Manchmal passt einfach alles zusammen:
Sonne, 17 Grad, leichter Wind – und ein Geburtstag.
Genau unter diesen Bedingungen startete ich heute in Eilenburg zu meiner letzten Etappe auf diesem Abschnitt des Jakobswegs von Frankfurt/Oder nach Leipzig. Ein schöner Tag für einen Pilger – und offenbar auch für Rehe, denn gleich zu Beginn standen sie ruhig auf einem Feld und beobachteten den Wanderer, als wollten sie kontrollieren, ob ich auch wirklich den richtigen Weg nehme.
Der heutige Routenverlauf
Start: Eilenburg
Berg
Wölpern
Bötzen
Jesewitz
Weltewitz
Gordemitz
Pönitz
Seegeritz
Plaußig-Portitz
Thekla
Schönefeld
Leipzig
Tagesleistung: 31,1 Kilometer.
Schon wieder ein Dreißiger.
Und das an meinem Geburtstag.
Danke übrigens für die vielen Glückwünsche – sie haben den Rückenwind heute eindeutig verstärkt.
Lutherweg trifft Jakobsweg
Der Weg verlief erneut auf dem Lutherweg, der in diesem Abschnitt identisch mit dem Jakobsweg von Frankfurt/Oder nach Leipzig ist.
Das Problem:
Die Beschilderung war heute teilweise erstaunlich kreativ verteilt.
Vor allem 30-km/h-Schilder und Ortsschilder fehlten auffällig oft.
Meine Theorie:
Hier haben wohl einige gerade ihren 30. Geburtstag gefeiert, und ein Ortsschild macht sich in einer Kellerbar schließlich ausgesprochen dekorativ.
Weltfrauentag und Sonntagsarbeit
Heute war außerdem International Women’s Day.
Bei Gordemitz sah ich einen Mann bei schwerer Gartenarbeit.
Ich rief ihm lachend zu:
„Sonntagsarbeit haben die Gewerkschaften verboten!“
Die Antwort kam schneller als jeder Aufschlag im Tennis:
„Wir können doch nicht alle so faul sein – das fällt sogar dem Bundeskanzler auf!“
Man merkt:
Auf dem Land wird Politik noch direkt im Garten diskutiert.
Begegnung mit einem Ölkäfer
Unterwegs entdeckte ich außerdem einen Ölkäfer.
Ein faszinierendes Tier: tiefschwarz, etwas schwerfällig unterwegs und bekannt dafür, eine ölartige Flüssigkeit abzusondern, die den Stoff Cantharidin enthält. Früher wurde dieser Stoff sogar medizinisch verwendet, heute weiß man:
Mit diesem Käfer legt man sich besser nicht an.
Ich habe ihm daher respektvoll den Weg überlassen.
Unter der Autobahn – und dann Umleitung
Kurz vor Thekla ging es unter der Autobahn A14 hindurch.
Dann kurz vor dem Ziel die Überraschung:
Jakobsweg gesperrt.
Also drei Kilometer extra.
Pilger lernen schnell:
Der Weg hat immer noch eine kleine Zusatzidee parat.
Sportverbände und alte Erinnerungen
Die Umleitung hatte aber auch etwas Gutes.
Plötzlich stand ich vor dem Gelände des Sächsischer Fußball-Verband und des Sächsischer Tennis Verband.
Sofort wurden Erinnerungen wach – an Aufenthalte beim Niedersächsischen Fußballverband in Barsinghausen.
Und natürlich an die legendäre Kümmerlingrunde.
Ich meine: 64 bilden einen Kranz.
Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
Schloss Schönefeld und endlich wieder Muscheln
Weiter ging es vorbei am Schloss Schönefeld, wo ein besonders schöner Wegweiser des Jakobswegs steht.
Ab Plaußig wurde der Weg endlich wieder zuverlässig markiert – mit der berühmten Muschel, dem klassischen Symbol des Jakobswegs.
Man fühlt sich sofort wieder ein bisschen besser orientiert.
Ein besonderer Moment vor Leipzig
Von Norden kommend näherte ich mich schließlich Leipzig.
Und plötzlich traf ich auf die Via Regia, den Ökumenischen Pilgerweg, den ich 2020 bereits gepilgert bin.
Ein besonderer Moment.
Ein Weg trifft einen anderen Weg – und ein paar Erinnerungen gleich mit.
Demonstration zum Weltfrauentag
In Leipzig selbst herrschte heute ordentlich Betrieb, denn zum Weltfrauentag fand eine große Demonstration statt.
Viele Menschen, viele Plakate, viel Stimmung in der Stadt.
Und an dieser Stelle möchte ich natürlich auch allen Leserinnen meiner Berichte herzlich zum Weltfrauentag gratulieren. 🌸
Eis vor dem Ziel
Kurz vor dem Ziel gönnte ich mir ein Eis.
Pilger wissen:
Ein Eis kurz vor dem Ziel ist keine Schwäche.
Es ist strategische Energiezufuhr.
Bach und die Thomaskirche
Dann tauchte sie auf:
die St. Thomas Church.
Hier wirkte jahrzehntelang Johann Sebastian Bach als Thomaskantor, einer der größten Komponisten der Musikgeschichte.
Wenn man davor steht, merkt man sofort, dass dieser Ort mehr ist als nur eine Kirche.
Hier ist Musikgeschichte geschrieben worden.
Ziel erreicht – und zurück nach Eilenburg
Nach 31,1 Kilometern war das Ziel erreicht.
Noch ein Dreißiger.
Dann ging es mit dem Zug zurück nach Eilenburg und das Wohnmobil nach Hirschfelde mit dreistündiger Fahrzeit umgesetzt.
Wie es weitergeht
Morgen wartet bereits der nächste Abschnitt:
der Zittauer Jakobsweg.
Zwei Tage.
Denn mein Ziel ist klar:
Irgendwann möchte ich alle offiziellen deutschen Jakobswege gewandert sein.
Und ich bin sicher:
Das schaffe ich.
Ein kleines Fundstück
Im Laufe des Tages fand ich noch einen kleinen Stofffisch am Weg.
Solche Dinge landen bei mir nicht im Müll.
Sie kommen in meine Erinnerungssammlung.
Denn am Ende sind es oft genau diese kleinen Fundstücke, die eine Strecke unvergesslich machen.
31,1 Kilometer am Geburtstag.
Ich finde, das kann sich sehen lassen.



















































