magdeburg.

Ich habe wieder gemerkt, dass ich keinem etwas beweisen muss. Weder durch besonders viele Kilometer noch durch Geschwindigkeit. Pilgern ist kein Wettkampf. Es geht um den Weg, nicht um Zahlen.

Dankbar bin ich auch für die Unterstützung meiner Frau, die mir immer wieder den Rücken freihält, mich versorgt und meine Leidenschaft mitträgt. Ohne sie wären viele Wege nicht möglich.

Der Braunschweiger Jakobsweg ist abgeschlossen. Aber das Pilgern geht weiter. Neue Wege werden kommen – irgendwann, irgendwo. Und ich freue mich jetzt schon darauf.

Und in dieser pdf ist der gesamte Text inkl. Bilder enthalten.