Bereits um 7.45 Uhr ging es in Bad Rappenau los, hinein in den Jakobsweg zwischen Rothenburg ob der Tauber und Speyer. Es war frisch, die Luftfeuchtigkeit hoch, dieser feine Dunst, der alles einhüllt und den Tag langsam freigibt. Kurz nach 12 Uhr wollten wir unser Ziel erreichen, denn heute stand der Bundesliga-Spieltag Hoffenheim gegen den Hamburger SV an. Irgendwie lief es von Beginn an erstaunlich rund. Wir machten kaum Pausen und kamen auf einen Schnitt von fast fünf Kilometern pro Stunde. Thomas hatte nur einen leichten Rucksack, da er zu Hause übernachtet hat, und bestimmte das Tempo. Ich ließ mich gern mitziehen.
In Babstadt kamen wir an der örtlichen Fleischerei vorbei. Viele Menschen standen bereits an der Theke, und Thomas schaute mit sichtlicher Sympathie für ein Brötchen mit Fleischkäse hinüber – aber Zeit für einen Stopp war heute nicht. Der Zeitplan saß im Nacken, der Weg rief weiter.
Kurz darauf erreichten wir Grombach, ausdrücklich ohne K, und liefen direkt an der Firma ZAGRO Bahn- und Baumaschinen GmbH vorbei. Ein beeindruckendes Unternehmen mit Sitz in Bad Rappenau-Grombach, Weltmarktführer für Rangier- und Zweiwegetechnik. Hier werden Unimogs so umgebaut, dass sie sowohl auf der Straße als auch auf Schienen fahren können. Zweigleisig im besten Sinne. Das Testgelände ist riesig, der Anblick der Maschinen beeindruckend. Man spürt sofort, dass hier mit viel Know-how und Leidenschaft gearbeitet wird. Danach führte der Weg weiter durch hohes Gras, und es dauerte nicht lange, bis die Schuhe nass waren. Gehört dazu.
Schloss Neuhaus tauchte wenig später vor uns auf, eindrucksvoll und würdevoll, heute eine Eventlocation. Danach ging es weiter Richtung Steinsfurt. Dort legten wir eine Pause ein, wärmten uns mit heißem Tee und aßen den leckeren selbstgebackenen Stollen von Ute, der Frau von Thomas. In diesem Moment war alles stimmig: sitzen, trinken, durchatmen, kurz innehalten.
Hinter Steinsfurt führte der Weg am Technikmuseum Sinsheim vorbei. Dort steht tatsächlich eine Concorde der Air France, gut sichtbar von außen. Heute jedoch war der Blick schon weiter nach vorne gerichtet. Der Elfmeter, der Gastrobereich vor dem Stadion, rückte näher. Ich wärmte mich dort mit einem Glühwein auf.
Nach exakt 20,77 Kilometern und genau um 12.15 Uhr ist das Ziel „Hotel Bär“ in Sinsheim erreicht. Das Zimmer war bereits bezugsfertig, das hatte ich am Vortag organisiert. Rucksack ab, unter die heiße Dusche – für den Moment war die Pilgeretappe beendet.
Aber der Tag war noch nicht vorbei. Kurz darauf ging es wieder los, zurück Richtung Stadion. Einen südländischen BMW-Fahrer fragte ich nach dem Weg zum Bahnhof. Er: Steig ein, ich bringe dich hin. Ich glaube es war ein 8er BMW. Einfach so. Solche Begegnungen bleiben hängen. Um 13.30 Uhr war ich am Elfmeter. Thomas, seine Tochter Felice und Susanne, von der Kreuzfahrt, kamen dazu. Der Treffpunkt funktionierte hervorragend, ein entspannter Einstieg in den Spieltag.
Das Stadion der TSG Hoffenheim ist modern, übersichtlich, von jedem Platz dürfte man gut sehen. „Vom Dorf in die Welt“ lautet das Motto, und tatsächlich liegt direkt vor dem Stadion ein kleiner Dorfplatz, zugänglich nur für Hoffenheim-Fans. Inkognito durfte ich mit hinein. Familiäre Atmosphäre, ruhig, fast gemütlich. Die Sicherheitskontrolle und Versorgung im Stadion selbst wirkten dagegen unorganisiert. Getränke holen vor dem Spiel oder in der Halbzeit war kaum möglich, ohne Teile des Spiels zu verpassen.
Zum Spiel selbst ist schnell alles gesagt. Der HSV verliert 4:1 in Hoffenheim. Bereits zur Halbzeit stand es 2:0. Die Abwehr wirkte unsortiert, das Spiel insgesamt zerfahren. Neben mir saß eine Frau, die ununterbrochen über Fußball sprach, ohne wirklichen Bezug zum Geschehen. Umso wohltuender war Susanne, die mit klarem Blick und Fachwissen analysierte. Kein Wunder, sie war lange zweite Vorsitzende in ihrem Heimatverein. Am Ende war es ein schwaches Spiel beider Mannschaften, mit einem verdienten Sieger.
Durchgefroren und müde gratulierte ich Felice und Thomas fair zum Sieg, die waren natürlich im Fanblock. Große Lust auf weitere Programmpunkte hatte niemand mehr. Also machte ich mich zu Fuß auf den Rückweg zum Hotel. Schritt für Schritt, raus aus dem Trubel, zurück in die Ruhe.
Ein langer Tag. Viel Weg. Viele Eindrücke. Und genau deshalb bleibt er.






















