In sechs Tagen geht es los.
Die Route steht, die Etappen sind geplant, Bahnverbindungen geprüft und das Wohnmobil ist vorbereitet. Vor mir liegen rund 300 Kilometer auf einem der Brandenburger Jakobswege – von Frankfurt (Oder) bis Leipzig und anschließend weiter in die Oberlausitz.

Eigentlich schien alles klar. Eine klassische Pilgerwanderung mit sorgfältiger Vorbereitung, festen Tagesabschnitten und der Vorfreude auf das Unterwegssein.

Doch dann kam eine Nachricht, die diese Tour unerwartet verändert hat.


Eine Mail kurz vor dem Start

Durch den Kontakt mit Silvia Jonas von der St.-Jakobus-Gesellschaft wurde mir erst jetzt bewusst: Der Jakobsweg zwischen Frankfurt (Oder) und Leipzig ist noch gar nicht vollständig ausgeschildert.

Die Wegebeauftragten arbeiten derzeit gemeinsam mit den Gemeinden an der Markierung. Bislang konnte nur der Abschnitt Frankfurt (Oder) bis Lübben beschildert werden. Danach verschwindet die gelbe Muschel – zumindest vorerst – aus der Landschaft.

Das bedeutet: Ab Lübben endet die gewohnte Orientierung am Weg.

Keine Pfeile an Laternenpfählen.
Keine Muscheln an Bäumen.
Keine sicheren Abzweighinweise.

Stattdessen werde ich mich ausschließlich an GPS-Daten orientieren müssen.


Pilgern auf einem Weg im Entstehen

Damit wird diese Wanderung mehr als nur eine Strecke von A nach B. Ich bewege mich auf einem Pilgerweg, der sich noch im Aufbau befindet – einer Route, die bereits geplant ist, aber vielerorts erst noch sichtbar werden muss.

Navigation bedeutet diesmal, ständig aufmerksam zu bleiben, Karten mit der Realität abzugleichen und Entscheidungen selbst zu treffen. Wege, die auf der digitalen Linie eindeutig wirken, können draußen ganz anders aussehen. Genau darin liegt eine besondere Spannung: Schritt für Schritt einem Jakobsweg zu folgen, der gerade erst entsteht.


Ein klarer Auftrag unterwegs

Mit der Information kam zugleich eine Bitte der Jakobusgesellschaft. Während meiner Tour soll ich genau hinschauen und meine Eindrücke weitergeben:

  • Sind Wege gut begehbar?
  • Gibt es beschädigte Abschnitte?
  • Wo besteht Handlungsbedarf für Pilger?

Meine Wanderung wird damit gleichzeitig zu einer praktischen Bestandsaufnahme für einen zukünftigen Pilgerweg. Nach der Rückkehr gehen meine Erfahrungen direkt an die Wegebeauftragten – und die Gesellschaft möchte anschließend auf meine Berichte verlinken.

Ein klarer Arbeitsauftrag also: gehen, beobachten, dokumentieren.


Zwei völlig unterschiedliche Wegerlebnisse

Gerade das macht diese Tour besonders spannend. Während der Abschnitt von Frankfurt (Oder) bis Leipzig teilweise noch ohne durchgehende Beschilderung auskommt und echte Eigenorientierung verlangt, wartet danach ein Kontrast:

Der zweite Teil von Görlitz über Hirschfelde bis Zittau und zur Himmelsbrücke ist bereits vollständig ausgeschildert. Dort führt die Muschel wieder zuverlässig durch die Landschaft, entlang der Neiße und hinein in die Oberlausitz – ein Abschnitt, der deutlich ruhiger und flüssiger zu gehen sein wird.

Erst Orientierung nach GPS, später klassisches Pilgern mit Wegzeichen – zwei Welten innerhalb einer einzigen Reise.


Der Countdown läuft

Noch sechs Tage bis zum Start an der Oder.
Noch sechs Tage bis zu einem Jakobsweg, der sich zwischen Planung und Wirklichkeit bewegt.

Vielleicht ist genau das der Kern dieser Tour: nicht nur einem Weg zu folgen, sondern dabei zu helfen, ihn sichtbar zu machen.

Ich nehme euch wie immer mit – direkt vom Weg, Schritt für Schritt, ehrlich und ungefiltert: www.wanderbruder.de

Buen Camino – der Wanderbruder

Von Bernhard Kruppki

Jahrgang 1963, Sparkassenbetriebswirt, jetzt Pensionär, 1. Vorsitzender, Pressewart und stv. Wanderwart beim SC Barienrode e.V., Gesetzlicher ehrenamtlicher Betreuer von neu: fünf lieben Menschen.

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