Kippenfrei und Nähpilger

Direkt vor dem Dom in Erfurt gab es gestern Abend noch eine italienische Opernaufführung. Ich konnte in meiner Unterkunft live dabei sein. Das war kostenfrei :-). Rechne ich den Eintrittspreis vom Übernachtungspreis ab, dann habe ich für 10 Euro übernachtet. Trotzdem bin ich wohl drüber eingeschlafen. Kurz vor Mitternacht, das habe ich am Morgen gelesen, hat mir meine Lieblingsschwester, ich habe nur eine, die Information gegeben, daß unser verstorbender Vater in seiner Kindheit in Erfurt gelebt hat. Wusste ich nicht mehr, aber deshalb war wohl Erfurt für mich was besonderes.

Im Hotel Garni am Domplatz begann dann schon sehr früh mein Tag. Ich hatte meine Sachen schon gepackt und begab mich bereits um 7.15 Uhr in den Frühstücksraum. Anpfiff fürs Frühstück eigentlich erst 7.30 Uhr. Ich mache seit einiger Zeit einen Test.. bin einfach immer 15 Minuten vor Öffnung da. Mal sehen, ob sie dann Stress kriegen. Gemein, ich weiß, aber bei mir im Büro war das auch oft so, ich hatte die Jacke noch an und schon die ersten Fragen… Früher hat dann die innere Stimme gesagt: “der Tag geht ja schon mal gut los…”. In der Hälfte der Fälle bleiben die Wirtsleute trotzdem sehr entspannt, weitere 25% werden etwas hektischer, so auch heute morgen, denn die Brötchen mussten erst noch vom benachbarten Bäcker geholt werden. Egal, ich bestellte gleich zwei mehr als Wegzehrung mit. Und prompt erfüllt. Die letzten 25% haben ab diesem Zeitpunkt schlechte Laune. Ich bin ja jetzt Pensionär…

Gleich heute morgen kam mein Poncho zum Einsatz. Dauerregen. Aber unersetzlich bei diesem Schietwetter. Die hier in Erfurt sind übrigens sehr fortschrittlich: in 2021 ist hier die Bundesgartenschau; wer als Hundebesitzer ohne das Mitführen eines Kotbeutels erwischt wird, zahlt 20€ Verwarngeld und mindestes 50€, wenn der Abgang liegenbleibt; und Erfurt soll Kippenfrei werden, eine Zigarettenkippe verseucht übrigens 40 Liter Trinkwasser und wird erst in 400 Jahren abgebaut. Aber irgendwie können wohl die RaucherInnen nicht lesen….

27,94 Kilometer betrug meine heutige Wanderleistung nach Gotha. Ich habe nur wenige Menschen gesehen: einen Mann der luxuriös in seinem Schwimmbad mit Gegenstromanlage schwamm, ein Herrn Sänger, der sich sehr für mich interessierte und mich nach meinem Befinden nach dieser schon langen Pilgerstrecke seit Görlitz erkundigte. Hatte den meine Frau beauftragt? Und sonst nur Menschen in der Entfernung. Auch der CheckIn ins Hotel Schützenberg erfolgte per Telefon und Durchsage des Codes für den Schlüsselkasten. Trotzdem ein ausgezeichnetes Genießer-Hotel.

Und beim Umziehen habe ich doch tatsächlich einen Knopf von meinem Polohemd abgerissen. Selbst ist der Mann. Gleich wieder angenäht, denn ich hatte Anfang der siebziger Jahre als Junge Handarbeitsunterricht. Das war für die damalige Zeit eine Revolution. Ob ich heute noch stricken und häkeln kann? Na ja, und der Zufall hatte mir in Tüttleben auch den Nachnamen meiner Handarbeitslehrerin ins Gedächtnis gebracht. Geißler stand auf einer Haustürklingel, der Nachname der Lehrerin.

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