Chlorwasser, Kartoffelsuppe und Wünschelrute

Gleich nach dem Frühstück habe ich meine Wasservorräte mit Leitungswasser aufgefüllt. Ist doch noch gesünder als Mineralwasser. Und dann habe ich beim Verlassen die weiße Kalihalde gesehen, ein schlechtes Omen? Ja, ja, ja. Die wollten den Marathonpilger vergiften…. das abgefüllte Leitungswasser roch ekelig nach Chlor. Igitt. Meint ihr die hatten ein Schild im Hotel hingestellt? Fehlanzeige. In einer Tischlerei im benachbarten Mosa hat mir der Stift (andere sagen Lehrling oder Auszubildender) erlaubt, auf der Besuchertoilette das Wasser zu wechseln. Feiner Zug vom Stift.

Bis Otzbach hatte es immer wieder lange schnurgerade Wanderstrecken. Ich war wohl so döselig und ging durch Otzbach. Später habe ich erfahren, dass auf dem eigentlichen Jakobsweg eine Statue mit Glocke von Jakobus steht. Wie gesagt, ich bin durch Otzbach gelatscht. Und da saßen vor einem Haus zwei ältere Herrschaften, die gerade mit dem Mittagessen fertig waren. Ich fragte: hat es denn geschmeckt? Komm her Pilger rief die Chefin des Hauses, hier ist noch Suppe da. Oh nein, Suppen gehören wahrlich nicht zu meinen Lieblingsgerichten. Als Pilger darf ich es aber nicht abschlagen und schon saß ich am Tisch. Leckere Kartoffel-, Zucchini-Suppe und dazu zwei selbstgebackene Scheiben Brot mit Quark und Schnittlauch. Köstlich dieses Festmahl. Danke für das gute Essen liebe Eheleute Hohmann. Wie Zuhause. Auch Umwege können sich lohnen. Den Geschmack des frischen Schnittlauchs habe ich jetzt noch. Lecker.

Auf dem Weg nach Bremen (bei Geisa) habe ich eine Wünschelrute gefunden. Gut nach Wasser suche ich hier in der Gegend nicht, aber vielleicht in den nächsten Tagen nach etwas ganz besonderem. Bin selbst gespannt. Und jetzt schleppen ich die Rute im Rucksack. Oh nein, bin schon wie meine Frau, denn die hat im Trainingslager auf Langeoog einen 1,50m hohen Strandgut-Stock gefunden und nicht nur 10 Kilometer geschleppt sondern auch bei der Abreise über die Fähre mit nach Hause genommen. Wahrscheinlich hat sie eine Kindheitserinnerung und jetzt durfte sie es quasi nachholen, ohne um Erlaubnis zu fragen.

In der Jakobuskirche in Bremen habe ich Hanna getroffen, die seit Eisenach pilgert. Sehr freundlich und unterhaltsam. Ich sollte ihr später aus der Klemme helfen…

In dieser Kirche waren drei Altare, der Hauptaltar in der Mitte und links und rechts zwei Seitenaltare. Auf der rechten Seite wurden die kleinen Engel begrüßt – die neu geborenen Babys. In einer Mappe konnte ich mir das ansehen. Der linke Seitenaltar war für die Verstorbenen vorbehalten. Auch hier wurde in einer Mappe den Menschen gedacht, die jetzt bei den Engeln sind. Alles sehr persönlich hier in Bremen.

Auf der Strecke nach Geisa habe ich mich natürlich wieder verfranzt…. kurz vor Geisa habe ich Hanna wiedergetroffen und wir sind zusammen in die Stadt einmarschiert. Sie wollte beim Pfarramt übernachten, war es jetzt das Katholische oder das Evangelische? Beide Kirchen abgeklappert, nichts zu sehen. War die Unterkunft wirklich in Geisa fragte ich? Egal, die Hamburgerin wollte jetzt einfach nur sich ausruhen. Als Pilger hilft man sich. Oh nein, alle Pensionen, Hotels und Ferienwohnungen in Geisa ausgebucht…. die 67-Jährige war am verzweifeln. Dann schlafe ich draußen in meinem Rucksack, reagierte sie trotzig… Okay, jetzt war eine schnelle Lösung erforderlich. Lösungen musste ich im Büro immer viele finden. Ich sagte zu Hanna, fahr doch mit dem Bus nach Hünfeld ins Kloster, die haben immer Platz und morgen früh kommst du mit dem Bus wieder zurück. Wenn nicht Corona wäre, dann wäre sie mir vor Dankbarkeit um den Hals gefallen. Schwupps habe ich noch die Busverbindung rausgesucht und schon marschierte sie mit einem Winken Richtung Bushaltestelle. Jeden Tag eine gute Tat.

In der Pension noch eine Handwäsche der Klamotten gemacht. Hoffentlich trocknet sie. Der Tag geht mit 24,51 Kilometer Wanderleistung zu Ende. Schön wars.

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